Wahrzeichen

Freiwillige reinigten Orgel und Schnitzarbeiten

Die Verantwortlichen freuen sich über die gelungene Sanierung der Kapelle. (c) Stephan Johnen
Die Verantwortlichen freuen sich über die gelungene Sanierung der Kapelle.
Datum:
17. Juni 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 13/2026 |Stephan Johnen

Monatelang war die Golbacher Kapelle „Maria Hilf“ geschlossen. Die Kirchenbänke ausgebaut, alle Wände blank, überall Gerüste, Kabel, Arbeitsgeräte und Material. Am 10. Januar ging es mit dem Ausräumen los, am 3. Mai öffnete das Wahrzeichen des Ortes wieder für Gottesdienste. Am 21. Juni, Kirmessonntag, 9 Uhr, wird während der Heiligen Messe nun auch die feierliche Übergabe der renovierten Kapelle an die Gemeinde gefeiert.

 Die umfangreiche Sanierung der Kapelle war ein Kraftakt – zum einen finanziell, aber auch im wahrsten Sinne des Wortes: Denn nur, weil viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer mit anpackten und Arbeitsstunde um Arbeitsstunde für Gotteslohn zur Verfügung stellten, konnte das Projekt gelingen. „Es gibt immer ein paar Enthusiasten, die andere mitziehen. Wer Leute anspricht, bekommt auch Hilfe“, bedankt sich Wolfgang Larres vom Kapellenvorstand für die tatkräftige Unterstützung aus der Gemeinde.

Die letzte Grundrenovierung der Kapelle fand im Jahr 2000 statt. Messungen über einen längeren Zeitraum hatten zuletzt gezeigt, dass die Luftfeuchtigkeit in der Kapelle zu hoch war. Die alte Umluftheizung hatte zudem Staub und Ruß in der gesamten Kapelle verteilt, der Innenraum wurde von Jahr zu Jahr „schwärzer“. Eine zusätzliche klimagesteuerte Lüftungsanlage sowie eine neue Steuerung für die Heizung sollen dieses Problem der verschmutzten Wände nun dauerhaft lösen. Gleichzeitig wurde die Elektroinstallation in der Kapelle auf den neuesten Stand gebracht. „Unter Anleitung eines Elektrikers waren sechs Ehrenamtliche einen Tag im Einsatz und haben Kabel verlegt“, berichtet Karl-Heinz Reetz vom Förderverein der Kapelle. Ein Dank geht auch an ein großes Möbelhaus aus Kall, dass sowohl für das Aus- als auch für das Einräumen der Kirchenbänke zwei Transporter und Fahrer gestiftet hatte; ebenso den notwendigen Platz für die Einlagerung des beweglichen Mobiliars während der Arbeiten.

Das Konzept der Sanierung wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Verwaltungszentrum Schleiden, dem Generalvikariat Aachen und dem Denkmalschutz erstellt, die Vorbereitungen reichen viele Monate zurück. Im Sommer 2025 wurde schließlich die Baugenehmigung erteilt. Die Gesamtkosten von rund 100.000 Euro wurden vollständig aus Mitteln der Kapellengemeinde finanziert. „Wir haben jahrelang gespart, gehen sparsam mit den Mitteln um und haben Spenden gesammelt“, bilanziert Wolfgang Larres.

Jetzt ist auch die Orgel fertig

Im Januar wurde ausgeräumt und eingerüstet. (c) Stephan Johnen
Im Januar wurde ausgeräumt und eingerüstet.

Die leere Kapelle wurde vollständig eingerüstet, um zunächst als Vorbereitung der Malerarbeiten die Wände mit Radiersteinen und Reinigungsschwämmen trocken vom Ruß zu befreien. Nach der Grundierung wurden alle Flächen in Abstimmung mit dem Denkmalschutz neu gestrichen. Eine Fachfirma reinigte die bleiverglasten Fenster und reparierte Schäden. Die Lautsprecheranlage sowie die geschnitzten Stationen des Kreuzwegs und das Marienbild wurden ebenfalls gereinigt – von Freiwilligen aus dem Dorf.

