Stark in einem Netzwerk

Wer sich gern ehrenamtlich engagieren möchte, kann sich in Erkelenz nun an Netzwerka wenden

Judith Preis und Michael Kock koordinieren Netzwerka in Erkelenz. (c) Garnet Manecke
Judith Preis und Michael Kock koordinieren Netzwerka in Erkelenz.
Datum:
13. Okt 2020
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 42/2020

In dem Projekt Netzwerka möchten Judith Preis und Michael Kock Menschen in Erkelenz helfen, sich ehrenamtlich zu engagieren, Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Ziel ist es, in einem großen Netzwerk unterschiedliche Menschen zusammenzubringen und so das Leben in Erkelenz bunter zu machen. Der KirchenZeitung haben die Gemeindesozialarbeiterin und der Gemeindereferent erzählt, wie das funktioniert. 

Ein großer Vorteil seines Büros ist der Standort. Direkt am Johannismarkt gegenüber der Kirche St. Lambertus in Erkelenz. „Das ist deshalb toll, weil ich hier mittendrin bin. Ich bekomme viel mit“, sagt Michael Kock über sein Büro in einem ehemaligen Ladenlokal. Noch besser aber ist, dass die Lage und das große Schaufenster Passanten dazu einladen, 
hineinzusehen – und -zukommen. „Es passiert häufig, dass jemand reinkommt und eine Frage stellt oder ein Anliegen vorbringt“, erzählt der Gemeindereferent der Pfarrei Christkönig. Und oft sind darunter auch Ideen, was man in Erkelenz mal anstoßen, verbessern oder neu denken könnte. Hier setzt das neue Projekt Netzwerka an. Ein Netzwerk für Menschen, die Ideen haben, die sie zusammen mit anderen umsetzen wollen. Und für solche, die sich engagieren und einfach helfen wollen, eine Idee umzusetzen.

Entstanden ist Netzwerka im Prinzip in der Anfangszeit der Corona-Pandemie. Das öffentliche Leben war eingeschränkt, die Menschen sollten zu Hause bleiben. Aufrufe wurden gestartet, vor allem den Alten und Kranken zu helfen und für sie zum Beispiel die Einkäufe zu erledigen. „Viele Leute haben sich bei uns gemeldet, die helfen wollten“, berichtet Kock. „Aber es hatten kaum Leute nach Hilfe gefragt. Es gab viel mehr Leute, die helfen wollten, als solche, die Hilfe suchten. Der Bedarf war gar nicht da.“ 
Das Potenzial an Hilfsbereitschaft und Engagement sollte auch nicht ins Leere laufen und brach liegen bleiben. „Wir haben uns also zusammengesetzt und darüber nachgedacht, wie wir das zusammenbringen könnten“, sagt Judith Preis, Gemeindesozialarbeiterin des Caritasverbands für die Region Heinsberg. Durch ein Netzwerk könnte man die Helfer mit den Ideen und Projekten zusammenbringen. Mit dem ehrenamtlichen Engagement muss sich niemand langfristig binden, sondern aktionsbezogen über einen selbstgewählten Zeitraum. „Das kann zum Beispiel für ein paar Stunden beim Aufbau für ein Fest sein oder aber über einen längeren Zeitraum bei der Vorbereitung und Organisation“, erklärt Preis. Netzwerka soll ein kleinschrittiges und niedrigschwelliges Ehrenamt ermöglichen.

 

Mit Netzwerka soll kleinschrittig undniedrigschwellig Ehrenamt möglich sein

Aber nicht nur denen, die zum ersten Mal auf der Suche nach einer ehrenamtlichen Aufgabe sind, soll Netzwerka helfen. „Es gibt ja schon so viel Gutes in Erkelenz und viele Menschen, die sich engagieren“, weiß Kock. „Denen möchten wir anbieten, sich mit anderen zu vernetzen.“ Das könnte neue Synergieeffekte bringen. Zum Beispiel könnte ein Verein mit Nachwuchsmangel zusammen mit einem Flüchtlingsverein, dessen Jugendliche auf der Suche nach Anschluss sind, eine Aktion umsetzen. „Veilleicht ergibt sich daraus etwas, das beide Gruppen dann auch ihr Anliegen gelöst haben“, hofft Preis. Solche Nebeneffekte wirkten sich über Netzwerka hinaus auf das ganze Lebensgefühl in Erkelenz aus.

Auch für die Öffentlichkeitsarbeit stehen die Koordinierenden unterstützend zur Seite, um eine Idee in die Welt zu tragen. Das Netzwerk ist für alle offen: Einzelpersonen, Gruppen oder Vereine. Wobei Judith Preis und Michael Kock betonen, dass sie vor allem die Impulse geben und die Aktionen begleiten.

Das erste Treffen mit Interessierten hat in dem Ladenlokal am Johannismarkt bereits stattgefunden. An den Pinnwänden hängen noch die Zettel mit den Fragen, die sich die Teilnehmer beantwortet haben: Wofür brennst Du? Was hättest Du gerne in Erkelenz? Was ist Dir wichtig? Zum diesem ersten Treffen haben sich Frauen und Männer im Alter von 40 bis Mitte 50 an dem Konferenztisch versammelt. Die klassische Zielgruppe für ein Ehrenamt. Wenn sich das Netzwerk so entwickelt, wie sich die Initiatoren das vorstellen, werden die Teilnehmer heterogener: Jugendliche werden genauso aktiv sein wie Rentner. Das Logo des Netzwerks, vier stilisierte Menschen, die ihre Arme hochstrecken, drückt das aus. Bunt und vielfältig soll Netzwerka werden – wie das Leben in Erkelenz. Um die verschiedenen Zielgruppen zu erreichen, werden verschiedene Kommunikationskanäle eingesetzt. Der erste Schritt lief über Veröffentlichungen in Zeitungen. Um eine weitere Zielgruppe anzusprechen, werden Social-Media-Plattformen wie Instagram bespielt. Zudem hoffen die Organisatoren auf die Wirkung positiver Mund-zu-Mund-Propaganda. „Wichtig ist uns, dass jeder hier mitmachen kann und wir uns über jeden freuen“, sagt Michael Kock. „Jedes Engagement wird von uns konsequent wertgeschätzt. Da gibt es kein besser oder schlechter.“

Das drückt schon das Leitmotiv des Netzwerks aus „Begegnen. Bewegen. Bewirken“. „Diese drei Motive kommen in jeder Bibelgeschichte vor“, sagt Michael Kock. Auch wenn Netzwerka einen katholischen Hintergrund hat, soll das Netzwerk konfessionsübergreifend ansprechen. Mit dem Zusammenhalt und dem Engagement werde Kirche gelebt, ohne zu bekehren, sagen Preis und Kock. Denn Kirche drücke sich nicht in den Gebäuden aus, in denen Gottesdienste stattfänden. Jedes Engagement in der Gemeinde sei Kirche. Netzwerka soll ein Teil davon sein. 

Wer sich bei Netzwerka engagieren will, kann sich an Gemeindesozialarbeiterin Judith Preis, Tel. 0 24 33/98 14 52 60 oder E-Mail: gsa-weg@caritas-hs.de wenden oder an 
Gemeindereferent Michael Kock, Tel. 0 24 31/9 73 31 80, E-Mail: kock@christkoenig-erkelenz.de.