In neuem Glanz

Die Schlosskapelle Liedberg wurde restauriert. Nun kann sie wieder genutzt werden.

Kirchenmaler Norbert Seidel erklärt Karl-Heinz Roehlen, Josef Schnock, Wolfgang Esser und Marc Zimmermann die Arbeiten an dem Altarbild. (c) Garnet Manecke
Kirchenmaler Norbert Seidel erklärt Karl-Heinz Roehlen, Josef Schnock, Wolfgang Esser und Marc Zimmermann die Arbeiten an dem Altarbild.
Datum:
16. Juli 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 15/2026 | Garnet Manecke

Vorsichtig hebt Karl-Heinz Roehlen das Bild hoch und schiebt es hinter den Rahmen des barocken Hochaltars. Von der anderen Seite hilft Kirchenmaler Norbert Seidel, das Bild richtig zu platzieren, von vorne richtet es Rolf Korn aus. Umrahmt von dem schwarz-goldenen Aufbau des Hochaltars schaut Maria den Kleinkindern Jesus und Johannes, der später als „der Täufer“ bekannt wird, beim Spielen zu. Links sitzt Elisabeth und rechts Josef, deren Blicke sich über der Szene treffen. 

Das historische Bild zieht nun wieder direkt die Aufmerksamkeit auf sich, wenn man die frisch sanierte Kirche im Zentrum von Liedberg betritt. Die Restaurierung des Bildes ist der Schlusspunkt der Arbeiten in der Schlosskapelle Liedberg. Mit einem festlichen Gottesdienst wird am Samstag, 8. August, die Wiedereröffnung gefeiert.

Sieben Jahre haben die Arbeiten in dem Gotteshaus im historischen Kern von Liedberg gedauert. Den Anfang machte das neue Pflaster, das 2019 vor dem Eingang verlegt wurde. Ein Jahr später folgte der Einbau neuer Fenster, die größtenteils von Privatleuten und der Bruderschaft gestiftet wurden. Die Namen der jeweiligen Stifterinnen und Stifter stehen gut lesbar in einer Ecke der Scheiben. Eines der vielen Details, die diese Kirche so besonders machen.

Dabei ist der Raum auf den ersten Blick puristisch gehalten. Die Wände sind weiß gestrichen; ein leichter Geruch der frischen Farbe hängt noch in der Luft. Die Empore aus Holz mit der Treppe und den Säulen hat einen himmelblauen Anstrich bekommen. Unter dem Gewölbe sind einige Stangen zu sehen, die sich von der einen Seite der Kirche zur anderen ziehen. „2015 ist ein Statiker des Bistums hier gewesen und hat dabei festgestellt, dass die ursprünglichen Quereisenstangen entfernt worden waren“, berichtet Pfarrer Marc Zimmermann. „Sie sind dann von einem Schmied neu gemacht worden.“ Die Zugstangen sind für die Statik des Gebäudes wichtig.

In den 1950er Jahren nutzte die Volksschule den Kirchenraum als Turnhalle

Die Kapelle ist Teil des historischen Ortskerns von Liedberg mit seinen Fachwerkhäusern. (c) Garnet Manecke
Die Kapelle ist Teil des historischen Ortskerns von Liedberg mit seinen Fachwerkhäusern.

1707 baute der Vogt Damian Hermann Nideggen die Kapelle am Fuße des Schlosses Liedberg. 1861 wurde das Gotteshaus zur Pfarrkirche erhoben. Als 1915 die neue Pfarrkirche St. Georg geweiht wurde, verlor die Schlosskapelle diesen Status. Das hatte auch Folgen für das Inventar. „Der barocke Hochaltar und die Kommunionbank wurden nach Vlussum-Breitenbenden bei Mechernich verkauft“, sagt Zimmermann.

In den 1950er Jahren nutzte Liedberg den Kirchenbau, dessen Innenraum ein Saal ohne Säulen ist, als Turnhalle der Volksschule. Erst in den 1960er Jahren begannen die Dorfgemeinschaft Alt-Liedberg mit Unterstützung des Schlossherrn Graf Wilderich von Spee-Mirbach, den Kirchenbau wiederherzustellen. In den Folgejahren wurde die Kirche wieder möbliert. Auch den Hochaltar und die Kommunionbank spürte die Gemeinde auf, kaufte sie zurück und stellte sie wieder an ihre alten Plätze. So wurde die Schlosskapelle erneut zu einem Kleinod im historischen Ortsteil von Liedberg.

