Nächste Runde im Glauben

Warum entscheiden sich Jugendliche für die Firmung? Die Kirchenzeitung hat gefragt.

Bischof Helmut Dieser spendet einem Jugendlichen das Sakrament der Firmung. (c) Garnet Manecke
Bischof Helmut Dieser spendet einem Jugendlichen das Sakrament der Firmung.
Datum:
5. Jan. 2026
Von:
Kathrin Albrecht

Du wirst geliebt, du bist einmalig, dich brauche ich: „Der einzelne Mensch wird bestätigt, der einzelne Mensch ist gefragt. Das ist das erste Wunder, das Gottes Geist birgt“, sagt Bischof Helmut Dieser zu den Firmlingen. 

32 junge Frauen und Männer im Alter von 16 bis 17 Jahren sind an diesem Samstagabend im Dezember in die Kirche St. Maria Empfängnis in Venn gekommen, um vom Bischof das Sakrament der Firmung zu empfangen. In den 15 Wochen zuvor haben sie sich in drei Gruppen intensiv auf diesen Moment vorbereitet, sich mit Fragen des Lebens und Glaubens auseinandergesetzt. Wer heute Abend hier mit seinem Paten steht, hat sich aktiv für die Firmung entschieden.

„Wir laden alle Jugendlichen im Firmalter zur Vorbereitung ein“, sagt Diakon Richard Cremer. „Am Ende des Vorbereitungskurses entscheiden sich die Jugendlichen, ob sie gefirmt werden wollen.“ Es komme durchaus vor, dass sich dann Mädchen und Jungen noch dagegen entscheiden. In diesem Jahr aber bleiben alle dabei. Mit ernsten Gesichtern stehen sie vor dem Bischof, die Hand ihrer Paten auf der Schulter spürend. Der Bischof nimmt etwas von dem Chrisam, das ihm die Katechetin in einer Schale hinhält, zeichnet das Kreuz auf die Stirn und legt die Hand auf das Haupt des Firmlings. Anders als bei ihrer Taufe und Kommunion, haben sich die Jugendlichen selbst dazu entschieden, ihre Bindung mit dem Christentum zu stärken. In einer Zeit, in der Kirche und Glauben in einer Gesellschaft eine immer geringere Rolle spielt, stellt sich die Frage: Warum?

 

Für den Gottesdienst und ihre Beziehung zu Gott haben die Jugendlichen das Bild einer Baustelle gewählt. (c) Garnet Manecke
Für den Gottesdienst und ihre Beziehung zu Gott haben die Jugendlichen das Bild einer Baustelle gewählt.

„Um den Glauben an Gott zu stärken“, sagt Felix (17). „Es ist mehr das Gefühl, dass jemand da ist, der einen stärkt.“ Während der Firmvorbereitung haben die Jugendlichen auch entdeckt, dass ihnen Gott in vielen Situationen begegnet. Ein Mal pro Woche haben sie sich getroffen, oft im Gruppenraum der Pfarrgemeinde.

Aber auch an anderen Orten: Zum Beispiel sind sie zu einem Bestatter gegangen. Die 17-jährige Meret hat dieser Besuch besonders beeindruckt. „Weil man sich ja nicht mit dem Tod, und was danach passiert, beschäftigt“, sagt sie. Auch über die verschiedenen Möglichkeiten der Bestattung waren die Jugendlichen überrascht. Die Firmvorbereitung ist heute breit gefächert und die Katechetinnen ermöglichen den Jugendlichen auch Einblicke in Orte, deren Türen oft verschlossen scheinen.

Ein Kloster ist so ein Ort. Dass die Salvatorianerinnen im Kloster Neuwerk gar nicht abgeschlossen hinter hohen Klostermauern leben, hat die Jugendlichen überrascht. Die Frauen haben zivile Ausbildungen und Berufe, sie verdienen Geld für ihren Lebensunterhalt. Aber warum haben sie sich entschieden, im Kloster zu leben? Und wie sieht ihr Alltag aus? Diese Fragen hatten auch die Jugendlichen – und waren überrascht, dass es auch in einer Klostergemeinschaft zu Konflikten kommen kann. „Das ist gar nicht immer so Friede, Freude, Eierkuchen“, sagt Felix.

Nia hat vor einigen Wochen einen nahen Angehörigen verloren. Für sie ist die Auseinandersetzung mit ihrem Glauben auch ein Aspekt der Trauerbewältigung. „Alles hat einen Grund, von dem man lernt“, sagt die 16-Jährige. „Wenn jemand nach schwerer Krankheit stirbt, geht es der Person wieder gut.“ Es helfe, wenn man an ein Leben nach dem Tod glaubt, dass die Person weiterführen könne und sie wieder glücklich sei.
In seinen Worten an die Jugendlichen nennt Bischof Dieser drei weitere Wunder, die die Firmung für die jungen Menschen beinhaltet. „Gott will von Dir ernst genommen werden“, appelliert er an die Firmlinge. „Hol ihn aus dem Vielleicht raus und sag ihm: ,Du bist mir wichtig.‘“ Das führt zum dritten Wunder des Heiligen Geistes: „Dass wir es schaffen, nicht zu dissen und nicht zu haten.“ Das ist nicht nur für das soziale Miteinander wichtig, sondern auch für das eigene Seelenheil. „Das Schlimme ist ja, dass man nicht nur den anderen verletzt, sondern dass auch etwas in einem selbst kaputt geht“, sagt Dieser.

Das vierte Wunder ist die Baustelle Leben, die gleichzeitig die Baustelle Glauben ist. „Mit der Firmung hat die nächste Runde im Glauben begonnen“, sagt Dieser. Er gibt den Firmlingen mit auf den Weg, jeden Tag zu beten und sich so einen Weg zu erschließen, Gott jeden Tag neu zu spüren.