In einem besonderen Geist

Die bischöflichen Schulen im Bistum haben ein gemeinsames Leitbild und doch ganz eigene Profile

Schule als ein Ort des guten und wertschätzenden Miteinanders. (c) Bistum Aachen / Ute Haupts
Schule als ein Ort des guten und wertschätzenden Miteinanders.
Datum:
24. Aug. 2023
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 34/2023 // Von Andrea Thomas

Schulen in kirchlicher Trägerschaft sind bei Eltern weiterhin beliebt. Worin liegt ihr „Mehrwert“ gegenüber staatlichen Schulen? Warum entscheiden sich Eltern, ihre Kinder dorthin zu schicken? Ein Blick auf das Leitbild der bischöflichen Schulen im Bistum und darauf, wie Schulen das für sich interpretieren, gibt Aufschluss.

Schule als ein Ort, wo alle ihre Talente entfalten können jenseits von Rollenklischees, um ihre eigenen Rollen im Leben zu finden. (c) Bistum Aachen / Ute Haupts
Schule als ein Ort, wo alle ihre Talente entfalten können jenseits von Rollenklischees, um ihre eigenen Rollen im Leben zu finden.

Anfang 2018 haben sich die zwölf bischöflichen Schulen im Bistum Aachen ein gemeinsames Leitbild gegeben, an dem sie sich orientieren. Ausgangspunkt ist das christliche Menschen- und Gottesbild. Es zieht sich ebenso, wie ein katholisches Profil, durch alle Bereiche des Schullebens und wird von allen in der Schulgemeinschaft (Lehrpersonal, Kinder und Eltern) mitgetragen und mit Leben erfüllt. Dabei ist den Schulen wichtig, sich nicht abzuschotten, sondern Teil einer von Vielfalt geprägten Gesellschaft zu sein, in die sie hineinwirken, und Orte, an denen sich junge Menschen in einem vom christlichen Glauben getragenen Umfeld entwickeln können. In zehn Leitsätzen definiert das Leitbild einen Rahmen für die Arbeit und Entwicklung der bischöflichen Schulen. Die leben unter diesem Dach Vielfalt, in verschiedenen Schulformen, von der Grundschule über Gesamt-, Realschule oder Gymnasium bis zur Förderschule und dem Berufskolleg, und ihren eigenen Schulprofilen. Drei Beispiele:

St.-Angela-Schule Düren

Sie beherbergt unter einem Dach Realschule und Gymnasium und ist nach wie vor geprägt von ihren Wurzeln als Schule in Trägerschaft der Ursulinen und dem Geist der Ordensgründerin Angela Merici. Dazu zählt, Bildungszugänge auch für Kinder aus weniger privilegierten Familien zu schaffen, was sich unter anderem in den zwei Schulformen widerspiegelt, die zwar eigenständig sind, aber einen Wechsel bei Bedarf unkompliziert möglich machen. Außerdem müssten Mädchen und Jungen unterschiedliche Bildungszugänge finden können, weshalb St. Angela auch nach der Öffnung für Jungen zum Schuljahr 2018/19 weiterhin auf Monoedukation setze, erläutert Schulleiter Olaf Windelen. Neben zwei Mädchenklassen gibt es auch eine reine Jungenklasse. In der Oberstufe ist der Unterricht dann gemischt. „So können wir im Unterricht jeweils unterschiedliche Akzente setzen“, sagt Olaf Windelen. Zum Beispiel, in dem sie dem stärkeren Wettbewerbsbedürfnis der Jungen Rechnung trügen oder in Deutsch mit anderer Lektüre, wie beispielsweise Abenteuergeschichten arbeiteten. „Wir wollen dabei keine Klischees fördern, sondern Mädchen wie Jungen helfen, ihre Rollen zu finden und ihre Persönlichkeit zu entwickeln.“

Dazu gehört, Verantwortung zu entwickeln, in dem alle eine Aufgabe innerhalb der Schulgemeinschaft übernehmen, zum Beispiel als Streitschlichter. Oder Respekt im Umgang miteinander. Katholischer Religionsunterricht ist für alle, auch die nichtkatholischen Schülerinnen und Schüler, verpflichtend. Dabei gehe es auch um den Dialog miteinander, darum, zu schauen, was Glaube unabhängig von Religion für die eigene Lebensgestaltung bedeute, welche Werte einen trügen.

Marienschule Aachen

Sie begleitet als Förderschule mit Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung 70 Schülerinnen und Schüler von Klasse 5 bis 10 mit besonderem Unterstützungsbedarf. Der Unterricht findet jahrgangsübergreifend statt, außerdem arbeiten sie mit verschiedenen Kooperationspartnern außerhalb der Schule zusammen, um passgenaue Antworten für die Bedarfe der Jugendlichen zu finden. Dass sie einen guten Ruf in der Förderschullandschaft haben, führt Schulleiterin Daniela Lang auch darauf zurück, dass sie eine Schule in kirchlicher Trägerschaft sind und damit vielleicht noch einmal aus einer anderen Haltung heraus auf ihre Schülerinnen und Schüler schauten. Wichtig sei bei ihnen zum Beispiel eine gute Willkommenskultur. Jedes Kind und jeder Jugendliche solle sich angenommen fühlen und die Schule als „sicheren Ort“ empfinden. Hier werde auf die Stärken geschaut, nicht auf die Defizite.

„Was uns als bischöfliche Schule ausmacht, ist außerdem unsere Fehlerkultur: Jeder macht Fehler. Es kommt zu Konflikten oder Streit. Wichtig ist, Wiedergutmachung als Vehikel, Dinge wieder in Ordnung zu bringen“, sagt Daniela Lang. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Beteiligung des Kollegiums, der Eltern und der Schülerschaft. Zu einer Elternversammlung werden immer alle Eltern eingeladen, um Bindung aufzubauen. Es gibt eine aktive Schülervertretung, und im Rahmen eines Patenprojektes kümmern sich Größere um Kleinere.

Maria-Montessori-Gesamtschule Krefeld

Hier definiert man sich über mehrere Merkmale, als katholische Schule, Gesamtschule, integrative Schule und über das Erziehungskonzept Maria Montessoris. Über allem steht ihr Leitsatz: „Hilf mir, es selbst zu tun in Freiheit und Verantwortung“. Was sie ausmache, sei die Vernetzung von Bildungsanspruch, Schulatmosphäre und Schulgeist, sagt Schulleiterin Gabriele Vogt. Das werde ihnen von außen auch immer widergespiegelt. Bei ihnen greife vieles ineinander: wertschätzender Umgang mit anderen, gerade auch mit ihren Handicaps und Schwächen; Montessori-Pädagogik und christliche Erziehung, zum Beispiel in der Bewahrung von Natur und Schöpfung; den Mensch in den Mittelpunkt zu stellen, im Lernen und im Leben, zum Beispiel, indem Krisen ernstgenommen werden und offen mit Konflikten, die es auch bei ihnen gibt, umzugehen oder über Einheiten freien Lernens auch die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln.

Einen wichtigen Schwerpunkt bildet lebendige Glaubensvermittlung. „Glaube muss gut tun und mit dem Leben zu tun haben“, sagt Gabriele Vogt. Als Schule verstehen sie sich als Ort, an dem junge Menschen mit Glaubensfragen konfrontiert werden und Glaube (nicht nur den katholischen) als etwas wahrnehmen können, das sie trägt. Etwas, das alle bischöflichen Schulen wieder verbindet.

 

Mehr zum Leitbild: https://www.bistum-aachen.de/Erziehung-und-Schule/Bischoefliche-Schulen/Leitbild