Wenn Zimmermann auf die Details in den Verzierungen der Kommunionbank hinweist, die biblischen Früchte wie Granatapfel oder Trauben, leuchten seine Augen. Mit Begeisterung erzählt er, dass die Kommunionbank wie der Hochaltar zur Originalausstattung der Kirche gehört. Früher knieten hier die Gläubigen, um die Heilige Kommunion zu empfangen.
Alles in diesem Raum erzählt eine Geschichte. Ein Original ist auch die schwere Holztür mit den aufwändigen Schnitzereien, die in die Sakristei führt. Wenn man sie öffnet, knarzt sie ein bisschen. Hier und da sind in den frisch geweißelten Wänden noch andere Farbspuren zu sehen. Sie sind Zeugnisse davon, welche Farben die Wände früher hatten.

Und dann ist da natürlich das Bild, das heute wieder in seinen Rahmen gesetzt wurde. Lange hatte die Gemeinde angenommen, dass es von einem Rubens-Schüler gemalt worden sei. Aber mit dieser Vorstellung räumt Kirchenmaler Norbert Seidel nun auf.

Wer hat das Bild gemalt?

Mit vereinten Kräften wird das Bild wieder in seinen Rahmen gesetzt. (c) Garnet Manecke
Mit vereinten Kräften wird das Bild wieder in seinen Rahmen gesetzt.

Er hat das Altarbild restauriert und sich dabei eingehend mit dem Werk befasst. Der Stil des Bildes erinnert an die Rennaissance. „Es ist im Raffael-Stil gemalt, aber nicht von einem Schüler“, sagt Seidel. „Das Tuch, die Bluse und der Umhang von Maria sind auch im Bild der Madonna von Raffael im Dresdner Zwinger vorhanden. Daher war der Maler vermutlich von Raffael inspiriert.“ Wer der Künstler war, bleibt aber weiter ein Geheimnis. „Eine Signatur habe ich nicht gefunden“, sagt der Stolberger Kirchenmaler.

Auch von außen gibt es einiges Sehenswertes an der Kapelle zu entdecken. Direkt gegenüber vom Portal steht der Mühlenturm. Er wird auf die Zeit um 900 datiert und war Teil einer Burg. Heute ist er eine Aussichtsplattform, die den Rundblick über das Liedberger Umland ermöglicht. Von hier aus ist die Schlosskapelle aus der Vogelperspektive zu sehen: die Figur der Heiligen Hildegundis von Meer über dem Eingang, deren Original in der Kirche steht, sowie die Backsteinfassade mit den beiden ovalen Fenstern und der mit Schiefer gedeckte Turm. Hinter der Kirche sieht man das Schloss Liedberg auf der Anhöhe, die dem Ort seinen Namen gab. 

Schlosskapelle ohne Schloss

„Die Kirche gehört nicht zum Schloss, auch wenn man das denken könnte“, sagt Zimmermann. Wegen ihrer räumlichen Nähe zum Schloss ist sie im Volksmund zur „Schlosskapelle“ geworden. Umgeben ist die kleine Kirche von Fachwerkhäusern aus dem 18. Jahrhundert, die schon bei so mancher Fernsehproduktion als Kulisse dienten.
Immer wieder gab es Restaurierungsarbeiten an dem historischen Gebäude, um es zu erhalten. Der 1975 gegründete Heimatverein kümmerte sich darum. Aber 2015 gab es erste Bestrebungen, für die Schlosskapelle einen eigenen Förderverein zu gründen. Zehn Jahre sollte es noch dauern, bis der Verein schließlich entstand.

Als „Förderverein Schlosskapelle St. Georg“ kümmert sich der Vorstand mit Marc Zimmermann, Josef Schnock, Magdalena Herling, Wolfgang Esser, Karl-Heinz Roehlen und Rolf Korn nun um die kleine Kirche. „Man kann hier sehr viel machen“, sagt Zimmermann. Neben Gottesdiensten, Hochzeiten und Taufen kann er sich auch Konzerte und Lesungen hier vorstellen. „Die Akustik ist richtig gut“, sagt er.

Beim Eröffnungsgottesdienst am Samstag, 8. August, um 18 Uhr können sich die Besucher davon überzeugen.