Simon Dappen schaut kurz über seine linke Schulter. Direkt hinter seinen Füßen beginnen die Stufen zum Eingangsportal von St. Marien in Korschenbroich-Pesch. Vorsichtig setzt Dappen einen Fuß hinter den anderen und geht dabei die zwei Stufen rückwärts hinunter.
Die Kirchenbank, deren Ende er in den Händen trägt, wackelt leicht, als nach ihm Jon Josten, der das Möbelstück in der Mitte sichert, und Christian Körting am anderen Ende der Bank die Stufen überwinden. Fünf Mal trägt das Trio an diesem Morgen Kirchenbänke aus dem Gotteshaus, um sie auf einen Anhänger zu verladen.
St. Marien Pesch bekommt neue Kirchenstühle. Die alten Kirchenbänke sind zu schade, um sie zu entsorgen. Sie sind aus massivem Holz gearbeitet und sehr stabil. Zudem verbinden viele Menschen mit ihnen Erinnerungen an große Ereignisse in ihrem Leben. Gegen eine Spende können sie abgeholt werden.
„Ich bin hier getauft“, sagt Johanna Bolten. Zwei der Bänke, um die Josten gerade Spanngurte festzurrt, sind für sie. „In den Bänken steckt ganz viel Gemeinde drin. Bei Taufen, Trauerfeiern und Hochzeiten haben wir darin gesessen“, sagt Bolten. Wer in Pesch aufgewachsen ist, ist mit der Kirche eng verbunden. Hier finden die großen Messen zum Schützenfest statt, hier versammelt sich das Dorf bei wichtigen Anlässen.
Im Pfarrzentrum hinter der Kirche treffen sich Trauergruppen und Menschen zum Feierabend-Yoga. In der Weihnachtszeit findet hier der Basar statt, Senioren haben genauso einen Treffpunkt wie junge Menschen und Familien. Dafür wurde ein Raum als „Frei-Raum“ renoviert. Auch die Bücherei ist gleich um die Ecke.
In St. Marien Pesch ist auch die Initiative Netzwerkkirche beheimatet. Gegründet wurde die Netzwerkkirche 2012, weil auch in Pesch die Zahl der Gottesdienstbesucher immer kleiner wurde. Damals hat das Team die Menschen in ihrer Gemeinde befragt, was sie sich von Kirche wünschen und welche Formate fehlen. Intensive Gespräche hatten stattgefunden, Zielgruppen wurden analysiert und neue Angebote entwickelt. Immer wieder wird Neues ausprobiert, manches funktioniert, anderes nicht. Für Letzteres sei die Pescher Kunstspur ein Beispiel, sagt Christoph Sochart, Sprecher der Netzwerkkirche. Das Konzept sah vor, dass in privaten Wohnräumen Kunst gezeigt werden sollte. „Die Idee haben wir aus Essen-Rüttenscheid, da lief es gut“, sagt Sochart. „Hier aber funktionierte es gar nicht.“
Andere Ideen dagegen werden in Pesch sehr gut angenommen. Der Krippenweg, der alle zwei Jahre stattfindet, zum Beispiel. Oder das Format „90 kostbare Minuten“, die jeweils unter einem Thema stehen. „Wir singen dann moderne Lieder, lesen Texte und anschließend segnen wir Brot und Wein und reden miteinander“, beschreibt Sochart dieses Format. „Nach 90 Minuten ist dann Schluss und wir verabschieden uns.“ Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass es in diesen 90 Minuten ausschließlich um gute Nachrichten geht. Zudem wird mit einer Spende eine soziale Organisation in der Region unterstützt.
Mit der neuen Bestuhlung sind solche Formate im Kirchenraum noch besser möglich. Jetzt können gerade bei Veranstaltungen mit einer begrenzten Teilnehmerzahl die Stühle im Kreis oder einem Bogen aufgestellt werden. Auch wenn die Zahl der Gottesdienstbesucher überschaubar ist, sieht es jetzt nicht mehr so leer aus.
80 Plätze hat die Kirche jetzt. „Plus 40 Stühle in Reserve“, sagt Johannes Kronen vom früheren Kirchenvorstand der Gemeinde.
Dafür mussten 18 große Bänke mit einer Länge von etwa vier Metern und zwei kleine mit einer Länge von knapp drei Metern weichen. „Die kleinen Bänke waren direkt weg, von den großen waren fünf reserviert“, sagt Kronen. Aber dafür werden sich sicher auch noch Abnehmer finden. Fürs erste sind sie in einer Ecke im hinteren Teil der Kirche gelagert. Die Kniebänke hat Wilfried Meuser schon abgeschraubt, so lassen sich die Bänke besser stapeln und transportieren.
Michael Jammers hat eine der kürzeren Bänke aufgeladen. „Ich hole sie für eine Feuerwehr-Kollegin ab. Ihre Tochter wurde hier getauft“, sagt er. Die Bank wird bald in einer Küche stehen, wie die Kirche ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen.
Thomas Krohnen holt eine Bank für seine Freundin ab. „Die hat sofort gesagt ,Klar, brauche ich eine Bank. Das ist doch meine Kirche‘“, berichtet er. Die Bank werde erst mal aufgearbeitet, bevor sie im Garten einen neuen Platz bekommt. Auch der Schützenzug „Eichenlaub Pesch“ wird bald auf Kirchenbänken Platz nehmen. Sie werden auf dem Schützenanhänger des Zuges montiert.