Es sind Zeichen von Nächstenliebe, Mitgefühl und Kümmern für diejenigen, die nicht so viel Geld haben. Die Ehrenamtlichen haben an diesem Samstagvormittag, dem „Wohlfühlmorgen“ in der Kurt-Tucholsky-Schule, für Obdachlose und bedürftige Menschen ein Frühstücksbuffet liebevoll hergerichtet. Nicht nur das. Die Besucherinnen und Besucher können duschen, eine von drei Friseurinnen besuchen oder die Fußpflegerin in Anspruch nehmen. Auch eine medizinische Beratung und Erstversorgung steht kostenlos zur Verfügung.
Dietmar Klabunde, Stadtbeauftragter der Malteser in Krefeld, hat dieses Angebot 2023 ins Leben gerufen. „Katja Schweberg, eine unserer Ehrenamtlichen in Krefeld, erfuhr in Düsseldorf davon. Schnell haben wir mit der Organisation hier begonnen. Dass Oberbürgermeister Frank Meyer sogleich seine Unterstützung versprach, war ganz toll.“
Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben, können sich beim Wohlfühlmorgen an einem Mehr erfreuen, das über das übliche finanzierte Mindestmaß hinausgeht.
So befindet sich Janina (74) auf der Liege der Podologin und freut sich über die fachgerechte Behandlung ihrer geschundenen Füße. Kamile (65) bekommt einen neuen, schicken Haarschnitt und lächelt. Zum „Wohlfühlmorgen“ sind über 100 Leute gekommen, um es sich gut gehen zu lassen und Dinge zu genießen, die sie sich sonst nicht erlauben können.
Frank Meyer ist fast den ganzen Morgen vor Ort, sieht sich die Angebote an. „Man sieht, was das mit den Menschen macht und wie viel ein Frühstück, eine Dusche oder ein Gespräch bedeuten kann. Ich danke den Maltesern für diese großartige Aktion und allen Sponsoren und Helfern, die den Wohlfühlmorgen unterstützen“, sagt er.
Es stehen ausgewiesene Fachleute parat. Darunter sind Kurosch Moussazadeh, Chefarzt und Facharzt für Allgemeinchirurgie sowie für Orthopädie und Unfallchirurgie und sein Kollege Mussab Elgiafari, Notarzt für Innere Medizin.
„Wir beraten, beantworten Fragen und passen auf, dass hier nichts passiert“, sagt Moussazadeh. „Ich habe bereits eine Muskelzerrung behandelt und mir eine Hautveränderung angesehen.“ Auch die Zahnärzte Eva Pavel und Marcus Bartsch behandeln kostenlos und auf Wunsch anonym. „Ich habe 15 Jahre im Denti-Mobil, einem Anhänger des Medi-Mobils der Caritas gearbeitet und die Obdachlosen-Versorgung übernommen“, berichtet Pavel. „Das ist mit Corona eingeschlafen. Wir versuchen, es jetzt wiederzubeleben.“ Mit ihrer vorhandenen Einrichtung könnten die beiden Dentisten Zähne ziehen, Prothesen reparieren oder die Leute beraten. Noch sind keine Patienten da. Das ändert sich vielleicht nach dem nächsten Körnerbrötchen.
Für die meisten Besucherinnen und Besucher beginnt der Tag mit einer langen, warmen Dusche. Es geht dabei auch um die Stärkung des Selbstwertgefühls und der Gesundheit. Frische Wäsche und Kleidung liegen in den Kleiderkammern des Sozialdienstes katholischer Christen parat. Dort werden auch 800 Portionen frisch gebackene Waffeln gereicht.
An den langen Tischen im Eingangsbereich der Schule sitzt die 81-jährige Mila. „Ich lebe allein, absolut isoliert. Ich komme ursprünglich aus Tschechien. Meine Freundinnen sind nicht mehr unter uns. Hier kann ich mich beim Kaffee unterhalten.“ Sie wird von ihrem Nachbarn André begleitet. „Es ist schön, wenn sie mal woanders hingehen kann.“
Derweil kommt Melanie Hanemann aus dem Quartiersbüro Lehmheide vorbei. „Hier sind selbst genähte Hygienetaschen mit Inhalt. Ich verteile sie an alle, die mögen.“ Michael (67) war bis vor fünf Jahren obdachlos und lebt jetzt in einem Wohn- und Pflegeheim. „Ich habe meine Freunde von damals nicht vergessen.“ Frische Hemden liegen auf dem Rollator. Gegenüber sitzt Liam (38). Er sagt lächelnd, dass sie „ziemlich beste Freunde seien, best buddies, sozusagen“. Auch er war früher obdachlos, wohnt jetzt in einer Einrichtung der Diakonie.
Im Zimmer nebenan gibt es eine Warteschlange bei Podologin Ricarda Köksal. „Ich liebe Füße“, sagt die Fachfrau. „Ich bin selbst Diabetikern und weiß, wie viel Lebensqualität verloren geht, wenn man mit Schmerzen gehen muss.“ Derweil spielen Franziskus von Heereman und seine Frau Elisabeth Live-Musik: „Falling in love with you“. Zwei Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes spazieren in Dienstkleidung durch die Reihen.
Auch die drei Friseurinnen haben alle Hände voll zu tun. Kamile sagt über ihren neuen Haarschnitt. „Den kann ich mir sonst nicht leisten.“ Uschi Palm ist mit den Kolleginnen bei der Arbeit: „Für uns ist die Arbeit Ehrensache, wir stehen für die gute Tat. Hier sind alle Menschen lieb und nett.“ Das geben die Besucherinnen und Besucher zurück: „Hier arbeiten alle aus Nächstenliebe, opfern die Freizeit und versehen einen Dienst am Nächsten.“
Dietmar Klabunde ist die Freude über den gelungenen Vormittag anzusehen: „Der Termin für den nächsten ,Wohlfühlmorgen‘ steht schon fest: Es ist der 10. Oktober zwischen 10 und 14 Uhr. Dann sind auch Streetworker vor Ort, und es wird Sozialberatung angeboten. Es gibt dann ergänzende Angebote zu den bestehenden.“