Wege zukünftig gemeinsam gehen

Beispiele aus Brüggen/NIederkrüchten/Schwalmtal und Nettetal/Grefrath

Ankunft in Bracht: Die musikalische Radtour bringt Menschen zusammen. (c) Kathrin Albrecht
Ankunft in Bracht: Die musikalische Radtour bringt Menschen zusammen.
Datum:
17. Juni 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 13/2026 |Kathrin Albrecht

 Seit dem 1. Januar 2025 sind aus den 71 Gemeinschaften der Gemeinden im Bistum Aachen 44 Pastorale Räume errichtet worden. Sie bilden das Grundgerüst für eine zukünftige pastorale Struktur des Bistums. In der Region Kempen-Viersen gibt es fünf dieser Pastoralen Räume. Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen sich die neuen Strukturen und Gremien etablieren und die Basis für ein vielfältiges, lebendiges Gemeindeleben bilden. Doch wie sieht das konkret aus? Zwei Beispiele. 

Per Rad den Raum erkunden

Eine Tour, drei Kirchen, drei musikalische Stationen: Das ist das Konzept der musikalischen Radtour im Raum Brüggen, Niederkrüchten und Schwalmtal. Seit mehr als zehn Jahren gibt es diese Tour. „Begonnen haben wir damals noch in der GdG Brüggen/Niederkrüchten“, erzählt Hildegard Reugels-Schlütter. „Die drei Pfarreien in der GdG sind eher so nebeneinander hergelaufen. Wir wollten das ändern und die Zusammenarbeit in Gang bringen.“

Übernommen hat sie die Idee aus der Eifel, Sohn Thomas ist dort Pfarrer. Als sich abzeichnete, dass sich die GdG mit der GdG Schwalmtal zusammenschließt, hat der Arbeitskreis Radtour früh die Fühler Richtung Schwalmtal ausgestreckt und stieß mit der Idee auf offene Ohren – auch beim Kirchenmusiker Stefan Lenders. Mit seinem Kollegen Floris van Bommel arbeitet er seit drei Jahren das musikalische Konzept der Tour aus – in diesem Jahr bestreitet er es alleine, van Bommel wird zum ersten Mal Vater.

Das Seniorenheim St. Laurentius Elmpt, die Kirche St. Gertrudis Dilkrath und die Kirche St. Mariä Himmelfahrt in Bracht sind in diesem Jahr Stationen, musikalisch stehen Marienlieder im Mittelpunkt. Beim gemeinsamen Ausklang im Pfarrheim Bracht ist Gelegenheit, sich gegenseitig kennenzulernen. Und die Gemeinschaft ist schon gut gemischt. Maria van Oost aus Niederkrüchten ist bei jeder Tour dabei: „Alles, was mit Singen und Fahrradfahren zu tun hat, macht mir Spaß.“ Nebenan sitzt Gertrud Kaumanns aus Elmpt: „Es tut auch mal gut, von der klassischen Kirche ein Stück wegzugehen. Von heute kann ich ganz viel mitnehmen.“

Manche kommen auch direkt zu den Kirchen, um dort einer Andacht, einem Wortgottesdienst und der Musik zuzuhören. „An jeder Station sind es immer 30 bis 50 Leute“, sagt Nadine Glende, ebenfalls im Arbeitskreis Radtour engagiert. Niedrigschwellige Angebote erleichtern das gegenseitige Kennenlernen. Außerdem wisse jeder, wo was sei.

„Es ist wichtig, gegenseitig Vertrauen aufzubauen und zu halten. Das, was wir im Vorfeld aufgebaut haben, wird helfen, wenn es schwierig wird“, ist Klaus Schroers überzeugt. Er kommt aus der Pfarrei St. Matthias Schwalmtal und ist Mitglied im Leitungsteam und im Rat des Pastoralen Raums. Im Grunde, fügt Michaela Bongartz, aus der Pfarrei St. Nikolaus Brüggen, hinzu, ist es das Gebiet des alten Dekanats. Doch der Austausch erfolgte eher auf Ebene der Priester. „Es ist wichtig, dass wir Menschen zusammenbringen und die Gemeinschaft fördern. Wenn du nicht bei den Menschen bleibst, geht es nicht“, sagt Michaela Bongartz. 

 

Ein Begegnungsfest zum Anfang

Gelegenheit zum Kennenlernen beim Begegnungsfest in Grefrath. (c) Kathrin Albrecht
Gelegenheit zum Kennenlernen beim Begegnungsfest in Grefrath.

Seit dem 1. Januar 2025 bilden auch die Pfarrei St. Benedikt Grefrath und die im vergangenen Jahr gegründete Pfarrei Heilige Mutter Teresa Nettetal einen Pastoralen Raum. Vor und hinter dem Schlibecker Berg gab es bislang wenig Berührungspunkte. Damit sich das ändert, feierte der Pastorale Raum eine gemeinsame heilige Messe in der Kirche St. Laurentius und auch ein Begegnungsfest im Grefrather Cyriakushaus. 

Während der heiligen Messe erhielt auch das Leitungsteam seine offizielle Beauftragung und stellte sich der 13-köpfige Rat des Pastoralen Raums vor. In ihrer Predigt bekräftigten die Pfarrer Benedikt Schnitzler und Johannes Quadflieg, dass sie den Weg zukünftig gemeinsam bestreiten wollten.

 Doch sie wollen sich auch Zeit lassen, zu definieren, wie dieser Weg aussehen sollte. Ihr gemeinsames Plädoyer: Nach vorne schauen und gemeinsam gestalten. Dafür gibt es in der Kirche Applaus.

Diesen Weg kann Eva-Maria Thönes gut mitgehen. Sie ist Schulseelsorgerin in Breyell und im Leistungsteam des Pastoralen Raums. „Dinge, die gut laufen, dürfen auch erst einmal weiter laufen“, sagt sie. Das gegenseitige Kennenlernen steht im Vordergrund. Der Rat des Pastoralen Raums habe sich schon mehrfach getroffen. Im kommenden Frühjahr möchte Grefrath/Nettetal  bei einer Vollversammlung Orte von Kirche im Pastoralen Raum benennen. Dazu bilden sich in den kommenden Wochen Arbeitsgruppen.

Sie ist optimistisch, dass der gemeinsame Weg gut gelingt. „Ich habe persönlich einige Anknüpfungspunkte zu Grefrath. Ich bin dort zur Schule gegangen und habe dort Handball gespielt.“ Ein erster Schritt ist mit diesem Begegnungsfest getan.