Not mit der Notunterkunft

Zeitlich befristete Übergangslösung: In Via hofft auf eine rasche Rückkehr ins Stadtzentrum Düren

Die In-Via-Notunterkunft in Düren soll bis zum Frühjahr 2024 saniert sein. (c) Stephan Johnen
Die In-Via-Notunterkunft in Düren soll bis zum Frühjahr 2024 saniert sein.
Datum:
20. Sept. 2023
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 38/2023 |Stephan Johnen

Der Verband In Via Düren-Jülich e.V. betreibt im Auftrag der Stadt Düren eine Notunterkunft für wohnungslose Menschen mit 24 Stunden Aufenthaltsmöglichkeit. Aufgrund baulicher Mängel und damit einhergehender Gefahren für die Bewohnerinnen und Bewohner des Gebäudes an der Dechant-Bohnekamp-Straße musste die Notunterkunft daher kurzfristig im Stadtteil Merken untergebracht werden. 

Eine Lösung, die aus vielerlei Gründen nicht ideal ist – das wissen alle Beteiligten.

Leiter der In-Via-Notunterkunft in Düren ist Stephan-Backhaus. (c) Stephan Johnen
Leiter der In-Via-Notunterkunft in Düren ist Stephan-Backhaus.

Unter Berücksichtigung der räumlichen Anforderungen und der Dringlichkeit nach der kurzfristig notwendig gewordenen Räumung der Notunterkunft sei nur die städtische Immobilie an der Paulstraße in Merken als Alternative in Frage gekommen, heißt es aus dem Sozialamt der Stadt.

Die Räumung musste veranlasst werden, da es nach Angaben von In Via zunächst einen Brand in einer Unterverteilung der Elektrik gab. Nach dem ersten Reparaturversuch fielen plötzlich andere Stromkreise aus. Die genaue Untersuchung ergab, dass eine Sanierung notwendig ist. Ein Weiterbetrieb hätte  eine Gefahr dargestellt.

Ende August zog die Notunterkunft daher um.

Das Sozialamt der Stadt spricht von einer „zeitlich befristeten Übergangslösung“. In Via hofft, im kommenden Jahr schnell wieder in die alte, sanierte Immobilie zurückkehren zu können.
Alleinstehende Frauen und Männer ohne Wohnung aus dem Stadtgebiet können die In-Via-Notunterkunft nutzen.

In der bisherigen Immobilie standen 29 Betten für Männer und vier Betten für Frauen zur Verfügung. Die beiden Bereiche sind voneinander getrennt. Anders als in der Notunterkunft der Notunterkunft gab es keine Durchgangszimmer.
Neben einem sicheren und warmen Schlafplatz, Küche und Badezimmer und der Möglichkeit, Waschmaschine und Wäschetrockner zu nutzen, bietet das Team weiterführende Unterstützung beziehungsweise die Weitervermittlung von Hilfsangeboten an.  

„Der Standort ist nicht das Optimum“, bedauert auch Sozialamtsleiterin Britta Hourtz die Zwischenlösung.

Die städtische Immobilie an der Dechant-Bohnekamp-Straße musste kurzfristig geräumt werden. (c) Stephan Johnen
Die städtische Immobilie an der Dechant-Bohnekamp-Straße musste kurzfristig geräumt werden.

Die Immobilie direkt gegenüber der Grundschule in Merken ist ein ehemaliges Wohnhaus, das nach einigen Umbauten als Flüchtlingsunterkunft genutzt wurde.

„Die einzige Alternative wäre gewesen, alle Nutzer der Notunterkunft auf weitere städtische Einrichtungen zu verteilen“, erklärt Britta Hourtz. Eine Entscheidung, die auch nicht im Sinne von In Via gewesen wäre, sagt Geschäftsführer York Sommereisen.

Dennoch meldete der Verband sofort Bedenken an, ob beispielsweise dem Brandschutz Genüge getan wird. „Wir haben gleich am ersten Tag eigene Feuerlöscher mitgebracht“, sagt Notunterkunftsleiter Stephan Backhaus. Bestimmungen haben sich geändert Wurde zunächst noch davon ausgegangen, dass die zuletzt 2016 geprüfte Immobilie alle Auflagen erfüllt, stellte sich bei einem Ortstermin in der zweiten Septemberwoche heraus, dass sich einige Bestimmungen geändert haben.

 

Eine 24-Stunden-Präsenz innerhalb der Notunterkunft gehört ohnehin zum Konzept.

Das Ergebnis: Generell spreche nichts gegen eine Nutzung der Immobilie als Notunterkunft. Drei Zimmer der Einrichtung können aber seit der Begehung nicht mehr genutzt werden. Die Nutzer wurden anderen Notunterkünften zugeteilt.

Für In Via bedeutet dies: Die abrechenbaren Fallkostenpauschalen reduzieren sich bei fünf Plätzen um 4500 Euro pro Monat. „Das werden wir nicht unendlich verkraften können“, sagt York Sommereisen.
In Via lasse gerade prüfen, ob die vorhandene Betriebsunterbrechungsversicherung greift und somit der Sozialverband keinen finanziellen Schaden erleidet. Ebenfalls nicht optimal ist aus Sicht des Geschäftsführers, dass sich 30 Bewohnerinnen und Bewohner plus Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter drei Toiletten teilen müssen, von denen eine bereits als Damentoilette deklariert wurde. 

„Die Instandsetzungsarbeiten werden voraussichtlich im Frühjahr abgeschlossen sein“, heißt es aus dem Rathaus. „Ich habe die Hoffnung, dass wir dann wieder zurückziehen können“, sagt York Sommereisen. Jetzt, wo die Immobilie der Notunterkunft ohnehin leer steht, würde er sich freuen, mit der Stadt Düren als Eigentümerin auch die Möglichkeiten weiterer Sanierungsprojekte ausloten zu können. 
Solange die Arbeiten dauern und die Übergangslösung greift, will der städtische Ordnungsdienst mehr Präsenz vor Ort zeigen. Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von In Via werden – soweit, wie es personell möglich ist – in der direkten Nachbarschaft unterwegs sein und die Wohnungslosen der Unterkunft betreuen.

Eine 24-Stunden-Präsenz innerhalb der Notunterkunft gehört ohnehin zum Konzept. York Sommereisen hat das Konzept der Einrichtung bereits im Bezirksausschuss vorgestellt und für einen Nachmittag die Tür für alle Nachbarn geöffnet, die sich informieren wollten.