Vogelsang IP

Ein Ort der Geschichte(n):  Wie aus der  Kaderschmiede der  Nationalsozialisten ein Ort für  Demokratie, Miteinander und Toleranz wurde

In den 1930er-Jahren wurde die sogenannte „NS-Ordensburg“ von den Nationalsozialisten als Schulungsstätte geplant. Mit Kriegsbeginn rückte die Wehrmacht ein. (c) Vogelsang IP
In den 1930er-Jahren wurde die sogenannte „NS-Ordensburg“ von den Nationalsozialisten als Schulungsstätte geplant. Mit Kriegsbeginn rückte die Wehrmacht ein.
Datum:
11. März 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 06/2026 |Stephan Johnen

Kaum ein Ort in der Eifel hat eine so wechselseitige Geschichte wie dieser ursprünglich von den Nationalsozialisten oberhalb der Urfttalsperre errichtete Gebäudekomplex: In den 1930er-Jahren wurde die sogenannte NS-Ordensburg zur Ausbildung des Führungskaders geplant und errichtet, nach dem Zweiten Weltkrieg waren Gebäude und Areal über 50 Jahre lang ein belgischer und NATO-Truppenübungsplatz; seit fast 20 Jahren präsentiert sich Vogelsang als internationaler Platz für Toleranz, Demokratie und ein friedliches Miteinander – mitten im Nationalpark Eifel gelegen. 

 

Nach Ende der militärischen Nutzung wurde die Anlage zum 1. Januar 2006 der Öffentlichkeit als Vogelsang IP (Internationaler Platz) wieder zugänglich. Auch für Wanderungen und Spaziergänge ist das gut an den ÖPNV angebundene Areal ein guter Ausgangs- oder Zielpunkt.

Im neuen Besucherzentrum wird die wechselseitige Geschichte dieses Ortes erklärt und eingeordnet. (c) Freiheitswerke Fotoagentur Wolf
Im neuen Besucherzentrum wird die wechselseitige Geschichte dieses Ortes erklärt und eingeordnet.

Herzstück des Internationalen Platzes und Ausgangspunkt für die weitere Erkundung ist das Forum Vogelsang IP mit dem Besucherzentrum. Der markante Glasbau auf dem ehemaligen Adlerhof der NS-Schulungsstätte steht bewusst in Kontrast zu den denkmalgeschützten Bauten aus den 1930er-Jahren. Zwei Dauerausstellungen bieten einen barrierefreien und viersprachigen Zugang zu den beiden zentralen Themen des Standortes – Geschichte und Natur. Die Dauerausstellung der NS-Dokumentation Vogelsang „Bestimmung: Herrenmensch. NS-Ordensburgen zwischen Faszination und Verbrechen“ widmet sich der Geschichte des Ortes. Die Erlebnisausstellung „Wildnis(t)räume“ des Nationalpark-Zentrums Eifel vermittelt die Philosophie „Natur Natur sein lassen.“

Nicht nur für „Erstbesucher“ ist die Vogelsang IP-Führung geeignet: Der 90-minütige Rundgang wird von zertifizierten Guides begleitet und bietet Einblicke in ausgewählte nicht frei zugängliche historische Gebäude. Besucherinnen und Besucher erhalten Hintergrundinformationen über die Geschichte des Ortes. Von März bis Oktober starten diese Führungen täglich um 14 Uhr sowie an allen Wochenend- und Feiertagen zusätzlich um 11 Uhr am Besucherzentrum. Eine vorherige Anmeldung ist zwingend notwendig.

Tickets können unter www.vogelsang-ip.de, telefonisch unter 02444/ 915790 oder per E-Mail an info@vogelsang-ip.de bestellt werden und kosten zwölf Euro. Bei Online-Tickets oder bei einer Anmeldung (mindestens zwei Tage vor der Führung) reduziert sich der Preis auf zehn Euro. Kinder unter 13 Jahren haben freien Eintritt. In Verbindung mit der Vogelsang IP-Führung (Kombiticket) erhalten Besuchende am selben Tag vergünstigte Tickets für die Dauerausstellung „Bestimmung: Herrenmensch“.

Vor wenigen Wochen erst wurde der Raum der Stille und des Gedenkens #WeRememberEifel eröffnet. Die stetig wachsende Ausstellung ist den Lebensgeschichten der Menschen gewidmet, die in der Region zu Opfern der NS-Gewaltherrschaft wurden. Sie umfasst derzeit 40 Biografien von Menschen aus Aachen, Gemünd, Euskirchen, Prüm, Plaid und weiteren Orten, die aus unterschiedlichsten Gründen durch das NS-Regime verfolgt wurden. Die Infos zu den Biografien haben Schulprojektkurse, Geschichtsvereine, Initiativen der Erinnerungskultur und Privatpersonen zur Verfügung gestellt. Der kostenpflichtige Zugang ist im Ticket für die Dauerausstellung und bei allen Sonderausstellungen inkludiert.