Krickenbecker Seen

Vom Sumpf zum Naturschutzgebiet – mit etwas Glück lassen sich Vögel beobachten

Die Feuchtwiesen bieten Vögeln ideale Bedingungen. Am De-Witt-See haben sich Rohrdommeln angesiedelt. (c) Stephan Sprinz/Wikimedia
Die Feuchtwiesen bieten Vögeln ideale Bedingungen. Am De-Witt-See haben sich Rohrdommeln angesiedelt.
Datum:
11. März 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 07/2026 | Kathrin Albrecht

Die Seele baumeln lassen und Natur erleben – das lässt sich bei einem Spaziergang im Naturschutzgebiet Krickenbecker Seen und Kleiner De-Witt-See. 

Die Krickenbecker Seen, die aus den Flüssen Nette und Renne gespeist werden, entstanden im 17. und 18. Jahrhundert, als die umliegenden Niedermoore im Talverlauf der Nette ausgetorft wurden. Namenszusätze wie „Venn“ beim Poelvennsee  oder „Bruch“ wie dem Glabbacher Bruch oder dem Hinsbecker Bruch weisen auf diese frühere Ausprägung als Moor oder Sumpf hin.

Glückliche können Haubentaucher beobachten. (c) Stephan Sprinz
Glückliche können Haubentaucher beobachten.

Vor allem für Vögel bieten die Seen ein ideales Rückzugsgebiet – mit etwas Glück lassen sich hier Haubentaucher, Grau- oder auch Silberreiher beobachten.  Am Ostufer des Hinsbecker Bruchs bietet eine biologische Station (mittwochs bis sonntags ist sie ab 11 Uhr geöffnet, von November bis März bis 17 Uhr, von April bis Oktober bis 18 Uhr) einen Überblick über die Fauna und Flora der Seen.  Wer gerne wandert oder Fahrrad fährt, kommt hier voll auf seine Kosten, das Wegenetz ist gut ausgebaut und erlaubt eine Vielzahl von Touren. Wer kein eigenes Fahrrad hat, kann sich am Aussichtsturm am Taubenberg eines leihen. Der Aussichtsturm ist ganzjährig geöffnet, wird aber bei Dämmerung geschlossen.

Auch Kormorane besuchen die Seen regelmäßig. (c) Stephan Sprinz
Auch Kormorane besuchen die Seen regelmäßig.

Auch kulturhistorisch lässt sich an den Seen einiges entdecken. Im Hinsbecker Ortsteil Herongen gibt das Textilmuseum „Die Scheune“ einen Einblick in die Bedeutung der niederrheinischen Textilmanufaktur und der lokalen Leinenweberei.

Die Seen umschließen außerdem das Wasserschloss Krickenbeck. Im 13. Jahrhundert erbauten es die Grafen von Geldern. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten die Besitzer, 1945 machte die US-Armee das unbewohnte Schloss zu ihrem Hauptquartier. 1947 zogen die Katharinenschwestern in das Schloss ein, die aus Ostpreußen vertrieben worden waren. Anschließend nutzte der Kreis Kempen-Krefeld das Schloss als Altersheim. Danach stand es lange leer.

Seit 2015 vermarktet die französische Chateauform-Gruppe das Schloss als Seminarhaus. Öffentlich zugänglich sind Schloss und der Park nicht mehr. Wer auf der Allee unterwegs ist, kann linkerhand die St-Rochus-Kapelle entdecken. Das einschiffige Gotteshaus aus dem 17. Jahrhundert steht heute unter Denkmalschutz. Um den Rochustag (16. August) wird an der Kapelle eine heilige Messe gefeiert. An der Krickenbecker Allee Richtung De-Witt-See liegt außerdem die 400 Jahre alte Johanneskapelle.

Nördlich des Poelvennsees lassen sich außerdem die heute stark verwitterten Spuren eines ambitionierten Großprojektes entdecken. Napoleon realisierte ab 1809 den Nordkanal, der den Seehafen Antwerpen mit der Maas und dem Rhein verbinden sollte. Die Trasse führte von Neuss über Schiefbahn, Viersen und das Nettetal bis Venlo. 2002 richtete die Euroga entlang dieser Trasse den Fietsweg am Nordkanal ein. 1810 annektierte Frankreich das Königreich Holland und kontrollierte damit auch die holländischen Seehäfen. Der Kanal hatte seine Bedeutung verloren.