Hilfsbereit

Friedhelm Leven sammelt Spenden für Burundi und steigt dafür regelmäßig aufs Rad.

Friedhelm Leven mit einem für Burundi typischen Lastenrad beim Apfelfest in Vorst. (c) Friedhelm Leven
Friedhelm Leven mit einem für Burundi typischen Lastenrad beim Apfelfest in Vorst.
Datum:
14. Jan. 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 02/2026 | Kathrin Albrecht

Für Friedhelm Leven dreht sich nicht alles, aber vieles um Burundi. Mit dem afrikanischen Land, das zu den ärmsten Ländern der Welt gehört, verbindet den Borner eine langjährige Beziehung. 

Die begann 2007. Damals reiste Leven zum ersten Mal nach Burundi, mit einer Delegation der Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt Bracht. Gemeinsam feierte man das 25-jährige Priesterjubiläum von Pater Marius Nicoyizigamiye, der als junger Priester 1981 nach Bracht gekommen war, um dort seine Ausbildung abzuschließen. 2008 gründeten Gemeindemitglieder den Verein „Burundi-Hilfe e. V.“, Leven gehört zum Vorstand. Seit einiger Zeit engagiert er sich auch im Verein „Oase des Friedens in Burundi e. V.“ in Vorst. Und kümmert sich darum, das Land und die Projekte, die die beiden Vereine vor Ort unterstützen, bekannter zu machen und Spenden zu sammeln.

 

Regelmäßig besucht Friedhelm Leven die Projekte der Vereine, in denen er sich engagiert. (c) Friedhelm Leven
Regelmäßig besucht Friedhelm Leven die Projekte der Vereine, in denen er sich engagiert.

„Ich war mit einem Lastenrad, wie es in Burundi benutzt wird, auf dem Vorster Apfelfest und habe bei der Borner Kunstroute mitgemacht“, berichtet Leven. Dort hat er an seinem Infostand auch fair gehandelten Kaffee aus Burundi verkauft. In Brüggen und Umgebung hat er einige feste Abnehmer gewinnen können. „Die evangelische Kirchengemeinde in Brüggen schenkt den Kaffee in ihren Einrichtungen aus“, erzählt Leven nicht ohne Stolz. Und dann war er auf Pfarrfesten mit einem Team aus Freiwilligen mit einem selbst gebauten Lehmofen unterwegs und hat Pizza für die Besucherinnen und Besucher gebacken.

Regelmäßig steigt Friedhelm Leven auch aufs Rad, um Spenden für Burundi zu sammeln. „Das Fahrrad ist in Burundi das wichtigste Transportmittel,“ erzählt er. