Steinfeld Calling heißt es am 16. und 17. Mai, wenn mit dem Hermann-Josef-Fest der Dreiklang der Kulturtage eröffnet wird. Martin Reinicke von der Stiftung Kloster Steinfeld erläutert die Idee hinter der Reihe.
Nach der Wiederbelebung des Hermann-Josef-Marktes entstand das Festival „Steinfeld Calling“, bei dem der Markt ein Teil des Programms ist. Erfindet sich Steinfeld jedes Jahr neu?
Martin Reinicke: Anlässlich der 900-Jahr-Feier von Kloster Steinfeld haben wir gemerkt, dass wir das Hermann-Josef-Fest für die Menschen noch attraktiver machen können. So entstand die Idee des Festivals. Nach der Premiere war klar, dass wir mehr erreichen, „Steinfeld Calling“ stärken wollen. Die Idee ist gut angekommen und 2026 etablieren wir das Festival weiter. In der Region, mit der Region, für die Region – wir wollen mit regionalen Akteuren auch kulturelle Aspekte in der Nordeifel voranbringen.
Music-Acts, Mitmachzirkus und Zauberer – nach dem Spirituellen kommt der Spaß. Bleibt die Spiritualität da nicht auf der Strecke?
Reinicke: Der Kern ist und bleibt die spirituelle Dimension. Alles beginnt mit der Erhebung der Hermann-Josef-Reliquie in der Basilika. Wir haben eine Pilgerwanderung, ein festliches Hochamt, die Prozession. Dies ist der Kern. Aber auch hier wollen wir einmal etwas ausprobieren. Wenn ich heute in die Kirche gehe, wird kaum mehr laut gesungen. In einem Gottesdienst in Frankreich hingegen hatte ich Gänsehaut-Feeling, da hat eine Sopranistin vorgesungen – und alle sangen mit, Jung und Alt. Das wollen wir auch mal probieren.
Wird das Hermann-Josef-Fest überhaupt noch angenommen?
Reinicke: Das Hermann-Josef-Fest war bis in die späten 1950er-Jahre immer verbunden mit einem Bauernmarkt. Das ist die Tradition dieses Festes. Doch diese Tradition ist ausgelaufen, 2020 kam Corona hinzu. Nicht nur Steinfeld hat erleben müssen, dass das Interesse nachlässt. Das Fest ist auch immer an einem langen Wochenende, hier liegt der Fokus oft auf Freizeitveranstaltungen. Ich glaube, dass Menschen eigentlich immer nach Gemeinschaft suchen. Gemeinschaft ist ein schönes Erlebnis. Es ist uns gelungen, aus einem kirchlichen Fest wieder ein Familienfest zu machen, zu dem Menschen kommen, die dann auch mal in die Kirche gehen. Das hat schon eine gewisse Wirkung, auch die kirchliche Veranstaltung hat mehr Zugkraft entwickelt. Bei „Steinfeld Calling“ bleiben die drei Säulen „Glaube und Gemeinschaft“, „Musik und Mitmachen“ sowie „Kostbares und Köstliches“ unser Hauptthema.
Wie viel Atem brauchen Sie, bis alles etabliert ist?
Reinicke: Langen Atem braucht man schon. 85 Prozent unserer Aussteller auf dem Markt beispielsweise sind Dauerläufer. Sie betonen das tolle Ambiente, ein tolles Publikum. Das Wetter kann man leider nicht beeinflussen. Von Anfang an legen wir Wert darauf, möglichst nur Regionales im Programm zu haben, sei es bei den Ausstellern oder den Künstlern. Diese Region wollen wir als Marke weiter etablieren, als ein kultureller HUB.
Was ist denn ein HUB?
Reinicke: Ein HUB ist ein Ort, an dem Ideen gestaltet und verbreitet werden, um sie für die Allgemeinheit verfügbar zu machen. Klöster sind seit Jahrhunderten schon immer kulturelle Zentren gewesen. Deswegen setzen wir in Steinfeld im Monat Mai auch bewusst auf einen Dreiklang mit „Steinfeld Calling“ am 16. und 17. Mai, dem Transient Impulsfestival vom 22. bis 23. Mai und dem 78. Eifeler Musikfest vom 29. bis 31. Mai. Hinzu kommen andere Formate wie Fonte vivace am 19. April, die Konzertreihe KlangRaum am 27. September und 11. Dezember, das literarische Kabarett #dafür! am 4. Oktober und das Konzert mit Eifelliebe am 17. Dezember.
Kannibalisieren sich all diese Angebote nicht gegenseitig?
