Wichtig sind vor allem die Haltung und die Werte, die vorgelebt werden, nicht so sehr das Geschlecht

Für die Kinder zählen die Angebote, nicht das Geschlecht

Drei Erzieher: Christoph Elsberger, Josef Louis und Jan Tillmann (v. l.). (c) Kathrin Albrecht
Drei Erzieher: Christoph Elsberger, Josef Louis und Jan Tillmann (v. l.).
Datum:
6. Mai 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 10/2026 | Kathrin Albrecht

In der Kita St. Bartholomäus gehören Christoph Elsberger (37) und Jan Tillmann (33) ganz selbstverständlich zum Team der pädagogischen Fachkräfte. Im bundesweiten Vergleich sind die beiden etwas Besonderes, denn der Anteil männlicher pädagogischer Fachkräfte in Kindertagesstätten beträgt um die acht Prozent. Erzieherin gilt, ebenso wie Grundschullehrerin, noch als typischer Frauenberuf. Auch für die beiden Erzieher war es nicht der erste Weg — aber bald der richtige.

Christoph Elsberger studierte auf Lehramt, absolvierte sein Referendariat, merkte aber, das war nicht das Richtige. „Ich wollte aber im pädagogischen Bereich bleiben.“ Also wagte er den Quereinstieg und hat es nicht bereut: „Ich kann die Sachen, die ich als Lehrer gut fand, trotzdem haben und das, was ich nicht gut fand, fällt weg.“ Auch für Jan Tillmann war ein Studium die erste Wahl, aber nicht das Richtige. Arbeiten in der Natur und mit Kindern, das lag ihm mehr.

Kitas  fördern die soziale, emotionale und kognitive Entwicklung der Kinder. (c) La Rel Easter/unsplash.com
Kitas fördern die soziale, emotionale und kognitive Entwicklung der Kinder.

Josef Louis war 29 Jahre Erzieher in der Kita St. Franziskus in Viersen-Süchteln, wollte zunächst  auch einen anderen Weg einschlagen. Er machte seine Ausbildung als Erzieher bei der Bundeswehr. „Eigentlich ging das in Richtung Jugendarbeit, aber wir haben einmal auch einen Kindergarten in Köln-Bocklemünd besucht“, erzählt er. Da begegnete er der vierjährigen Maren: „,Kommst du mit Memory spielen?‘, hat sie mich gefragt,“ erinnert er sich. Als die Kita St. Franziskus, damals noch getragen von der Kirchengemeinde – heute wie die Kita St. Bartholomäus in Trägerschaft der Horizonte gGmbH – Erziehungskräfte suchte, bewarb er sich. „Damals, Anfang der 1990er-Jahre, war ich wohl noch mehr ein Exot, als das heute der Fall ist.“ Aber: „In der Familie gibt es auch Vater und Mutter, warum sollte das in der Kita nicht auch so sein?“

Doch ganz so einfach ist es nicht. Brigitte Böken, Leiterin der Kita St. Bartholomäus: „Es muss seitens der Leitung die Bereitschaft geben, sich auf männliche Fachkräfte einzulassen, aber auch seitens der Eltern.“ Da habe es vereinzelt schon Skepsis gegeben, auch, wenn diese ausgeräumt werden konnte.

„Für die Kinder zählt vor allem, welche Angebote du machst“, sagt Josef Louis. Jan Tillmann und Christoph Elsberger bestätigen das. Die Kita St. Bartholomäus arbeitet mit einem offenen Konzept: Die Kinder entscheiden selbst, welches Angebot sie wahrnehmen und womit sie spielen. Das Team begleitet die Kinder dabei, fördert und beobachtet die Entwicklung der Kinder individuell. Wenn Jan Tillmann in den Garten geht, ist die Begeisterung groß – bei Mädchen wie Jungen.

Auch bei den Fachkräften ist in der Regel zweitrangig, ob ein Mann oder eine Frau das Angebot macht, finden die drei. Doch kleine Unterschiede gibt es, findet Christoph Elsberger: „Wir gehen mit Konflikten anders um. Es geht weniger um die Befindlichkeiten als darum, den Konflikt im Kern zu lösen.“ Und: „Wir lassen den Kindern beim Toben mehr Raum.“

Die Kitas haben bildungspolitisch in den vergangenen Jahren eine Aufwertung erfahren. Für die frühkindliche Bildung sind diese Einrichtungen ein wichtiger Baustein. Auch gesellschaftlich hat sich in den vergangenen Jahrzehnten einiges verändert. Zunehmend erleben Kinder zu Hause die Eineltern-Situation, meist mit der Mutter. Nicht zuletzt deswegen strebt die Politik an, den Anteil männlicher Erzieher in den Kitas zu erhöhen.

Brigitte Böken berichtet aus ihrer Erfahrung, dass tatsächlich alleinerziehende Mütter mit der Tatsache, dass es in der Kita auch männliche padägogische Fachkräfte gibt, die Hoffnung verbinden, dass ihre Kinder auch die männliche Perspektive erleben. 
Was das heißt, darauf haben die drei sehr differenzierte Antworten. „Wir haben alle Werte und eine Haltung mit auf den Weg bekommen und versuchen, diese weiterzugeben. Es ist wichtig, dass die Kinder ein Gefühl dafür bekommen, was richtig und was falsch ist“, sagt Josef Louis. „Ein Vorbild zu sein, bedeutet für mich, dass man sich an Regeln hält, die Wahrheit sagt, nicht, dass man vorlebt, wie man meint, dass ein Mann zu sein hat,“ sagt Christoph Elsberger.

Jan Tillmann ist seit drei Jahren selbst Vater. „Mir war schon früh klar, dass ich eine Familie gründen wollte. Die Karriere war mir nicht so wichtig, ich wollte in den ersten zwei Jahren als Vater da sein, um eine Beziehung aufbauen zu können.“ Eine große Rolle habe dabei sein Vater gespielt, der ihm riet, den Beruf nicht so wichtig zu nehmen.

In ihrem persönlichen Umfeld haben alle drei überwiegend positive Erfahrungen gemacht, wenn die Sprache auf ihren Beruf kommt. Die wichtigste Rückmeldung komme sowieso von den Kindern selbst, findet Christoph Elsberger: „Ich war vor kurzem eine Woche krank. Dass die Kinder äußern, dass sie mich vermisst haben, ist in dem Zusammenhang ein gutes Feedback.“