Schunkeln hilft

Die Welt ist in der Krise – machen wir das Beste draus!

Seit 26 Jahren feiert Pfarrer Harald Josephs mit seiner Band in Mönchengladbacher Kirchen kölsch-katholische Gottesdienste. (c) Garnet Manecke
Seit 26 Jahren feiert Pfarrer Harald Josephs mit seiner Band in Mönchengladbacher Kirchen kölsch-katholische Gottesdienste.
Datum:
10. Feb. 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 04/2026 | Garnet Manecke

Singe, danze, fiere ist derzeit das Motto in den Sälen des Rheinlands. Auch in vielen Gottesdiensten gibt der Karneval ein Gastspiel. 

Seit 26 Jahren feiert Pfarrer Harald Josephs aus Rheindahlen in Mönchengladbacher Gemeinden in der fünften Jahreszeit kölsch-katholische Gottesdienste. Damit die Gemeinde mitsingen kann, werden die Texte auf einer Leinwand gezeigt und offenbaren so, dass hinter dem lockeren Schunkelrhythmus oft eine ernste Botschaft steckt.
Bei der Frage, ob man über das Böse lachen dürfe, gebe es zwei Aspekte, sagt Josephs: „Man kann böse sein, wie sich unsere Welt und die Politik darstellen. Das kann mich sehr belasten.“ Die andere Ebene sei das persönliche Leben, das durch Krankheit, Trauer, Tod und andere Krisen durchgeschüttelt werden kann.

„Da ist die Frage, wie gehen wir mit den Nachrichten um?“, sagt Josephs und findet eine Antwort bei der Kölner Band Bläck Fööss. „Mir klääve wie d'r Düvel am Lääve/ Uns Kölsche nimmp keiner – ejal wat och weed/ Dä Spaß für ze laache, dä Bock jet ze maache/ Mir klääve am Lääve, uns kritt keiner klein“, heißt es da.

In diesem Lied werden Themen wie Umweltschutz, Aufrüstung und Klimawandel thematisiert. Die Melodie ist eingängig und schunkelfähig. In der letzten Zeile heißt es, dass selbst, wenn das Ende droht, noch ein junger Baum gepflanzt wird. „Das ist die Mentalität in den Liedern“, sagt Josephs. „Wir benennen es und geben ihm eine Melodie, auf die man tanzen kann. Das gibt eine Leichtigkeit, die gut tut.“ Das Lied wurde 1984 geschrieben.
Viele Themen in den Liedern begleiten schon Generationen. Das gilt für den Umgang mit der Welt genauso wie für Kriege. In „Dat Wasser vun Kölle“ geht es um die Verschmutzung des Rheins. Wer dafür verantwortlich ist, wird nicht direkt angesprochen, aber die Folgen. „Ming Film enwickel‘ ich ovends em Rhing, dat jeit janz jot, do es alles dren“, was in Mundart witzig klingt, ist in der Realität lebensbedrohlich.

Die tanzbare Melodie hat eine Wirkung wie die Worte „Fürchtet Euch nicht“. Sie ist wie eine kleine Umarmung, die zeigt, dass man nicht alleine ist mit seiner Angst. Oft merkt man erst beim zweiten oder dritten Hören, worum es in den Texten eigentlich geht. Die Katastrophe dringt nach und nach ins Bewusstsein und ist so etwas leichter verdaulich.
Auch bei anderen Gelegenheiten hat Josephs beobachtet, welch verbindende und erleichternde Wirkung Lachen haben kann. In Günhoven wird beim Schützenfest der Zapfenstreich in der Grabeskirche gespielt – umgeben von den Grabstelen. „Die Schützen finden es gut, an einem Ort zu sein, an dem sie mit den verstorbenen Schützenbrüdern verbunden sind“, sagt Josephs. Es tue ihnen gut, unter quasi „mit“ denen zu lachen, die dort begraben sind.

Josephs verweist auf ein Lied im Gotteslob, dass diese Botschaft mit anderen Worten zusammenfasst: „Wenn der Himmel in unsere Nacht fällt/ und die Erde uns nicht mehr festhält,/ wenn uns aufgeht, wir dürfen hoffen,/ Gottes Zukunft steht allen offen,/ dann gehen wir dem Himmel entgegen und alle gehen mit./ Wenn ein Lichtblick uns wieder Mut macht,/ neue Hoffnung das Leben hell macht, ...“. Das Gefühl, nicht allein zu sein, stellt sich beim gemeinsamen Singen und Schunkeln in den kölsch-katholischen Gottesdiensten ein. Dabei achten Josephs und seine Band darauf, dass die 15 Lieder, die im Gottesdienst gespielt werden, nicht nur beängstigende Themen haben. „Dä beste Kompass, dä dich föhrt, dat is di Hätz“ heißt es in „Die schönste Stroß“ von den Höhnern. In dem Lied ist jemand auf der Suche nach dem Glück und reist dafür durch die Welt, um zu entdecken, dass es schon vor der eigenen Haustür liegt.

Der Mutmach-Gottesdienst steht unter einem Leitwort. In diesem Jahr ist es die Zeile „Un ejal wie verdötsch und knatschjeck he einer es, op et Hätz, do kütt et he an“, die die Bläck Fööss im Lied „Die kleine Saache“ singen. Egal, welche Katastrophen noch kommen: gemeinsam zu lachen, hilft.

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