Eine Reinigung und Revision der Orgel, die während der Sanierungsarbeiten aus Sicherheitsgründen komplett eingehaust war, war der letzte Baustein der Sanierung. „Auch hier waren wieder viele Freiwillige dabei, die beim Entstauben der Pfeifen unter sachkundiger Anleitung geholfen haben, um Kosten zu sparen“, berichtet Karl-Heinz Reetz. 392 Pfeifen mussten ausgebaut, gereinigt und wieder eingesetzt werden.

Eine Baustelle, die sich langsam ankündigt, ist die Sanierung des Schieferdachs. „Das Dach wird jedes Jahr von einem Fachunternehmen geprüft, notwendige Reparaturen werden vorgenommen“, hofft Wolfgang Larres, dass der komplette Austausch der über 120 Jahre alten Schieferplatten noch einige Jahre auf sich warten lässt. 

Viele Golbacher würden dafür beten, dass das Dach noch viele Jahre hält, sagt er. Die Kosten für eine neue Eindeckung wurden auf rund 300.000 Euro geschätzt. Die Kapellengemeinde ist wirtschaftlich eigenständig und hat über Jahre Rücklagen gebildet, doch diese Summe ist schon eine Hausnummer.

 

Dorfgemeinschaft

Eine Maria im Strahlenkranz  krönt den Turm. (c) Stephan Johnen
Eine Maria im Strahlenkranz krönt den Turm.

„Die Kapelle trägt viel zur Dorfgemeinschaft bei“, sagt Edi Hergarten, der sich wie viele andere Golbacher seit Jahren für die Pflege, den Erhalt und die Sanierung der Kapelle „Maria Hilf“ einsetzt. „Viele Menschen aus unserem Dorf wurden hier geboren, gingen hier zur Schule, sind von Taufe über Hochzeit bis zu Beerdigungen eng mit der Kapelle verbunden“, sagt Wolfgang Larres. „Hier wird noch gebetet, hier wird noch gesungen, hier besuchen stets rund 40 Gläubige den Gottesdienst“, fügt Küsterin Hildegard Reetz hinzu.

Schon ihr Vater hatte diese Aufgabe übernommen, der Dienst in der Kapelle ist auch für sie eine Herzensangelegenheit. Golbach hat rund 600 Einwohner, die katholische Kapellengemeinde hat rund 320 Mitglieder. Der 2005 gegründete Förderverein verzeichnet jedes Jahr mehr Mitglieder, aktuell sind es rund 60. „Der Förderverein wird in Zukunft eine immer größere Rolle für die Unterhaltung der Kapelle sowie notwendige Reparaturen spielen müssen“, hofft Wolfgang Larres, dass es auch in Zukunft gelingen wird, die Kapelle zu erhalten, sie offen zu halten und das ganze Jahr über mit Leben zu füllen – und neue Mitglieder, Spender und Unterstützer zu finden.

Nicht nur für die Menschen in Golbach spielt das Wahrzeichen des Ortes eine besondere Rolle, die Kapelle liegt auch am Fernwanderweg „Eifelsteig“ und ist ein beliebtes Etappenziel bei Besucherinnen und Besuchern der Eifel, die auf Wanderungen dort einkehren, Halt machen, die Stille nutzen, um innerlich zur Ruhe zu kommen und vielleicht auch zu beten. Die Kapelle ist so beliebt, dass längst eine automatische Schließanlage eingebaut wurde, die „Öffnungszeiten“ von 8 bis 18 Uhr ermöglicht.

Zur Einweihungsmesse am Kirmessonntag spielt Angela Weniger die Orgel, begleitet von der von ihr geleiteten Bläsergruppe. Auch die Musikkapelle Kall stimmt zum Ende des Gottesdienstes mit ein. Zelebrant ist Regionalvikar Pater Wieslaw Kaczor, der die Kapelle „als echtes Juwel“ beschreibt: „Sie ist Ausdruck von Glaube, Zusammenhalt und großer Einsatzbereitschaft.“ Anschließend ist ein kleines Fest vor der Kapelle mit Imbiss und Getränken geplant, bevor es zur Kirmes geht.

Um die Herausforderungen der Zukunft stemmen zu können, freut sich der Förderverein über weitere Mitglieder und/oder Unterstützung. Informationen erteilen Wolfgang Larres (0 24 41/87 87) und Hildegard Reetz (0 24 41/67 06).