Kinder-Kartage

In Grefrath vermittelt ein ehrenamtliches Team kindgerecht die komplexe Osterbotschaft

Eine wichtige Osterbotschaft: Der Tod ist nicht das Ende. Wie bei einem Schmetterling. (c) Krystof Niewolny/unsplash
Eine wichtige Osterbotschaft: Der Tod ist nicht das Ende. Wie bei einem Schmetterling.
Datum:
24. März 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 07/2026 | Kathrin Albrecht

Ostern – es ist das höchste, aber auch das komplexeste Fest im Christentum. Denn über die Euphorie des Palmsonntages über die Trauer und Verzweiflung des Karfreitags bis hin zur Freude über die Auferstehung und die Überwindung von Leid und Tod vermittelt es zentrale, aber auch schwere Glaubensinhalte. Und wenn sich Erwachsene zum Teil schwer damit tun, die Bedeutung von Ostern zu begreifen, wie vermittelt man das Kindern? 

In Grefrath macht das ein Team Engagierter im Rahmen der Kinder-Kartage. 20 Jahre gibt es das Angebot in der Pfarrei St. Benedikt Grefrath, die zum Pastoralen Raum Nettetal/Grefrath gehört, schon.

Im vergangenen Jahr bauten Kinder aus ihren eigenen Händen ein Kreuz nach, dass in den Gottesdiensten stehen bleiben durfte. (c) privat
Im vergangenen Jahr bauten Kinder aus ihren eigenen Händen ein Kreuz nach, dass in den Gottesdiensten stehen bleiben durfte.

Die Kinder-Kartage standen, wie viele Angebote nach der Corona-Pandemie, an einem Wendepunkt. Das feste Team, das die Kartage bis dahin organisiert hatte, wollte aufhören. Für Anne und Felix Reulen stand fest: „Das machen wir.“ Seitdem organisieren die beiden gemeinsam mit einem 14-köpfigen, „bunt gemischtem“, Team die Kinder-Kartage, zeitlich etwas gestrafft und mit dem Cyriakushaus in einem neuen Veranstaltungsort.

Das Angebot ist beliebt – „in diesem Jahr nehmen 40 Kinder teil, wir haben eine lange Warteliste“, erzählt Anne Reulen. Jeder Morgen beginnt mit einem Stuhlkreis, um auf den Tag einzustimmen. Es gibt kreative Angebote, die jedes Kind durchläuft. „Wir haben an Gründonnerstag schon gemeinsam Brot gebacken und gegessen. Einmal haben wir eine Orgelführung gemacht. Oder die Kinder haben ihre eigenen Osterkerzen gestaltet, die sie dann zur heiligen Messe am Ostersonntag mitbebracht haben“, blickt Anne Reulen auf die vergangenen Jahre zurück. Gut angekommen sind auch die Ostergärten im Blumenkübel, die bei den Kartagen im vergangenen Jahr entstanden sind.

Den Wechsel von den leichten zu den schweren Themen gehen die Kinder gut mit, haben die beiden beobachtet. „Kinder sind prinzipiell offen für religiöse Themen und in der Pfarrei schon grundgeprägt. Das erlebe ich als Religionslehrerin in der Schule auch anders,“ sagt Anne Reulen.

Das Thema Tod wird dabei nicht ausgespart: „Wir gehen mit den Kindern einen Kreuzweg, bei dem sie auch ein Kreuz tragen, um nachzuvollziehen, was es bedeutet, die Last, auch die Last des anderen zu tragen“, erzählt Felix Reulen. Im vergangenen Jahr haben sie  auf Steinen Gedanken für die Verstorbenen aufgeschrieben und auf dem Vinkrather Friedhof hinterlegt. Mit ihren eigenen Händen gestalteten die Kinder außerdem selbst ein Kreuz, das während der Oster-Gottesdienste in der Kirche St. Josef Vinkrath stehen bleiben durfte.

Felix und Anne Reulen verbinden viele positive Erfahrungen mit Kirche und möchten das weitergeben. (c) Kathrin Albrecht
Felix und Anne Reulen verbinden viele positive Erfahrungen mit Kirche und möchten das weitergeben.

„Man kann nichts beschönigen, die Kreuzigung gehört dazu“, betont Anne Reulen. Es ist uns wichtig, dass Kinder verstehen, dass die wichtigste Botschaft an Ostern ist, dass es weitergeht. Die Liebe ist stärker als der Tod und es gibt Hoffnung.“ Um das zu verdeutlichen, nutzt das Team gerne eine Metapher des Aachener Pädagogen und Kinderbuchautoren Rainer Oberthür aus seiner Ostererzählung: Wenn sich die Raupe verpuppt, wirkt sie, als wäre sie gestorben. Doch aus der Puppe schlüpft ein wunderschöner Schmetterling. Das Leben geht weiter.

Die Motivation für ihr Engagement ziehen Anne und Felix Reulen aus ihren eigenen Erfahrungen in der kirchlichen Jugendarbeit. „Wir waren beide in der Kolpingjugend aktiv und haben später auch Ferienfreizeiten mit organisiert.“, erzählt Felix Reulen. „Wir haben sehr viel aus dieser Zeit migenommen, und das möchten wir gerne weitergeben“, fügt Anne Reulen hinzu.

Angebote wie die Kinder-Kartage stehen und fallen mit den Menschen, die sie vorantreiben. Viele aus dem aktuellen Team haben als Kinder selbst die Kartage besucht, die ursprünglich von Müttern ins Leben gerufen wurden, die sich in der Gemeinde St. Josef Vinkrath um die Kinderkatechese kümmerten.

Das Gemeindeleben hat sich verändert, die religiöse Prägung und Bindung in den Familien nimmt ab, auch, wenn es auf dem Land vielleicht noch nicht so schnell geht wie in der Stadt. Längere Schultage und ein verändertes Freizeitverhalten machen es der Kinder- und Jugendarbeit, kirchlich wie kommunal, ebenfalls schwer, mit Angeboten zu punkten. Und nicht zuletzt sind auch ehrenamtlich Engagierte heute zeitlich anders eingebunden. Inselangebote wie die Kinder-Kartage oder die Kinderbibelwoche, die Chorleiterin Annemarie Angerhausen anbietet, können da eine Alternative sein.

„In Gemeinschaft etwas erleben, das klappt vielleicht nicht mehr jede Woche, aber im Rahmen von begrenzten Angeboten“, beobachtet Felix Reulen. Bei den Kinder-Kartagen klappe auch die Mischung aus groß und klein – teilnehmen können Kinder zwischen sechs und elf Jahren. „Es ist wichtig, dass Kinder lernen, in sozialer Gemeinschaft groß zu werden“, fügt er hinzu. Ebenso wichtig sei es, dass Kinder und Eltern wieder lernen, dass Kirche nichts Negatives ist.

Mit den Kinder-Kartagen scheint das zu gelingen: Das Team ist gut eingespielt. Als die beiden die Kinder-Kartage übernommen haben, haben sie Aushänge in Schulen gemacht, erzählen Anne und Felix Reulen. Werbung sei inzwischen jedoch nicht mehr nötig. „Die Kinder genießen die Zeit, sprechen das Team auch später im Jahr noch an“, erzählen Anne und Felix Reulen. Und viele Kinder kommen auch gerne ein zweites oder drittes Mal wieder. „Auch die Eltern wertschätzen, dass ihre Kinder bei uns eine schöne Zeit hatten,“ sagen die beiden Organisatoren. Und auch die Gemeinde erlebt, wie Kinder Kirche und Glauben erfahren – dass es weitergeht.