Missionsarbeit als Kinder Gottes

Der Bistumstag von „Christus in die Mitte“

Er hofft beim Bistumstag Gleichgesinnte zu finden – Max Heckmeier aus Aachen. (c) Ann-Katrin Roscheck
Er hofft beim Bistumstag Gleichgesinnte zu finden – Max Heckmeier aus Aachen.
Datum:
30. Sept. 2019
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 40/2019 | Ann-Katrin Roscheck

Die Geschenke sind besorgt und eingepackt, die liebste Weihnachtsplatte läuft im Rekorder, der Abendbrottisch ist für die Familie gedeckt und eine angenehme Vorfreude liegt im Raum: Wenn am Heiligen Abend die Kinderaugen strahlen, waren die Vorbereitungen erfolgreich.

Aus 16 Workshops können die Teilnehmer wählen – Claudia Langen (links) erzählt über christliche Filme, Renate Kühne über die Christus-in-dieMitte-Mitarbeiter. (c) Ann-Katrin Roscheck
Aus 16 Workshops können die Teilnehmer wählen – Claudia Langen (links) erzählt über christliche Filme, Renate Kühne über die Christus-in-dieMitte-Mitarbeiter.

„Jetzt stellen Sie sich mal vor, die Rollen würden sich umkehren und die Kinder würden alle Mühen unternehmen, um für die Eltern das Weihnachtsfest unvergesslich werden zu lassen. Dann wäre doch etwas falsch, oder?“, fragt Jan-Philipp Görtz von der St.-Clemens-Kirche Berlin in den Raum. „Aber so praktizieren wir unseren Glauben: Wir denken, wir sind zuständig und müssen uns darum kümmern, bei Gott zu sein. Aber wir sind in der Glaubensbeziehung nicht die Erwachsenen, wir sind die Kinder Gottes. Wir dürfen uns zurücklehnen, wir müssen demütig, gehorsam und vor allem geduldig sein. Und dann erfahren wir Gott.“

Es ist ein eindrucksvoller, sympathischer Impulsvortrag, mit dem der ehemalige Lufthansa-Manager als eingeladener Gast den Bistumstag von „Christus in die Mitte“ am Wochenende in der Bischöflichen Maria-Montessori-Gesamtschule in Krefeld eröffnet. Er bringt das Gefühl in eine sprachliche Form, das die Initiative katholischer Christen im Bistum Aachen vermitteln möchte: Als Gläubige wünschen sie sich, Christus wieder mehr Raum zu schenken, in der Mitte unseres Lebens, unserer Familien, unserer Arbeitswelt und unserer Gemeinden. „Wir treffen uns hier, um Gleichgesinnte zu finden“, erklärt auch Generalvikar Andreas Frick. „Das gemeinsame Gebet macht uns sprachfähiger, denn wenn wir mit Gott sprechen, dann bekommen wir auch die Fähigkeit, miteinander zu sprechen.“

Es haben sich Unzählige auf den Weg gemacht, um am „Christus in die Mitte“-Bistumstag ein neues Netzwerk zu finden. Nicht nur aus Aachen, aus Düren, der Eifel oder Viersen sind Teilnehmer dabei, sondern auch aus den Niederladen und aus Belgien, aus dem Erzbistum Köln, aus den Bistümern Münster, Paderborn und Essen sind Menschen angereist. Wer die Blicke durch die Aula der Gesamtschule schweifen lässt, entdeckt ganz unterschiedliche Charaktere: Eine Familie mit drei Kindern ist genauso dabei wie Schwestern im Habit, ältere Ehepaare, Männer mit Anzug und Krawatte oder junge, motivierte Gläubige.

