"Vieles ist für die Menschen nicht mehr bezahlbar"

Eine Reise zwischen Abenteuer und Respekt dafür, wie die Menschen ihr Leben meistern

Vor Ort besuchte Friedhelm Leven eine Pilgermesse. Fast 1000 Menschen fanden trotz strömenden Regens den Weg in die Kirche. (c) Friedhelm Leven
Vor Ort besuchte Friedhelm Leven eine Pilgermesse. Fast 1000 Menschen fanden trotz strömenden Regens den Weg in die Kirche.
Datum:
17. Juni 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 13/2026 |Kathrin Albrecht

Die Kirchenzeitung berichtete im Januar diesen Jahres über das Engagement von Friedhelm Leven für Burundi. Damals steckte er in den Vorbereitungen zu einer Reise in das ostafrikanische Land. Im März dieses Jahres war es soweit.

 Insgesamt 14 Tage war Leven in Burundi und begleitete Reisegruppen der beiden Vereine, in denen er sich engagiert: „Oase des Friedens für Burundi e.V.“ aus Vorst/Krefeld und die „Burundi-Hilfe e.V.“ aus Brüggen. Mit zehn weiteren Vereinskollegen des Vereins „Oase des Friedens in Burundi e.V.“ besuchte Leven zunächst Gitega, wo sie in dem vom Verein unterstützten Zachäus-Haus untergebracht waren. Dort leben mehr als 100 behinderte Kinder und Jugendliche unter der Obhut der Bene-Tereziya-Schwestern. „Wir konnten ein Stück weit den Alltag der Kinder dort im Behindertenzentrum miterleben“, sagt Leven. In Gitega besuchte die Gruppe ein bischöfliches Blindenheim und überreichte ein moderneres Blindenlesegerät.

Platzregen in Mugera. „Zehn Meter reichten, um ordentlich nass zu werden“, berichtet Friedhelm Leven. (c) Friedhelm Leven
Platzregen in Mugera. „Zehn Meter reichten, um ordentlich nass zu werden“, berichtet Friedhelm Leven.

Dabei war auch ein Besuch des Wallfahrtsortes Mugera möglich, etwa 25 Kilometer südlich der Hauptstadt Gitega gelegen. Im Mugera wird seit 1961 die Gottesmutter Maria verehrt. Höhepunkt ist das Fest Mariä Himmelfahrt am 15. August, dann pilgern Tausende Burunder dorthin. „Vor genau zwei Jahren waren wir schon mal dort und staunten darüber, mit wieviel Handarbeit die beiden Kirchtürme gerade neu aufgebaut wurden. Die renovierte Kirche wollten wir unbedingt sehen“, erzählt Leven. „Wie schon so oft, war bis kurz vor Abfahrt nicht klar, ob wir überhaupt starten können – die Benzinknappheit im Land währt jetzt schon zwei bis drei Jahre und nur mit guter Organisation und natürlich auch mit Beziehungen – in diesem Fall zur Caritas Burundi – gelang es den Schwestern, ausreichend Treibstoff zu bekommen. Auch wenn vieles zu Fuß oder per Lastenfahrrad transportiert wird, ist Benzin für Kranken- und Behindertentransporte wie auch zum Einholen der Ernte von den Feldern, die vom Orden bewirtschaftet werden, lebensnotwendig“, erzählt Leven weiter.

Unterwegs erlebte die Reisegruppe einen Wolkenbruch mit. Friedhelm Leven: „Wir erreichten im strömenden Regen die Pilgerkirche. Die zehn Meter bis zum Eingang genügten, um richtig nass zu werden und wir waren froh, trocken im Gotteshaus die Proben der Helfer für die nächste Pilgermesse erleben zu dürfen und dabei auch die aus Tönisvorst gestiftete Orgel, die Ende vergangenen Jahres per Container den Weg nach Afrika gefunden hatte, zu entdecken.“ Wie sich bei diesem Platzregen die Kirche bis auf den letzten Platz füllte, „fast 1.000 Menschen an einem ganz normalen Samstagvormittag um 11 Uhr morgens“ und bei Platzregen, blieb ein Rätsel, erzählt Leven. Beeindruckt hat ihn die „unfassbare, bunte Menschenmasse, die andächtig den Worten der Geistlichen zuhörte. Diese Bilder und die tollen Gesänge der Menschen erfüllen mich und meine Gruppe heute noch mit Demut.“

Vor zwei Jahren fotografierte Friedelm Leben, wie die Türme der Wallfahrtskirche in Mugera saniert wurden. (c) Friedhelm Leven
Vor zwei Jahren fotografierte Friedelm Leben, wie die Türme der Wallfahrtskirche in Mugera saniert wurden.

Mit den drei Vorstandskollegen von der „Burundi-Hilfe e.V.“ war Leven eine weitere Woche in der Hauptsache in Bujumbura und Muramvya unterwegs und besuchte den neuen Standort „des von uns unterstützten Kinderheimes ,Centre Ville Amahoro‘ – dem Friedensdorf, welches in Buringa (Nähe Bujumbura) eine neue, sehr großzügige und ausbaufähige Anlage gefunden hat, und die landwirtschaftliche Schule in Muramvya, die mit 370 Schüler einen tollen Zulauf hat. Zwei Drittel der Schüler werden in der Schule beherbergt, da der weite Schulweg sonst nicht zu schaffen ist.“

Das Hauptproblem in Burundi, das zu den ärmsten Ländern weltweit gehört, sind die gestiegenen Lebenshaltungskosten. Am Beispiel Benzin macht Leven das deutlich: „Mangelnde Devisen, weite und teure Transportwege über Tansania, politische und wirtschaftliche Instabilität. Wir haben oft lange Autoschlangen vor den Tankstellen entdeckt – einen Tag gab’s Zuteilung für Taxen, einen Tag für Lkws, einen Tag für Motorräder. Nicht zuletzt durch diese Transportproblematik verteuern sich die Grundnahrungsmittel – vieles ist für die Menschen nicht mehr bezahlbar. Die Folge: vielleicht nur noch eine Mahlzeit am Tag, vielleicht auch mal kein Essen.“

Um die Projekte weiter zu unterstützen, plant Friedhelm Leven eine neue Benefizradtour, diesmal von seinem Heimatort Born nach Brüssel. „Der Flughafen ist unser Tor nach Burundi“, erläutert er. Spenderinnen und Spender erhalten weitere Informationen über die Tour und die Projekte unter kontakt@burundi-hilfe.org oder unter (0174) 760 78 39.