Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Stimmt, zumindest was den karnevalistischen Aspekt betrifft. Dann endet die Regentschaft von Prinz Marcel I., Bauer Michi und Jungfrau Tine. Doch das Dreigestirn der Karnevalsgesellschaft „Ahle Hoot“ aus Eschweiler über Feld ist voller Hoffnung, dass es danach an anderer Stelle erst richtig losgeht und Menschen mit Blutkrebs geholfen werden kann. Die Weichen dazu haben die Karnevalisten schon Anfang Februar gestellt.
Weil ein Dreigestirn in der fünften Jahreszeit viel herumkommt und mit vielen Menschen spricht, haben sich die drei Karnevalisten dazu entschlossen, nicht nur überall im Ornat für gut Laune zu sorgen, sondern die Bekanntheit während ihrer Regentschaft auch in den Dienst einer guten Sache zu stellen: Das Dreigestirn verkündete am 1. Februar vor 300 Närrinnen und Narren auf der Kostümsitzung, dass es eine Registrierungsaktion zur Unterstützung von Menschen mit Leukämie startet und unter dem Motto „Mund auf. Stäbchen rein. Spender sein“ jecke Lebensretter sucht. Am Wochenende vor dem Start in den Höhepunkt der Session war es so weit – und 43 Menschen ließen sich in der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren.
„Für uns ist die Aktion ein voller Erfolg“, bilanziert (Prinz) Marcel Roß, der wie seine Dreigestirnskollegen, viele Vereinsmitglieder und weitere ehrenamtliche Helferinnen und Helfer im Jugendheim des Ortes während der Typisierungskation mit anpackte. „Auf der Sitzung haben wir gesagt: Wenn einer kommt, haben wir etwas bewirkt. Und wenn diese Person noch Spender wird, haben wir vielleicht ein Leben gerettet“, unterstreicht Marcel Roß. Auf die Idee zu einer Registrierungsaktion ist das Dreigestirn gekommen, weil der Bruder des Prinzen, der zugleich Präsident der KG ist, im vergangenen Jahr selbst zum Spender geworden ist.
„Wir wollten in der Karnevalszeit auch einmal an die Menschen denken, denen es nicht so gut geht. Blutkrebs kann jeden treffen, unabhängig vom Alter, unabhängig von der Herkunft. Und wir wären in dieser Situation alle froh, wenn es da draußen einen passenden Spender, eine passende Spenderin gibt“, erklärt Marcel Roß. „Jeder sollte mitmachen – und auch Organspender werden“, sieht Rüdiger Scharfen aus Eschweiler über Feld alle Menschen in der Pflicht, sich mit dem Thema Stammzellen- und Organspende intensiv auseinanderzusetzen. „Aus Bequemlichkeit schiebt man so etwas gerne weit weg“, räumt er selbstkritisch ein. Nachdem das Dreigestirn eine Typisierungsaktion direkt vor der Haustür organisiert hatte, war für Bequemlichkeit kein Platz mehr. Unterstützt wurden die Karnevalisten durch die DKMS, die Testkits sowie Informations- und Aufklärungsmaterial zur Verfügung stellte.
In Eschweiler über Feld ist es Tradition, dass das Dreigestirn elf närrische Paragraphen aufstellt – und Aufgaben unter anderem an Personen aber auch Dorfvereine verteilt. „Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir unsere Regentschaft nachhaltig gestalten können“, sagt Marcel Roß. So pflanzte das Dreigestirn beispielsweise selbst eine Mispel an der Kirche. Als Prinz, Bauer und Jungfrau die närrischen Paragraphen während der Kostümsitzung Anfang Februar verkündeten, herrschte große Überraschung unter den 300 Feiernden und auch beim Präsidenten der KG, der von den Plänen einer Typisierungsaktion nichts wusste. „Aber noch größer war die Zustimmung, die wir direkt am Abend und danach erfahren haben“, ist Marcel Roß überzeugt, für mehr Sensibilität gesorgt zu haben.
Präsident Dennis Roß ließ sich bereits vor 15 Jahren registrieren. Im vergangenen Jahr erhielt er Post von der DKMS, dass er als Spender in Frage kommt. Nach umfangreichen Untersuchungen kam es dann auch zur sogenannten peripheren Stammzellenentnahme, bei denen Spendern Stammzellen aus dem Blut entnommen werden. Vorab wird den Spendenden ein Medikament verabreicht, das die Anzahl der Stammzellen im Blut steigert, während der Gabe dieses Medikaments können grippeähnliche Symptome auftreten. „Alles im Leben ist mit Risiken verbunden, aber das Risiko bei einer Stammzellenentnahme ist äußerst überschaubar. In 90 Prozent aller Fälle werden die Stammzellen aus dem Blut gewonnen, eine Knochenmarkentnahme kommt nur in zehn Prozent der Fällen vor. „Und hier wird auch nicht an der Wirbelsäule operiert, sondern das Knochenmark wird aus dem Beckenkamm entnommen“, erklärt Dennis Roß. Ihm ist wichtig, die Angst vor einer späteren Spende zu nehmen.