Tierisch motivierend

Tiergestützte Intervention

Was spielerisch herüberkommt, ist mitunter Arbeit. Zur Belohnung gibt es auch im Training ein Leckerli. (c) Stephan Johnen
Was spielerisch herüberkommt, ist mitunter Arbeit. Zur Belohnung gibt es auch im Training ein Leckerli.
Datum:
22. Apr. 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 09/2026 | Stephan Johnen

Paulus ist ein kleiner Sonnenschein. Steckt er den Kopf durch die Tür, huscht oft direkt ein Lächeln über die Gesichter der Menschen. Der vier Jahre alte Therapiehund ist treuer Begleiter von Helena Fothen und ein verspieltes Kerlchen. Im Pfoten-Umdrehen sorgt Paulus für eine Auflockerung des Alltags, indem er Menschen motiviert, sich zu bewegen, mit ihm zu spielen oder sogar untereinander ins Gespräch zu kommen.

Paulus öffnet Türen, wo Worte manchmal nicht ausreichen. „Durch sein ruhiges, freundliches Wesen und seine natürliche Empathie bringt er eine besondere Atmosphäre in den klinischen und pflegerischen Alltag“, schildert Krankenhausseelsorgerin Helena Fothen ihre Erfahrungen aus Einrichtungen des Gesundheitswesens im Rahmen der Ausbildung. Auch bei der Seelsorge Nationalpark Eifel und Vogelsang wird Paulus gern gesehen.

Kleine Aufgaben schlagen eine Brücke zwischen Mensch und Tier. (c) Stephan Johnen
Kleine Aufgaben schlagen eine Brücke zwischen Mensch und Tier.

Die sogenannte Tiergestützte Intervention (TGI) ist ein niederschwelliges Angebot. Die Begegnungen mit Therapiehunden können positive Impulse geben, das Wohlbefinden fördern und die Lebensqualität steigern, besonders im Kontakt zu demenziell veränderten Patientinnen und Patienten oder Bewohnerinnen und Bewohnern. Paulus kommt nicht auf „Visite“, denn auch Therapiehunde haben keinen Zutritt zu Patientenzimmern. Doch wer Helena Fothen und Paulus kennenlernen möchte, kann dies in einem besonderen Rahmen und meist in einem eigenen Raum tun.

Paulus ist allerdings maximal zwei Mal am Tag für jeweils 20 Minuten „im Einsatz“, damit auch der Therapiehund ausreichend Möglichkeit hat, sich zu erholen. Denn was in der Begegnung mit Menschen so spielerisch herüberkommt, ist auch für Therapiehunde mitunter anstrengende Arbeit. Eine Arbeit, die Spaß macht, aber die Tiere auch nicht überfordern soll. Aus diesem Grund gibt es auch immer eine Aktionsmatte, die zur Bühne für Paulus wird, und einen Ruhekorb, in den er sich bei Bedarf zurückziehen kann.

Im Vorfeld einer TGI kommt zunächst Helena Fothen zu Besuch und informiert sich ein wenig über die Menschen, deren Hobbys und auch Biographien. Sie möchte beispielsweise auch herausfinden, ob die Menschen im Alltag guten Kontakt zu Tieren hatten. „Jede Sitzung wird individuell vorbereitet“, erklärt Helena Fothen. Sie überlegt sich, welche Aufgaben und kleinen Spiele sie aus ihrem riesigen Repertoire herauspickt, die sowohl zu Paulus als auch zu seinem menschlichen Gegenüber passen.

Helena Fothen (rechts) und Paulus im „Einsatz“. (c) Stephan Johnen
Helena Fothen (rechts) und Paulus im „Einsatz“.

Da jedes Treffen auch ein bisschen von der Tagesform aller Beteiligten abhängt, bereitet die Seelsorgerin auch alternative Inhalte vor, beispielsweise kleine Rätsel, oder sie bringt Liedzettel mit. Die Idee hinter allen „Aufgaben“ ist es, dass dank der Mithilfe von Paulus Aufmerksamkeit, Konzentration, Kommunikation und auch Körperwahrnehmung angeregt und gefördert werden sollen. Die körperliche und auch kognitive Interaktion mit dem Therapiehund ist in vielen Fällen wie eine Initialzündung. „Ich habe mal eine Frau kennengelernt, die nie gesprochen hat. Bis sie Paulus gesehen hat – und plötzlich darüber berichtete, dass sie auch immer Hunde hatte“, berichtet Helena Fothen.

Es muss bei einem Besuch auch nicht immer das volle Programm abgespult werden. Oft reicht schon ein Blick auf den Therapiehund, ein Streicheln des Fells, eine Berührung, um eine positive Veränderung zu bewirken. „Ich habe schon erlebt, dass sich Paulus und eine Person auf Distanz angeschaut haben. Niemand brauchte etwas zu tun, aber es hat etwas bewirkt. Die Liebe zur Natur und den Geschöpfen ist Teil unserer menschlichen Natur, das steckt tief in uns Menschen drin“, ist Helena Fothen überzeugt.