Neustart

Pa Weck steigt im Alter von 39 Jahren bei der Caritas in die Pflege- Ausbildung ein

„Ich bin fokussierter als damals in der Schule“, sagt Pa Weck über sich selbst. Mit 41 ist sie nicht die Älteste in der Ausbildung. (c) Stephan Johnen
„Ich bin fokussierter als damals in der Schule“, sagt Pa Weck über sich selbst. Mit 41 ist sie nicht die Älteste in der Ausbildung.
Datum:
13. Jan. 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 02/2026 | Stephan Johnen

Die Pflege in Deutschland wird immer älter. Jeder fünfte Auszubildende ist heute über 30 Jahre alt, Tendenz steigend. Das zeigt nicht nur der bundesweite Trend, sondern auch die Erfahrung beim Caritasverband Düren-Jülich.

 Rungnapa Weck, die sich selbst lieber Pa nennt und auch im Kollegenkreis und von den Klienten so gerufen wird, ist eine solche Quereinsteigerin: Mit heute 41 Jahren befindet sie sich im dritten Ausbildungsjahr und gehört zum Team der Caritas-Pflegestation in Linnich. Es kam in ihrem Leben – davon kann wohl jeder eine Geschichte erzählen – vor einigen Jahren anders als selbst geplant. „Aber ich bin froh, meinen Weg gefunden zu haben. Das Leben hatte einen Plan für mich“, sagt sie im Gespräch mit der Kirchenzeitung. Pa Weck hat eine Tür für sich geöffnet, die vielen Menschen offen steht und die zunehmend genutzt wird.

 

Personalentwicklerin Nina Baltes begleitet Pa Weck auf dem Weg. (c) Stephan Johnen
Personalentwicklerin Nina Baltes begleitet Pa Weck auf dem Weg.

„Die jüngste Auszubildende bei uns ist 17, die älteste 53. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass es auch mit einem späteren Einstieg im Bereich der Pflege viele Karrieremöglichkeiten gibt und einem ganz unterschiedliche Fort- und Weiterbildungen offenstehen“, sagt Personalentwicklerin Nina Baltes, die Koordinatorin für die Ausbildung beim Caritasverband Düren-Jülich ist.

Im Caritasverband Düren-Jülich ist mittlerweile mehr als jeder Dritte der neuen Auszubildenden über 30 Jahre alt. „Für jedes Team ist diese Mischung ein Gewinn, denn die älteren Kolleginnen und Kollegen bringen viel Lebenserfahrung mit“, findet Nina Baltes. Dass jemand wie Pa Weck eher durch Zufall und über einen Quereinstieg in die Ausbildung geht, sei kein Einzelfall. Der Verband als Arbeitgeber hat auf veränderte Lebenswege und nicht immer linear verlaufende Karrierewege reagiert, indem er beispielsweise auch Ausbildungen in Teilzeit oder Modulare Qualifikationen anbietet, bei denen Schritt für Schritt ein höheres Qualifikationsniveau erreicht werden kann.

Pa Weck beispielsweise startete als Mitarbeiterin in der Hauswirtschaft. „Ich lebe seit 2007 in Deutschland und habe mich mit einem Massage-Studio selbstständig gemacht“, berichtet die in Thailand geborene 41-Jährige, die in ihrem Heimatland eine Ausbildung zur Technischen Zeichnerin absolviert hat. Vor einigen Jahren hatte sie auch eine Immobilie erworben und mit der Renovierung begonnen. „Und dann kam Corona. Ich musste von heute auf morgen schließen“, sagt sie. Wirtschaftlich zeichnete sich eine Katastrophe ab, Pa Weck „putzte Klinken“, suchte eine Beschäftigung und fand eine Anstellung beim Caritasverband Düren-Jülich in der Hauswirtschaft.

Ein Beruf, den sie nur empfehlen kann: Pa Weck arbeitet gerne in der Pflege. (c) Stephan Johnen
Ein Beruf, den sie nur empfehlen kann: Pa Weck arbeitet gerne in der Pflege.

„Ich kann gut mit Menschen umgehen, bin sehr kommunikativ. Meine Spezialfähigkeit ist Reden“, sagt sie und muss lachen. Eine Einschätzung, die auch Verena Kick, die Pflegedienstleitung der Pflegestation Linnich, teilt. Sie erkannte schnell, dass die neue Aushilfskraft in der Hauswirtschaft viel Potenzial mitbringt, und versuchte, Pa Weck den Wechsel in die ambulante Pflege schmackhaft zu machen. Mehrfach.

