„Gehen Sie wieder nach Hause?“, wurde Antonio Gelsomino OFM nach dem Vorstellungsgespräch gefragt. Der Franziskanerpater hatte sich gerade in der Kirchengemeinde Selige Helena Stollenwerk Simmerath vorgestellt. „Ich bin hier“, sagte er – und trat sofort seinen Dienst an.
Der Start hätte nicht besser laufen können: Gründonnerstag, Karfreitag und in der Osternacht in Simmerath stand er schon mit am Altar. „Dieses geistliche Miteinander war ein guter Beginn für das gemeinsame Wirken“, blickt auch Pfarrer Michael Stoffels zurück.
Ein bisschen wie aus heiterem Himmel stand Pater Antonio plötzlich in der Eifel. „Es war schon eine Überraschung, als die Personalabteilung mir vorschlug, einen Franziskanerpater aus Italien als priesterlichen Mitarbeiter aufzunehmen“, berichtet Pfarrer Stoffels. Einen Monat später ist „der Neue“ kein unbekanntes Gesicht mehr in der Gemeinde und vervollständigt das Pastoralteam aus Pfarrer Michael Stoffels und Gemeindereferent Sven Riehn. „Jeder hat einen anderen Stil, aber wir schätzen uns. Auch die Gemeinde spürt, dass wir als Pastorales Team gut zurechtkommen“, sagt Michael Stoffels.
„Ich bin wirklich begeistert, die Kirchen sind voll, ich treffe nur umgängliche Leute, alles ist sehr familiär“, fasst Pater Antonio seine ersten Erfahrungen zusammen. Seine Heimatprovinz ist Apulien in Süditalien, 2002 wurde der heute 54-Jährige zum Priester geweiht.
Schon als Diakon war er in einer Pfarre tätig, dann übernahm er eine Aufgabe als Jugendseelsorger, war Pfarradministrator und Vikar. „Wir wurden so ausgebildet, dass wir Volkspriester sind. Und das wollte ich auch immer sein, nah an den Menschen“, sagt der Franziskaner, der in Deutschland bereits seelsorgerisch tätig war.
Geboren wurde Antonio Gelsomino als Kind zweier italienischer Gastarbeiter, er wuchs in Pforzheim auf und ging dort bis zur siebten Klasse in die Schule. Ein Teil seiner Familie lebt noch heute in Deutschland, seine Eltern gingen mit ihm zurück nach Italien, als er 13 Jahre alt war. „Nach dem Abitur wollte ich Dolmetscher werden, danach Jura studieren“, sagt er.
Aber es kam anders. Eine Lehrerin nahm die Schüler mit zu einer ewigen Profess von zwei Franziskanern, mit denen Gelsomino ins Gespräch kam. „Ich war begeistert von diesem Zeugnis des Glaubens, begeistert von diesen Franziskanern. Sie hatten fast gar nichts, keine weltlichen Besitztümer, waren aber glücklich und zufrieden.“ Auch wenn der Kontakt zur Familie und zu Freunden in Deutschland immer bestand, wurde ein „seelsorgerisches“ Band ins Bistum Aachen erst geknüpft, als ihm sein Provinzial berichtete, dass es dort eine offene Stelle gibt. „Ich habe hier etwas Ähnliches gefunden wie bei uns in Italien: Hier ist man noch katholisch, die älteren Leute kommen gerne in den Gottesdienst, es gibt keine leeren Kirchen“, berichtet Pater Antonio. „Ostern waren immer 250 Leute im Gottesdienst, das hat mich begeistert“, sagt er.
Selbstverständlich gebe es auch Unterschiede. In Italien sei die Kirchengemeinde gerade für junge Menschen oft wie eine zweite Familie. „Kirche ist noch voll ins weltliche Gemeindeleben integriert“, sagt der Franziskaner, die Kirche sei nach wie vor eine Volkskirche. „Diejenigen, die engagiert sind, sind fast alle ehrenamtlich tätig“, erklärt er. Ein Großteil der Gemeindefinanzierung läuft über Spenden. In Deutschland sei Kirche viel synodaler unterwegs. Sprichwörtlich „typisch deutsch“ sei die Pünktlichkeit. „Ich mag das, ich bin selbst ein sehr strukturierter Mensch“, sagt Pater Antonio. Ein bisschen mehr Italien könnten sich die Deutschen beim Umgang mit Herausforderung abgucken. „Wenn wir Steine auf dem Weg haben, machen wir uns keine Gedanken. Wir legen die Steine zur Seite und machen weiter“, sagt er augenzwinkernd. Denken im Gehen statt Denken in der Arbeitsgruppe sozusagen.