Nach Ansicht des Bischofs von Aachen, Dr. Helmut Dieser, kommt die Hoffnung vom Glauben an Jesus, der Gottes Werk vollbracht hat. „Und sie wird zu einer gemeinsamen Hoffnung, wenn wir Einzelne den Mut haben, uns dem Werk Gottes unterzuordnen, einzugliedern, mitzuwirken, alle mit den Gaben, die wir je persönlich empfangen haben“, betonte der Bischof im Festgottesdienst zum Abschluss des Heiligen Jahres mit dem Leitwort „Pilger der Hoffnung“ im Aachener Dom. „Pilger der Hoffnung durften wir werden und sollen es auch bleiben.“
„Heilige Zeiten im Leben der Kirche sind ja nichts, was in sich geschlosen bleibt, sondern sie sind wie eine geistliche Kur oder Reha, die lange positiv nachwirken soll“, erklärte Dieser. Der römische Beauftragte für das Heilige Jahr, Erzbischof Rino Fisichella, habe in einem frühen Resümee gesagt: „Sicherlich lässt sich bereits jetzt eine breite Beteiligung des Volkes Gottes erkennen, das von der Verkündigung der Hoffnung, die nicht enttäuscht, beseelt ist“.
Bischof Dieser fragte in seiner Predigt: Wie geht das, beseelt zu werden von Hoffnung? Und was ist das für eine Hoffnung, die nicht enttäuscht? Wie aber spüren wir sogar gemeinsam, als Volk Gottes, eine solche Hoffnung, die zu so etwas wie zu unserer gemeinsamen Seele wird? Zugleich räumte Dieser ein, dass er mit diesen Fragen nicht im Trend der Zeit liege. „Der Zeitgeist und seine Bewegungen bringen derzeit viel eher die Menschen auseinander oder gegeneinander“, kritisierte der Bischof. „In der Weltpolitik geht es derzeit wenig um Hoffnung, sondern viel mehr um Überlegenheit, um Gesichtswahrung und Ideologie, die die einzige Wahrheit sein soll und gewaltsam durchgesetzt wird.“
In Deutschland attestierten die Menschen in Umfragen denen, die regierten, beständig schlechtere Werte. Immer mehr Menschen schienen hoch unzufrieden zu sein und sähen unser Land, ja das ganze europäische Projekt, auf einem absteigenden Ast. Im Kontrast dazu sagten aber viele Menschen, ihnen selbst gehe es eigentlich gut.
„Ein solcher Kontrast zeigt, dass wir von einer gemeinsamen Hoffnung weit entfernt sind“, urteilte Dieser. „Im eigenen Lebensumfeld mag es noch stimmen, aber aufs Ganze gesehen fallen die Einschätzungen überwiegend negativ aus. Das führt zum Rückzug ins Private.“ Die Frage sei, wo Gläubige in dieser seltsamen Melange mit ihrem Heiligen Jahr zu liegen kämen.
„Wieviel gemeinsame Hoffnung gewinnt eine ganze Gesellschaft, wenn das Verhältnis der Generationen und der Geschlechter davon lebt, dass Starke und Schwache, Alte und Junge, Boomer und heute Geborene sich nicht rivalisieren, sondern wechselseitig einander unterordnen“, unterstrich er. „Je mutiger wir das ergreifen und leben, desto mehr Hoffnung finden wir. Dann geht es uns nicht nur im Privaten gut, sondern dann geht Hoffnung von uns aus auch für das Miteinander, für die heutige Welt und Zeit.“ Nie sei eine Zeit gottlos, „Gott hat immer den längeren Atem! Er schafft denen, die auf ihn hoffen, unerwartet neue Lebensmöglichkeiten. Lassen wir uns gemeinsam von dieser Hoffnung beseelen, damit wir auch nach dem Heiligen Jahr Pilger der Hoffnung bleiben.“