 „Sie hat lange versucht, mich zu überzeugen. Aber ich konnte es mir zunächst nicht vorstellen“, bedankt sich Pa Weck bei ihrer „Chefin“, dass diese nicht lockergelassen hat und ihr immer wieder die Möglichkeiten zur beruflichen Entwicklung erörterte. „Irgendwann habe ich zugestimmt, dass ich einen Tag hospitiere und mir die Arbeit anschaue“, berichtet die heutige Auszubildende. Es hat keinen ganzen Tag gedauert, um festzustellen, dass dies genau die richtige Aufgabe für sie ist.

"Der Pflegeberuf ist körperliche Arbeit, aber nach wie vor eine tolle Aufgabe", sagt Verena Kick, Pflegedienstleiterin des Caritasbverbandes Düren-Jülich.

„Es hat sich direkt richtig angefühlt. Ich habe bereits am ersten Tag gespürt, wie dankbar die Menschen sind, die wir pflegen, wie sehr sie sich freuen. Im Massage-Salon geht man arbeiten, damit man Geld verdient. Dankbarkeit gibt es nicht viel“, berichtet sie. Am Ende des Tages war klar: Pa Weck wollte eine Ausbildung beginnen, um als Fachkraft eine neue berufliche Perspektive aufzubauen. Da ihre Kinder schon älter sind und zur Schule gehen, war es für die alleinerziehende Mutter möglich, die Ausbildung in Vollzeit zu starten und das eigene Geschäft zu schließen.

„Für uns ging dann die Lauferei los“, berichtet Verena Kick. Pa Weck musste beglaubigte Kopien ihrer Zeugnisse aus Thailand anfordern, die wiederum übersetzt werden mussten. Weil Papier oftmals sehr geduldig ist, die Papiere aber dringend benötigt wurden, war es ein kleiner Wettlauf gegen die Zeit, bei dem aber auch der schulische Träger mitspielte. „Die Anerkennung aller Unterlagen kam auf den letzten Drücker“, blickt Verena Kick zurück.

Anfangs war es schon eine Umstellung, wieder die Schulbank zu drücken, kann Pa Weck heute über den etwas holprigen Start lachen. „Ich habe die ganze erste Woche nur geheult und gezweifelt, ob ich es schaffe. Ich dachte mir: Mit deinen grauen Haaren gehörst du hier gar nicht hin“, erinnert sie sich. Doch gab es viel Unterstützung von den Kolleginnen und Kollegen, von der Pflegedienstleitung und auch von den anderen Auszubildenden in der Klasse. „Das hat mich stark motiviert – und meinen Ehrgeiz geweckt“, sagt die Auszubildende. Denn sie erkannte schnell, dass sie heute im Vergleich zu ihrer damaligen Schulzeit viel fokussierter, strukturierter und ehrgeiziger ihre Ziele verfolgte und Herausforderungen (wie die medizinische Fachsprache mit all ihren lateinischen Begriffen) annahm.

Diese Lebenserfahrung half und hilft Pa Weck nicht nur in der Pflegeschule, sondern auch im beruflichen Alltag im Umgang mit den Klientinnen und Klienten. „Wir versorgen nicht nur Menschen, arbeiten eine Liste mit Aufgaben ab. Wir leisten auch einen Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität, sind Ansprechpartner“, sagt die 41-Jährige. Der Beruf der Pflege mag in der allgemeinen Wahrnehmung oft mit Schichtdienst und körperlicher Arbeit in Verbindung gebracht werden.

„Ich sehe und denke aber die anderen Seite: Es ist eine wertvolle Zeit für die Menschen. Ich arbeite mit Herz, pflege mit Herz. Wir begleiten Menschen in einer schwierigen Lebensphase; wir beraten und leiten auch die Angehörigen an“, sagt Pa Weck. Respekt sei wichtig, gegenseitige Wertschätzung und Empathie. Sie sagt: „In Thailand heißt es: Wer älteren Menschen hilft, kommt in den Himmel. Ich möchte so eine Heldin sein.“

„Der Pflegeberuf ist körperliche Arbeit, aber nach wie vor eine tolle Aufgabe. Ich bin seit 27 Jahren dabei“, bilanziert Verena Kick vom Caritasverband Düren-Jülich. In der ambulanten Pflege seien die Mitarbeitenden nach erfolgreicher Examinierung, anders als in stationären Einrichtungen, „Einzelkämpfer“. „Man ist für alles, was man vorfindet und tut, alleine verantwortlich, man ist bei Wind und Wetter unterwegs und sieht nicht nur goldene Wasserhähne. Aber hier liegt neben der Arbeit mit den Menschen auch der Reiz der Aufgabe: Wer in der ambulanten Pflege unterwegs ist, kann alleine arbeiten und Verantwortung übernehmen. Wir unterstützen Menschen bei ihrem Wunsch, zu Hause in vertrauter Umgebung zu leben. Wir begleiten sie dabei“, sagt sie.