Weihnachtsweg

Offenes Angebot in Maria im Tann lässt Heiligabend neu entdecken

Auf dem Vorplatz des Gemeindezentrums empfängt ein Bläserensemble mit Weihnachtsliedern. (c) Thomas Bürgerhausen
Auf dem Vorplatz des Gemeindezentrums empfängt ein Bläserensemble mit Weihnachtsliedern.
Datum:
13. Dez. 2023
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 50/2023 | Andrea Thomas

Gott ist Mensch geworden: mit die schönste und hoffnungsvollste Botschaft, die die christlichen Kirchen zu bieten haben. Sie Menschen neu nahezubringen, braucht auch neue Wege und Ideen. So lädt die Aachener Gemeinde Maria im Tann am Nachmittag des Heiligen Abend nicht zur klassischen Krippenfeier, sondern zu einem Hoffnungs-Stationenweg.

An den Weihnachtsbaum können Menschen „Hoffnungslichter“ mit ihren Gedanken und Wünschen hängen. (c) Anna Kübler
An den Weihnachtsbaum können Menschen „Hoffnungslichter“ mit ihren Gedanken und Wünschen hängen.

„Entstanden ist die Idee spontan zum Heiligen Abend 2020“, erzählt Monika Paffen vom Vorbereitungsteam. Viele Jahren gab es in Maria im Tann in Aachen-Preußwald eine ökumenische Krippenfeier. Die hatte die Gruppe zum ersten Weihnachtsfest in der Pandemie angepasst und einige Teile nach draußen verlegt. „Wir hatten Sterne und Herzen vorbereitet, die draußen an einen Weihnachtsbaum gehängt werden sollten. Auf diese sollten die Besucher dann die Namen von Menschen schreiben, mit denen sie gerne Weihnachten gefeiert hätten, oder Herzenswünsche“, erinnert sie sich. Dazu sollten Bläser auf dem Vorplatz des Gemeindezentrums spielen und im Kirchensaal sollte ein kurzer Krippenfilm gezeigt werden und ein Fürbittgebet gesprochen werden. Soweit der coronakonforme Plan, als dann doch alle Gottesdienste abgesagt wurden.

Gar nichts zu machen, erschien der Gruppe – neben Monika Paffen Sandra Goertz, Anna Kübler, Dominik Nagel, Eva und Thomas Bürgerhausen und Gemeindereferentin Veronika Nagel – aber auch nicht richtig. Etwas wollten sie den Menschen gerade in dieser Situation anbieten, und so entschieden sie, (wie jedes Jahr) das Friedenslicht zu verteilen und auch den bestellten Bläsern nicht abzusagen. Sie stellten sich ins Foyer und ließen die Tür zum Saal offen, damit, wer sich sein Friedenslicht abholen kam, an der Krippe vorbeigehen und die Kirche durch die Seitentür wieder verlassen konnte, ohne die damals geltenden Abstandsregeln zu verletzen.

„Es kamen nicht viele Menschen an diesem Heiligen Abend, aber sie waren alle so dankbar, dass sie die Möglichkeit hatten, so einen kleinen Impuls (Lichtblick) in dieser doch sehr schwierigen Zeit zu haben, dass wir vom Team wirklich sehr ergriffen waren“, erzählt Monika Paffen. Alle hätten sich „für dieses Stückchen Hoffnung“ bedankt. Am Ende habe ihr Weihnachtsbaum viele Sterne und Herzen gehabt. Und nicht nur die, die gekommen waren, hatten einen besonderen Weihnachtsmoment.

Über Generationen und Konfessionen

Die Krippe im Kirchensaal bietet die Möglichkeit, still zu verweilen oder das Gespräch zu suchen. (c) Thomas Bürgerhausen
Die Krippe im Kirchensaal bietet die Möglichkeit, still zu verweilen oder das Gespräch zu suchen.

Weil das so gut angekommen war und ein Jahr später wieder nicht klar war, ob die Pandemie „klassische“ Gottesdienste an Heiligabend zulassen würde, plante die Vorbereitungsgruppe sofort mit einem offenen Angebot aus „Hoffnungsstationen“. Dabei ist sie auch 2022 geblieben, und auch in diesem Jahr wird es den Stationenweg wieder geben. „Wir haben gemerkt, dass vielen ein solches offenes Angebot wichtig ist, zum Beispiel, weil ihnen die Krippenfeier mit Kindern zu lang ist oder sie sich in den klassischen Gottesdienstangeboten nicht mehr wiederfinden, sie gerne etwas hätten, wo sie sich selbst einbringen können.“ Zu ihnen kämen Menschen jeden Alters und unabhängig von Konfession, Menschen, die nicht zu den klassischen Sonntagsgottesdienstbesuchern zählen, die sich aber gerade an Weihnachten ein Stück spirituelle Begleitung und Begegnung wünschen.

Der Weg besteht aus sechs Stationen, die jedoch keine feste Reihenfolge haben. Jeder und jede geht sie, so wie er oder sie mag. Am Heiligen Abend zwischen 15.30 und 17 Uhr erwarten die Ehrenamtlichen die Besucher, begrüßen und begleiten an den einzelnen Stationen, erklären, wenn etwas unklar ist, suchen das Gespräch und begleiten auch gerne ein Stück. Auf dem Vorplatz des Gemeindezentrums gibt es eine kurze Einführung, was angeboten wird, und hier spielen auch die Bläser. Wer mag, verweilt ein wenig und lauscht der Musik, auch mitsingen ist ausdrücklich erlaubt. An einer weiteren Station können sich die Menschen ein Friedenslicht mitnehmen. „Wir erzählen, wie es zu uns gekommen ist, und laden die Menschen ein, mit ihrem Licht weitere Lichter im Familien- und Freundeskreis anzuzünden.“

Außerdem gibt es die Möglichkeit, einen kurzen Krippenfilm anzuschauen. Anfangszeiten sind um 15.45 und 16.15 Uhr. Im Kirchensaal kann jeder seine Gedanken und Wünsche an diesem Christfest auf eine Kerze aus Tonpapier schreiben und dieses „Hoffnungslicht“ an den großen Tannenbaum im Altarraum hängen. Im Saal sind auch die Stationen „Fürbitten“ und „Segen“, wo, wer das will, mit den Ehrenamtlichen beten kann. Wenn jemand einfach nur das „Hoffnungslicht“ aufhängen möchte, ist das auch in Ordnung. Alle Stationen verstehen sich als Angebot. Letzte Station ist die Krippe, an der man still verweilen oder auch mit anderen ins Gespräch kommen kann.

Die Reaktionen waren in den vergangenen beiden Jahren, wo jeweils um die 40 bis 50 Menschen dem weihnachtlichen Stationenweg gefolgt sind, sehr positiv. Wenn jemand das Friedenslicht für die kranke Nachbarin mitnehme und bei einer späteren Begegnung erzähle, wie sehr sie sich darüber gefreut habe, dann mache sie das im Team auch ein bisschen mit glücklich, sagt Monika Paffen. Aus der Coronaidee ist ein Erfolgsmodell geworden.