Schönheitskur für Orgel und Türen

Der Eifeldom wird 125 Jahre alt – Anlass für eine sehr umfangreiche Restaurierung

Der Kirchenvorstand lässt sich die Restaurierung einiges kosten. (c) Berthold Strauch
Der Kirchenvorstand lässt sich die Restaurierung einiges kosten.
Datum:
8. Apr. 2026
Von:
aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 08/2026 | Berthold Strauch

Er ist ein weithin sichtbares Symbol des Monschauer Landes: Der Kalterherberger „Eifeldom“ mit seinen markanten Doppeltürmen feiert 2026 sein 125-jähriges Bestehen. Um das Jubiläum gebührend zu feiern und die denkmalgeschützte Kirche zu erhalten, haben die Verantwortlichen der katholischen Pfarrgemeinde St. Lambertus einen enormen Aufwand betrieben. 

Angesichts der hohen Kosten – vor allem für die Wiederherstellung der „Königin der Instrumente“ – hat der Kirchenvorstand eine buchstäblich pfiffige Aktion ins Leben gerufen: die Vergabe von Patenschaften für die einzelnen Orgelpfeifen. Auf die Idee für die Patenschaftsaktion ist der 64-jährige Elektromeister Stephan Mertens gekommen, ein Mitglied des Kirchenvorstands.

Paten können dabei helfen, die Restaurierung der Orgel zu finanzieren. (c) Thomas Hummel/CC BY-SA 4.0
Paten können dabei helfen, die Restaurierung der Orgel zu finanzieren.

Mertens, der selbst kein Instrument spielt, ist mit gutem Spender-Beispiel vorangegangen und hat bereits Orgelpfeifen in sein ideelles Eigentum übertragen. Schon ab 25 Euro für die kleinsten Pfeifen können Orgelfans dabei sein.  

Auf dem großen Pfeifenplan, der auch in der Pfarrkirche aufgehängt ist und im Internet zur Verfügung steht (eifeldom.de), können sich die Orgelfreunde das für sie passende Exemplar – oder natürlich auch viele davon – aussuchen. Jeder Spender wird mit seinem Namen dort verewigt. Und auf Wunsch gibt es auch eine Spendenquittung und eine Urkunde. Mertens weiß auch von Fällen, in denen Familien für verstorbene Angehörige posthum eine „klingende Erinnerung“ vereinbart haben, auf dass diese nicht in Vergessenheit geraten.

Aus metallenen und hölzernen Elementen besteht die Orgel. (c) Berthold Strauch
Aus metallenen und hölzernen Elementen besteht die Orgel.

Die Auswahl an Pfeifen ist immens: Genau 1212 Exemplare dieser metallenen oder hölzernen Pfeifen stehen bereit. Seit vergangenem Herbst, als die Eupener Orgelbaufirma Schumacher ihre Sanierungsarbeiten an der Orgel abgeschlossen hatte, läuft die Patenaktion. Bis zum 7. Februar sind bereits 231 Pfeifen an den Mann oder die Frau gebracht worden. Das entspricht 30.150 Euro. Die hohe Summe erklärt sich dadurch, dass Paten bei den „dicksten“ Exemplaren zugegriffen haben, deren Preis bei bis zu 1000 Euro liegt. Zudem ist der vollkommen neu überarbeitete Spieltisch in 20 Abschnitte geteilt und entsprechend gesplittet angeboten worden. Mit den Patenschaften für den aufgeteilten 
Spieltisch ergibt sich eine Summe von 45.150 Euro, rechnet Mertens vor.

Ingrid Alt, ebenfalls ehrenamtlich im Kirchenvorstand aktiv, kümmert sich um die Patenschaftsanfragen. Nach einer ersten Veröffentlichung in der Städteregion kamen 16 neue Spender hinzu. Gar nicht mal so sehr aus der Eifel selbst, sondern aus Aachen, Baesweiler und Stolberg. Und noch ein besonderes Angebot kam hinzu: Ein Tonmeister will das Konzert, das die Pfarrgemeinde für ihre Paten im Frühjahr plant, kostenlos aufzeichnen. Die CD-Aufnahmen des Konzerts bietet er zum Verkauf an, damit der Kirchenvorstand den Erlös in die Orgel investieren kann.  

Der Orgelsachverständige des Bistums Aachen, Bernd Godemann aus Geilenkirchen, stellte 2019 schwerwiegende Mängel bezüglich des Brandschutzes, dazu Schimmel und sogar eine Gefahr für Menschen fest. Ohne Sanierung hätte das Aus gedroht. Somit entschloss sich der Kirchenvorstand zur umfangreichen Sanierung. Dafür musste die Orgel in weit über 2000 Einzelteile zerlegt werden – und nachher wie ein ziemlich kleinteiliges Puzzle wieder zusammengebaut werden.

