„Mein Lebenswerk“

Von der Kunst, sein Leben täglich wieder in Balance zu bringen – Diakon Toni Freialdenhoven aus Drove hat einen Ratgeber verfasst

Passt zur Fastenzeit: Toni Freialdenhoven regt auch zum Zuckerverzicht an. (c) Stephan Johnen
Passt zur Fastenzeit: Toni Freialdenhoven regt auch zum Zuckerverzicht an.
Datum:
24. Feb. 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 05/2026 | Stephan Johnen

Loslassen ist gar nicht so einfach. Vor allem dann nicht, wenn wir selbst gar nicht mehr merken, wie sehr wir uns an etwas festhalten. Am raffinierten Zucker beispielsweise, der mittlerweile in ganz vielen Produkten versteckt ist, obwohl er dort oft nichts zu suchen hat. Sich selbst noch einmal die eigenen Essgewohnheiten zu vergewissern und beispielsweise bewusst auf Zucker zu verzichten, passt in die Fastenzeit.

„Viele Menschen sind zuckersüchtig, ohne es zu wissen. Ein Verzicht lässt sich wunderbar in die Fastenzeit integrieren“, erklärt Toni Freialdenhoven. Der körperliche Entzug dauere meist nur fünf bis sechs Tage, die psychischen Entzugserscheinungen jedoch können uns bis zu 30 Tage beschäftigen. „Wir sind verpflichtet, den Körper, den Gott uns geschenkt hat, zu schützen und wertzuschätzen“, sieht der Autor nicht nur eine gesundheitliche, sondern auch eine christliche Dimension im Verzicht. „Wenn ich das geschafft habe, ist die psychische Abhängigkeit weg – und der Verzicht wird zum Gewinn“, findet Freialdenhoven, der jüngst einen Ratgeber „Lebensbalance als Chance. Lebensfreude erhalten oder erneuern“ geschrieben hat.

In seinem praxisnahen Ratgeber geht es dem langjährigen Lehrer für Gesundheits- und Krankenpflegeberufe (siehe Infokasten) nicht in erster Linie darum, unsere Lebensjahre zu verlängern, sondern darum, dass wir unsere Zeit auf Erden bei guter Gesundheit und reichhaltiger Lebensfreude verbringen.

 

Im Ratgeber steckt jahrelange Berufs- und Lebenserfahrung. (c) Stephan Johnen
Im Ratgeber steckt jahrelange Berufs- und Lebenserfahrung.

 Toni Freialdenhoven ist überzeugt: In einer Zeit, die von ständiger Beschleunigung, Reizüberflutung und wachsendem Leistungsdruck geprägt ist, gewinnt die Fähigkeit, innere Balance zu finden, zunehmend an Bedeutung. In 25 thematisch gegliederten Abschnitten gibt er Impulse, wie Leserinnen und Leser ihre persönliche Lebensfreude erhalten oder wiederentdeckten können – ob in den Bereichen Ernährung, Bewegung, Lebensalltag, mentaler Selbstfürsorge oder in der Spiritualität.

In jedem Kapitel stellt er zudem Selbstreflektionsaufgaben, die den Leser und die Leserin wohlwollend anregen, das eigene Denken, Fühlen und Handeln zu hinterfragen und sich ernsthaft Gedanken darüber zu machen, was er oder sie ändern möchte, was einen selbst stärkt oder schwächt. Das zentrale Anliegen seines Buches ist: „Alle Menschen zu unterstützen, die die Entschlossenheit und die Tatkraft aufbringen, alte, nicht gute Gewohnheiten zu verändern, um gewinnbringende neue Handlungsweisen in ihrem Lebensalltag zu integrieren.“

Zur Person


Anton Wilhelm (Toni) Freialdenhoven ist examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Lehrer für Pflegeberufe, zertifizierter Lachyoga-Leiter und ständiger Diakon im Nebenberuf. Als Lehrer war er rund 30 Jahre in einer psychiatrischen Klinik in Düren tätig.

Verzicht kann in vielen Fällen ein Gewinn sein und Menschen dabei unterstützen, ihr Leben wieder in Balance zu bringen. Beispielsweise beim Medienkonsum. „Wir werden täglich überschüttet von schlechten Nachrichten, müssen aber lernen zu differenzieren, Grenzen zu ziehen, um uns selbst zu schützen“, rät Toni Freialdenhoven. „Mitfühlen ist unsere christliche Aufgabe, wir müssen das Mitgefühl aufrecht erhalten. Aber permanentes Mitleiden geht nicht. Wenn wir dadurch selber in eine depressive Situation geraten, tue ich auch meinen Mitmenschen keinen Gefallen, kann niemandem mehr helfen“, sagt er. Trotz all des Negativen in der Welt gelte es, Ausgleichsversuche der Hoffnung zu setzen, im Kleinen zu beginnen, etwas zu verändern.

Toni Freialdenhoven empfiehlt, die Fastenzeit bewusst als Chance zu sehen, den Medienkonsum, die Bildschirmzeit in der Freizeit, einmal besonders einzugrenzen, um Freiraum für andere, Lebensfreude spendende Tätigkeiten zu finden. Was oft fehlt, sei der Ausgleich durch körperliche Bewegung oder Meditation, ein Drücken der Reset-Taste, damit Körper und Geist auch einmal zur Ruhe kommen. Dabei können auch autogenes Training, Lach-Yoga, bewusstes Atmen, Singen oder meditatives Gehen helfen. „Jeder Mensch sollte zudem einmal am Tag Ruhe finden, eine Auszeit nehmen, etwas machen, was ihm Freude bereitet“, rät Toni Freialdenhoven.

Orte, an denen schnell die innere Balance verloren gehen könne, seien die Supermarkt-Kasse oder eine rote Ampel. „Hier können wir uns bewusst auf die Atmung konzentrieren, damit sich kein Negativstress aufbaut“, rät Toni Freialdenhoven. Eine Übung mit drei bis vier bewussten Atemzügen lasse sich wunderbar in den Alltag einbauen. „So gehen wir gelassener in viele Situation hinein. Ich empfehle dies als Impuls in der Fastenzeit“, sagt er.

Resilienzfaktoren

Wer über Balance redet beziehungsweise schreibt, darf auch den Humor nicht vergessen. „Lachen setzt Glückshormone frei, ohne Nebenwirkungen. Humor hilft uns in vielen Lebenslagen, ist aber kein Allheilmittel“, rät Toni Freialdenhoven dazu, sich a) selbst nicht zu ernst zu nehmen, aber b) auch die anderen Stellschrauben nicht außer Acht zu lassen, die uns in ihrem Zusammenspiel in Balance halten können. Für gläubige Menschen beispielsweise seien das Religiöse und Spirituelle sogenannte Resilienzfaktoren, die einen Menschen mental stärken. Toni Freialdenhoven: „Wir können die Freundschaft Gottes schon im Hier und Jetzt erfahren. Beten ist Sprechen mit Gott, das hilft mir, das nehme ich in der Fastenzeit noch einmal bewusster in den Fokus.“

Das Buch „Lebensbalance als Chance – Lebensfreude erhalten oder erneuern“ (ISBN 978-3-7116-1030-0, 24,90 Euro) ist als Taschenbuch im Novum Verlag erschienen.