„Das zeigt doch, dass es noch mehr Menschen gibt, die das Gefühl haben, ihren Glauben nicht für sich behalten zu wollen“, sagt Renate Köhne vom Christus-in-der-Mitte-Team aus Aachen. „Und dass sich in Kürze so etwas entwickelt hat, darüber freue ich mich sehr.“ Erst im Sommer 2018 entstand die Privatinitiative im Rahmen des Erneuerungsprozesses des Bistums. Unter dem Leitwort „Mission hier und jetzt“ möchten die Mitwirkenden dafür aufrufen, sich aktiv in der Missionsarbeit zu engagieren. Dafür machen sich die Ehrenamtler zum Beispiel in Gemeinden auf, um unterschiedliche Gebetsaktionen vorzustellen oder Gesprächskreise zu leiten. Die Neubelebung des Rosenkranz-Betens ist die bislang erfolgreichste Initiative der Gemeinschaft. „Durch ein tägliches Rosenkranzgebet wird Gottes Heiliger Geist in unserem Bistum neu belebt“, erklärt Köhne. „4000 Rosenkränze haben wir schon verteilt.“

Auch der 29-jährige Max Heckmeier von der Lobpreisgruppe Herz Jesu in Aachen-Frankenberg fühlt sich im Gebet Christus näher. „Der Glaube wird erst dann glaubwürdig, wenn er durch Persönlichkeiten vermittelt wird, die diesen tragen“, schildert der Elektrotechnikstudent seine Motivation. Vermisst er in der Kirche oft, dass sein eigener Glaube in den Mittelpunkt rückt, hofft er am Bistumstag, Möglichkeit zum Austausch zu finden. Nur einige Schritte entfernt befinden sich Jan Lange aus der Krefelder St.-Johann-Baptist-Gemeinde und Christine Oellers aus Mönchengladbach, die ausschließlich die lateinische Messe besucht, im angeregten Gespräch. Die beiden tauschen sich über Messe- und Prozessionsformen aus und schildern sich gegenseitig, wie sie ihrem Glauben Ausdruck verleihen.

Als stille Zuhörerin steht Susi mit im Kreis. Vor allem freue sie sich auf die nachmittägliche Workshop-Phase, die nach der zum Austausch gedachten Mittagspause ansteht, erklärt die Krefelderin. Es gibt sechzehn unterschiedliche Workshops, aus denen die Teilnehmer wählen können. Wird Jan-Philipp Görtz zum Beispiel ein Angebot zum Thema „Mission possible! St. Clemens in Berlin und seine Großstadtmission“ halten und Renate Köhne über „Komm und sieh! – Mitarbeiten bei Christus in der Mitte!“ erzählen, hat Claudia Langen das Klassenzimmer in einen Kinosaal verwandelt. Die Wachtbergerin gehört zum „Verein zur Förderung des internationalen christlichen Filmes“ (VFICF). Über das Medium „Film“ möchte sie diejenigen näher an den Glauben führen, die sich in klassischen Formen der Kirche nicht aufgehoben fühlen.

„Wir haben den Anspruch, Glauben in unterschiedliche Lebenswelten zu tragen. Das Medium Film ist in der heutigen Zeit ein wertvolles Werkzeug der Evangelisation“, erzählt sie. „Ein Film hilft, die Begeisterung und Freude weiterzutragen, die wir durch Gott geschenkt bekommen.“ Mehrere christliche Werke hat der VFICF aus diesem Antrieb heraus schon in die Kinos gebracht: Heute möchte Langen vor allem mit den Teilnehmern über den neuesten Film, „Das größte Geschenk“, sprechen. Hier werden wahre Versöhnungsgeschichten aus Frankreich, Spanien, Irland oder Mexiko gezeigt, die eigentlich davon erzählen, wie Menschen, die ganz unterschiedlich ihren Glauben leben, über Gott wieder zusammenfinden. Und das ist auch die Botschaft, mit der Jan-Philipp Görtz als Impulsredner des Bistumtages seine Begrüßung abschließt. „Ob wir Gottsucher oder Gottringer sind, ob wir aus einem Land mit vielen Wunden kommen oder unsere Barmherzigkeit erst wiedergefunden haben, ob wir unsere Hände zum Beten in die Luft heben oder falten“, sagt er. „Das haben nicht wir gemacht, sondern das macht Gott. Das können Sie nicht planen, sondern das müssen Sie erleben. Und darüber sollten wir sprechen.“