Der Künstler Peter Sußner (rechts) ist für die Restaurierung der vier Türen des Eifeldoms verantwortlich. (c) Berthold Strauch
Der Künstler Peter Sußner (rechts) ist für die Restaurierung der vier Türen des Eifeldoms verantwortlich.

Unterm Strich schlugen die überfällig gewordenen Arbeiten mit rund 200.000 Euro zu Buche. Das Bistum übernahm gut 60.000 Euro davon. Schon viele Jahre wurde für dieses Projekt gesammelt. Zum Beispiel hatte auch der vor Kurzem verstorbene Kalterherberger Pfarrer Karl Schnitzler um Spenden gebeten.

Auch die Sanierung aller vier Eingangstüren von St. Lambertus war nicht günstig: Sie schlägt mit rund 26.000 Euro zu Buche. Davon trägt die Pfarre die Hälfte. Peter Sußner hat die zwei 80 Kilogramm schweren Flügeltüren, die den Haupteingang der Kalterherberger Pfarrkirche abschließen, in mühevoller Handwerksarbeit kräftig aufpoliert. Der Künstler besitzt am Monschauer Ortsausgang in Dreistegen sein Atelier. Denn ebenso diese „Schönheitskur“ war teuer genug, wie Ingrid Alt vorrechnet, auch wenn das Bistum Aachen einen dicken Zuschussbatzen für diese Arbeiten beigesteuert hat. Es blieb eben noch genug in der wohl nicht allzu üppig gefüllten Pfarrkasse „hängen“.

Und dabei waren die beiden Flügeltüren an der „Wetterseite“ nicht die einzigen Eingänge, die es dringend nötig hatten. Rund um die Kirche wurden alle Türen saniert. Vor dreieinhalb Jahren war zuerst die „Männerseite“ fällig. Da sei Gefahr im Verzuge gewesen, erinnert sich Ingrid Alt. Hier, wo auch eine Rampe den Behinderten einen leichten Zugang zum Inneren der Kirche ermöglicht, hätten sich Kupferbleche gelöst. Damit die Besucher daran nicht mit ihrer Kleidung hängenblieben, musste rasch gehandelt werden.

Jede der beiden Flügeltüren, die den Haupteingang der Kirche abschließen, wiegt etwa 80 Kilogramm. (c) Berthold Strauch
Jede der beiden Flügeltüren, die den Haupteingang der Kirche abschließen, wiegt etwa 80 Kilogramm.

2025 ging die große Türen-Aktion weiter. Als Nächstes war die „Frauenseite“ dran. Und danach ging's ans „Pastoral“, den Eingang für die Priester und Mitarbeiter der Pfarrkirche. Hieran hatte Peter Sußner besonders sorgfältig gearbeitet. Denn es galt, die Erinnerung an den Kalterherberger Pfarrer Gerhard Joseph Arnoldy (1869 – 1914) und seine berühmten „Zwölf Apostel“ – begabte junge Männer aus dem Dorf, die er zur Priesterweihe geführt hatte – wachzuhalten. Die Silhouette Arnoldys, des Bauherrn des 1901 geweihten Eifeldoms, wurde ins Blech getrieben, außerdem die Namen seiner jungen Priesterkollegen. Auf der Tür stehen 13 Namen unter ihrem Förderer Arnoldy.

Wichtiges Anliegen der Denkmalschützer des Bistum war es, die leicht grüne Patina aller Türen zu bewahren. „Dazu habe ich verschiedene Spezialöle – damit hatte schon Kleopatra gebadet – und Quarzsand, was wie Schmirgelpapier wirkt, mit Wattestäbchen aufgetragen“, erläutert Peter Sußner. Die Herausforderung war, die eingearbeiteten Namen wieder lesbar zu machen. Und hier zeigte Künstler Sußner seine Qualitäten in dem uralten Beruf des Spenglers, einer Art Metall-Dachdecker, der Ornamente etwa an kirchlichen Wetterhähnen ausformt. Er musste die Buchstaben und die priesterliche Figur so sorgfältig herausklopfen, damit „niemand sie eintreten kann“. Dazu habe er von hinten eine stabilisierende Verspachtelung aufgetragen, sagt Sußner.

Die Umrandung der Türen nimmt sich Sußner im Frühjahr vor, damit sie entsprechend angeglichen wird. Dann ist alles wieder perfekt, mit frischem Eichenholz im Korpus der Türen. Es ersetzt die teils verfaulten Bretter, in denen sich bereits die Nägel gelöst hatten. Nachdem dieser dicke Brocken geschafft ist, will die Kalterherberger Pfarre im Frühjahr die zerbröselnden Treppenstufen zur Malmedyer Straße angehen. Zum großen Kirchweihfest am 14. Juli, dem 125. Geburtstag des Eifeldoms, soll auch diese Aufgabe abgeschlossen sein.