Was ist für den Raum am besten?

Der Glaskünstler Hubert Spierling ist tot. In St. Hubert Krefeld wurde die Auferstehungsmesse gefeiert

Eine große Retrospektive zeigte das  Deutsche Glasmalerei-Museum Linnich zum 85. Geburtstag des Künstlers. (c) Dorothée Schenk
Eine große Retrospektive zeigte das Deutsche Glasmalerei-Museum Linnich zum 85. Geburtstag des Künstlers.
Datum:
15. Mai 2018
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 20/2018 | Dorothée Schenk
„Hubert Spierling gibt dem Licht Farbe.“ Ein ausdrucksstärkeres Kompliment konnte man ihm nicht machen. Er war einer der bestimmenden Glaskünstler der Nachkriegszeit.
Hubert Spierling (c) Dorothée Schenk
Hubert Spierling

Hubert Spierling ist am 28. April mit 92 Jahren in Krefeld gestorben. Neben Glas dienten Putz, Leinwand, Stoffe und Tuche dem gebürtigen Sauerländer als künstlerischer Untergrund. Wandmalerei, Paramente, liturgische Gewänder, monumentale Wandbehänge gehören ebenso zum Œuvre von Hubert Spierling wie die zahlreichen Fenster für bedeutende mittelalterliche Kirchen wie den Limburger Dom, die Abteikirche Maria Laach oder den St.-Patrokli-Dom in Soest, für St. Cyriakus Hüls und die Alte Kirche Körrenzig – und natürlich Fenster für Profanbauten wie den Hauptbahnhof seiner Wahl-Heimatstadt. Spierling arbeitete mit den bedeutendsten Kirchenbaumeistern des 20. Jahrhunderts zusammen, etwa mit Rudolf Schwarz, Hans Schilling, Hans Schwippert und Emil Steffann.

Für Gottfried Böhms Rochuskirche in Jülich entwarf Spierling ebenfalls die Fenster. 1977 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Menden und 1993 die Johan-Thorn-Prikker-Plakette der Stadt Krefeld. Sein umfangreiches Schaffen wurde zuletzt 2010, zu seinem 85. Geburtstag, im Deutschen Glasmalerei-Museum Linnich retrospektiv gezeigt. Allerdings war die Rückschau eher die Erfassung des Status Quo. Bis zu seinem Tod war der Künstler in Bauberatungen einbezogen, entwickelte in seinem Atelier- und Wohnhaus in Krefeld Ideen. Die letzte große Arbeit war 2013 das Fensterprogramm in der Konventkirche in Hüls.

 

Prägung und Nachlass

Im Werkkatalog zur Ausstellung schildert Hubert Spierling, wie er durch seinen angeheirateten Onkel Vincenz Frigger zur Kunst kam, welche Unterstützung er durch seine Eltern erfuhr – obwohl er als Sohn eines Malermeisters nicht die Werkstatt übernehmen, sondern Künstler werden wollte – und seine künstlerische Prägung durch die französische Architektur der Romanik, Georg Meistermann und Heinrich Campendonk. Das Kunstwerk tritt bei Hubert Spierling nicht hinter dem Bauwerk zurück. „Es bringt frischen Wind in das Vorhandene“, habe mal ein Künstlerfreund gesagt. Es war Spierling aber wichtig, dass es sich um eine Raumgestaltung handelt, die im Gesamtkonzept aufgeht und kein für sich stehendes Bildmotiv ist.

Vor allem der Kirchenraum beeinflusste seine Entwürfe und hier insbesondere das Licht – in Verbindung mit der Farbe als sein Haupt-Gestaltungselement. Im Mittelpunkt stand die entscheidende Frage: „Was ist für den Raum am besten?“ Fenster in Kirchen etwa dürften nicht von der Liturgie ablenken. Die Auferstehungsmesse wurde in der einzigen transportablen Kirche gefeiert, für deren Fenstergestaltung Hubert Spierling verantwortlich zeichnete: St. Hubert Krefeld. Das Fensterband steht einmal mehr für den Mut, die Experimentierfreude und das hohe Fachwissen des Künstlers, der auf dem Verberger Waldfriedhof beigesetzt wurde. Seinen kunsthistorisch und kuratorisch noch unerschlossenen Nachlass verwaltet seine Ehefrau Paula Spierling.