Fast geht der Valentinstag in diesem Jahr unter. Zwischen Altweiber am 12. Februar und Rosenmontag am 16. Februar läuft der Tag der Liebenden Gefahr, einfach weggeschunkelt zu werden.
Nicht so in Venrath: Hier geht der Tag von jeher weit über mit Liebesschwüren garnierte Blumensträuße und Pralinen hinaus. Am 14. Februar 1478 wurde zum ersten Mal eine Kirche in Venrath urkundlich erwähnt. Das heutige Gotteshaus wurde 1868 eingeweiht.
Der Heilige Valentin ist der Schutzpatron der Liebenden. Es ist unklar, ob es sich beim Heiligen Valentin um Valentin von Terni oder um Valentin von Rom handelt. Beide könnten auch ein und dieselbe Person sein. Er soll im 3. Jahrhundert trotz Verbots des Kaisers Liebespaare christlich getraut haben. Dafür wurde er verurteilt und im Jahr 269 hingerichtet.
In Venrath wird daher das Patrozinium gefeiert – und die Liebe. Im Valentinsgottesdienst für verliebte Paare am 13. Februar setzt die Gemeinde dem Aberglauben an einen Unglückstag das Glück entgegen. Paare können sich dabei segnen lassen. Auch in der Münster-Basilika St. Vitus in Mönchengladbach wird eine Segensfeier für Paare gefeiert (15. Februar, 20 Uhr).
Eine Segensfeier für Liebende unter dem Regenbogen bietet die Gemeinde Klinkum in der Kirche Zur Heiligen Familie an (20. Februar, 18 Uhr). Die Wegberger Pfarrgemeinde St. Martin lädt seit einigen Jahren alle Paare ein. Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen kommen und lassen sich segnen. Das gilt auch für jene, die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben.
Ein Umstand, der nicht selbstverständlich ist. Dass die Liebe zwischen zwei Menschen gleichen Geschlechts einen Segen in einer katholischen Kirche erhält, ist erst seit gut zwei Jahren offiziell möglich. Im Dezember 2023 genehmigte Papst Franziskus das. Allerdings darf der Segen nicht an eine Trauung erinnern, denn die Ehe kann in der katholischen Kirche ausdrücklich zwischen Mann und Frau geschlossen werden.
Franziskus‘ Entscheidung war eine Überraschung, schließlich hatte die Glaubenskongregation die Frage nach der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare im März 2021 noch mit einem klaren „Nein“ beantwortet. Für viele Priester und Diakone in Deutschland war das nicht hinnehmbar. Es regte sich Widerstand. Unter dem Motto #liebegewinnt wurden in ganz Deutschland Segnungsgottesdienste gefeiert. Knapp ein Jahr später machten sich 125 queere Personen bei der Aktion #outinchurch sichtbar.
Dass in der Kirche Unterschiede zwischen Liebe und Liebe gemacht werden, empfinden viele als Skandal. Schließlich macht Gott keinen Unterschied zwischen den Menschen und nimmt jeden so an, wie er ist. Er hat den Menschen geschaffen. „Die sexuelle Orientierung ist eine Gabe Gottes. Sie ist nicht zu hinterfragen“, sagte Bischof Helmut Dieser zu #outinchurch.
Menschen, die lieben, wollen ihre Liebe nicht verheimlichen. Wer aufmerksam durch Stadt und Landschaft geht, sieht die großen und kleinen Liebesbeweise. Da ist mit pinker Farbe ein Herz zwischen zwei Buchstaben auf eine graue Mauer gesprüht. Da blüht ein rotes Herz in einem Beet, beim Blumenhändler kauft jemand rote Rosen, am Bahnhof verabschiedet sich ein Paar mit einem Kuss und ein alter Mann nimmt seine Frau an der Hand, um mit ihr Arm in Arm durch den Park zu gehen.
Es gibt nur weniges, das sich vermehrt, wenn man es teilt: Wissen, eine Kerzenflamme und die Liebe gehören dazu. Letztere ist eine positive Energie, die den Liebenden Kraft gibt. Wer verliebt ist, fühlt sich leicht, die Welt scheint heller, die Verbindung zu einem anderen Menschen wärmt das Herz.
Mit den Jahren verändert sich die Liebe. Sie kann intensiver werden, die Schmetterlinge im Bauch flattern seltener, dafür hinterlassen sie ein Gefühl von Vertrauen und Geborgenheit. Das macht die Liebe so wertvoll. Sie gewinnt immer, wie auch die Geschichte des Heiligen Valentin zeigt. Kaiser Claudius II., der die Trauungen verboten hatte, starb nur ein Jahr nach Valentin an der Pest. An ihn erinnert kein Gedenktag.