Von offenen und geschlossenen Kirchen

Möglichkeiten der Andacht, wenn das Gotteshaus geschlossen ist

St. Barbara in Mönchengladbach ist offen. (c) Garnet Manecke
St. Barbara in Mönchengladbach ist offen.
Datum:
19. Mai 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 11/2026 | Garnet Manecke

Die Tür öffnet automatisch, wenn man die Klinke drückt. Eine Frau tritt ein, bekreuzigt sich am angeleuchteten Bild der Madonna mit Kind und geht dann auf die Glastür zu. Die öffnet sich geräuschlos und der Weg in den Innenraum St. Barbara ist frei. Die Frau nimmt in einer Bank Platz und sitzt still im Gebet versunken eine Weile da. Beim Herausgehen zündet sie am Marienbild noch eine Kerze an, dann drückt sie wieder die Klinke und die schwere Holztür öffnet sich, um die Frau in ihren Alltag zu entlassen.

„Ich finde, Kirchen müssen offen sein“, sagt Pater Wolfgang Thome immer wieder. Der Franziskaner ist Hausherr in St. Barbara, die zur Anlage des ehemaligen Klosters am Bunten Garten in Mönchengladbach gehört. In der Innenstadt sind mit St. Barbara, der Citykirche und der Münster-Basilika drei Kirchen die meiste Zeit offen für Besucher. In Rheydt können Gläubige in St. Marien zum Gebet einkehren.

Im Dorf Gerderhahn bleibt die Kirche geschlossen. (c) Garnet Manecke
Im Dorf Gerderhahn bleibt die Kirche geschlossen.

Was einst Normalität war, ist heute eine Seltenheit. Denn auch vor Kirchen macht Vandalismus nicht Halt. Eine Erfahrung, die auch Pater Wolfgang Thome schon öfter machen musste. Im Oktober 2021 wurde das Bild der Gottesmutter mit Kind in der Marienkapelle schwer beschädigt und der Ständer mit den Opferkerzen umgeworfen. Das Bild wurde von einem Restaurator repariert und hängt wieder in der Kapelle.  Schon 2018 gab es einen Fall von Vandalismus, als Jugendliche mit einem Feuerlöscher den Kirchenraum besprühten.

Die Angst vor solchen Vorfällen ist der Grund, warum viele Kirchen außerhalb der Gottesdienstzeiten geschlossen bleiben. „Kann man ja heutzutage nicht mehr machen“, sagt eine Gerderhahnerin auf die Frage, ob die Kirche tagsüber geöffnet sei. Ein Schicksal, das sie mit vielen Kirchen in den Regionen Heinsberg und Mönchengladbach teilt. Eine ehrenamtliche Aufsicht, wie es sie in der Münster-Basilika und der Citykirche in Mönchengladbach gibt, können die kleinen Dorfkirchen nicht stellen.

Gläubige haben dennoch einige Möglichkeiten, für ein Gebet oder eine kurze Andacht innezuhalten. Bei trockenen Wetterbedingungen bieten bei vielen Kirchen Parkbänke an. In ländlichen Gebieten gibt es oft Kapellen, die geöffnet haben. Das Birgelener Pützchen im Birgelener Wald oder die Feldkapelle in Waldfeucht sind Beispiele dafür.

Aber auch Grabeskirchen sind Alternativen. Mit St. Elisabeth, St. Matthias und St. Josef, die „Juppekerk“ sind es in Mönchengladbach drei. Auch St. Kamillus, die 2014 entwidmet wurde und heute ein Kolumbarium ist, bietet einen Ort der Stille und Einkehr. In Hückelhoven ist St. Bonifatius im Stadtteil Schafhausen ein offener Ort für ein Gebet. Manchmal findet man offene Gotteshäuser an Orten, an denen man sie am wenigsten erwartet. In Berverath wird die Kapelle St. Josef jeden Morgen geöffnet. Hier treffen sich die letzten Dorfbewohner oft. Berverath ist eines der geretteten Tagebau-Dörfer rund um Keyenberg.

Dass die meisten Kirchen nur für Gottesdienste und Veranstaltungen geöffnet sind, wird immer wieder bemängelt – auch in den Regionen Mönchengladbach und Heinsberg. Wie kann man die Kirchen öffnen und gleichzeitig schützen, wenn man keine Aufsicht hat? St. Marien Rheydt hat als Antwort eine Glaswand vor den Kirchenraum gebaut. So ist die Andachtskapelle tagsüber zugänglich; der Kirchenraum ist gleichzeitig sichtbar und geschützt. Eine Garantie, dass nichts passiert, ist aber auch das nicht. Auch St. Marien musste schon Vandalismus erleben. Dass die Kirche deshalb ihre Türen geschlossen hält, kommt trotzdem nicht infrage.