Reinicke: Unser Dreiklang im Mai bietet Angebote für drei ganz verschiedene Zielgruppen. „Steinfeld Calling“ ist ein ganz breites, allgemeines Angebot, Transient richtet sich in erster Linie an Percussion-Fans, das Eifeler Musikfest ist ein sehr klassisches Musikprogramm. Alle Formate befruchten sich aber gegenseitig, es gibt einen Austausch, es entstehen gemeinsame Projekte. Nach der klassischen Definition ist das ein HUB. Es entsteht ein starkes regionales Netzwerk. Es wächst, es verstärkt sich weiter und nutzt diesen kulturellen Ort Steinfeld, um ihn aufzuladen und ebenfalls zu stärken.
Liegt Steinfeld nicht zu abseits, um plötzlich Mittelpunkt zu werden?
Reinicke: Steinfeld liegt nicht an einer Rennstrecke. Aber es ist ein Ort, an den man gerne hinfährt. Das ist Teil seines Charmes.
Wie lautet Ihr Wunsch für die Zukunft?
Reinicke: Was die Nachfrage und den Input betrifft, sind wir an einem guten Punkt. Was immer eine Herausforderung bleibt, ist die Finanzierung. Wir hoffen, dass wir mit den Kulturtagen etwas auf die Beine stellen, was den Leuten Spaß macht – und sie es unterstützen.
Das Kloster Steinfeld wird am 16. und 17. Mai zum lebendigen Treffpunkt für Spiritualität, Kultur und Begegnung. Unter dem Titel „Steinfeld Calling – Hermann-Josef-Fest, Illumination & Festival“ verbindet die Veranstaltung das traditionsreiche Wallfahrtsfest mit einem vielfältigen Kulturprogramm.
Mit der Erhebung des Reliquienschreines wird am Samstag, 16. Mai, 17.30 Uhr, das Hermann-Josef-Fest in der Basilika eröffnet. Im Anschluss wird der Klosterhof zur Bühne. Ab 19 Uhr tritt dort „Rostfrei“ mit JoJo Joosten auf, dazu gibt es (auch vegane) Spezialitäten vom Grill. Ein besonderer Höhepunkt dürfte die Illumination der Klosterfassade ab 21.30 Uhr sein.
Am Sonntag startet um 9.30 Uhr in St. Barbara Kall-Krekel die Pilgerwanderung nach Steinfeld. Um 10 Uhr wird in der Basilika ein festliches Hochamt mit Erzbischof Stefan Heße (Hamburg) gefeiert. Nach der Andacht um 14 Uhr mit Pfarrer Hannokarl Weishaupt und der Prozession werden Traktoren gesegnet. Mitmachzirkus, Basilika-Führungen (12.30 und 15.30 Uhr), Kindermusik mit Uwe Reetz (15 Uhr), der Auftritt von Saitensprung (15.30 bis 18 Uhr) sowie der Markt der Genüsse sind nur einige Programmpunkte für kleine und große Besucher.
Das „Transient Impulsfestival“ findet vom 22. bis 23. Mai ihm Rahmen der Kulturtage statt. Den Auftakt bildet am Freitag, 22. Mai, 20 Uhr, das Eröffnungskonzert „Kindersezenen aus Istanbul“ in der Aula des Kollegs. Einlass ist ab 19.30 Uhr. Unter dem Titel „Steinfelder Resonanzen“ folgt am Samstag von 11 bis 18 Uhr ein Tag mit Musik, Wanderung, Lesungen und Gesprächen. Den Abschluss bildet am Samstag um 21 Uhr das Nachtkonzert „Von Himmel und Erde“ in der alten Klosterbibliothek. Einlass ist ab 20.30 Uhr, der Eintritt ist an allen Tagen frei. Mehr Infos hier: www.transientimpuls.com.
Das 78. Eifeler Musikfest vervollständigt den Dreiklang der Kulturtage. Am Freitag, 29. Mai, 19 Uhr, laden Thomas Bonnie und Ensemble zu einem Kammerkonzert voller Klangfarben und großer Geschichten ein (20 Euro Eintritt). Am Samstag, 30. Mai, 19 Uhr, werden Griegs Holberg-Suite und Puccinis Messa di Gloria vom Neusser Kammerorchester und dem Kirchenchor an St. Peter Zülpich aufgeführt (25 Euro). Spiritueller Höhepunkt ist am Sonntag, 31. Mai, 10 Uhr das von Chor, Solisten und Orchester an der Basilika Steinfeld gestaltete Festhochamt mit Mozarts Messe in c-Moll (Eintritt frei). Das Abschlusskonzert um 16 Uhr gestaltet Gereon Krahforst. Der Eintritt ist frei, es werden Spenden erbeten. (sj)