Spiel mit historischer Kulisse

Studierende der FH Aachen und der Penn State University erarbeiten Entwürfe für den Domsingschulhof

Irma Wüller und Jan Richarz sind angetan von der Ideenvielfalt der Studentinnen und Studenten. (c) Andrea Thomas
Irma Wüller und Jan Richarz sind angetan von der Ideenvielfalt der Studentinnen und Studenten.
Datum:
10. Apr. 2024
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 15/2024 | Andrea Thomas

Die Domsingschule hat mit dem Quadrum (dem Innenhof des Kreuzgangs) des Doms ohne Frage einen der ungewöhnlichsten – für viele auch einen der schönsten – Schulhöfe Deutschlands. Ein Ort mit Geschichte – an dem aber auch täglich Grundschulkinder zwischen Mathe und Musik toben und spielen wollen.  

Und aus Kinderperspektive könnte der Schulhof, zu dem auch noch eine Fläche auf dem Katschhof direkt vor dem Dom gehört, dafür gerne etwas weniger grau und dafür bunter und abwechslungsreicher sein. Keine leichte Aufgabe und eine Herausforderung für Dombaumeister Jan Richarz: Denkmalpflege trifft auf Schulhofgestaltung. „Bestimmte Dinge sind aus denkmalpflegerischer Sicht undenkbar“, erklärt er. Das setze bei einer Umgestaltung Grenzen. Auf der anderen Seite hätten Kinder aber einen natürlichen Bewegungsdrang, den sie auch ausleben können sollten. Das gelte es zu berücksichtigen, ebenso, dass es sich um öffentlich begehbare Räume handelt und im Quadrum immer wieder Veranstaltungen wie Konzerte stattfinden. „Wunsch der Schule ist: Es muss was passieren. Und für das ,was‘ braucht es Inspiration.“

Die haben sich die Verantwortlichen nun bei Studierenden aus den Bereichen Architektur und Landschaftsarchitektur der FH Aachen und der Pennsylvania State University aus den USA geholt. Organisiert von der Akademie für internationale Bildung und auf Einladung der Dombauhütte erarbeiteten sie eine Woche lang gemeinsam Entwürfe für die Umgestaltung des Schulhofs der Domsingschule. Das Ergebnis waren 15 ganz unterschiedliche, aber allesamt sehr kreative Vorschläge. Nicht alle Ideen sind umsetzbar, müssen sie aber auch gar nicht, wie Jan Richarz sagt. Die Studierenden hätten mit dem vorhandenen Raum und den Rahmenbedingungen spielen und sich ruhig was trauen sollen. Sie lernten noch, unter anderem, wie sie sich im denkmalpflegerischen Kontext verhalten. 

Getraut haben sie sich und Farbe, viel Grün und moderne Kunst auf die beiden Schulhofflächen gebracht. Bei den Farben haben sich die Studierenden unter anderem am Dom orientiert und sich von den Mosaiken und Fenstern inspirieren lassen. Ein Entwurf („Fantasie und Harmonie“) arbeitet mit begrünten Hügeln, Quadraten und Parcourelementen sowie einem Wasserlauf im Innenhof des Kreuzgangs. Ein anderer Entwurf („Colourbomb“) will unter anderem über Blumen im Quadrum und moderne Spielskulpturen auf dem Katschhof für Farbe und kreative Gestaltungsräume sorgen. 

Fensterschutz mit Sitzgelegenheit

Spielen an historischer Stätte, der Schulhof der Domsingschule im Quadrum des Doms. (c) Domkapitel Aachen/Andreas Steindl
Spielen an historischer Stätte, der Schulhof der Domsingschule im Quadrum des Doms.

Dass die Kinder sich mit ihrer Fantasie einbringen und ausleben können, ist vielen der Studierenden wichtig. So sieht ein Entwurf Tafeln vor, die die Kinder immer wieder neu bemalen können. Ein weiterer Schwerpunkt war, mehr Grün in die Flächen zu bringen. Damit das Quadrum auch anderweitig genutzt werden kann, arbeiten verschiedene Entwürfe hier mit beweglichen Elementen.

Auch ein „Problem“ von Jan Richarz haben die Studierenden aufgegriffen und Lösungsversuche entwickelt: Es geht um die historischen Fenster mit Bleiverglasung, die die Schulhöfe umgeben. Sie würde der Dombaumeister gerne besser schützen, denn auch bei den Domsingschülerinnen und -schülern stehen Ballspiele hoch im Kurs. „Zwar spielen sie nur mit Softbällen, aber auch die haben eine ganz schöne Wucht, besonders, wenn sie nass sind“, erzählt Jan Richarz. Weshalb doch immer mal wieder eine Scheibe zu Bruch gehe. Lösungsvorschläge sind unter anderem farbige Schutzverglasungen oder – eine Idee, die sich der Dombaumeister durchaus vorstellen könnte – Fensterschutz mit Sitzgelegenheit und Spielmöglichkeiten.

Nicht nur Jan Richarz, auch Schulleiterin Irma Wüller ist begeistert von der 
Ideenvielfalt. „Unsere Kinder wünschen sich einen bunteren Schulhof, doch das ist schwierig. Der Schutz und die Würde des Doms müssen berücksichtig werden, aber es muss auch lautes, buntes Spiel möglich sein“, schildert sie den Spagat. Die Studierenden hätten nicht so die Vorbehalte gehabt und Ideen entwickelt, „die wir uns gar nicht zu denken getraut hätten“, sagt sie. Über die Entwürfe ergäben sich jetzt vielleicht Dinge, die doch möglich seien. Ihr gefallen besonders die Entwürfe, die mehr Grün integrieren und eine multifunktionale Nutzung ermöglichen. Alle Vorschläge sollen nun gesichtet werden, ob Ideen und Anregungen dabei sind, die sie in ihre weitere Planung mitnehmen könnten, erklärt Jan Richarz. Er kann sich durchaus vorstellen, das ein oder andere einmal zu bauen, um temporär auszuprobieren, ob das machbar ist. „Vielleicht entstehen so ganz neue Ge-danken.“ Bis zu einem neugestalteten Schulhof ist es sicher noch ein Stück Wegstrecke, aber ein erster Schritt in diese Richtung ist gemacht.  

Die Entwürfe für die Neugestaltung des Quadrums

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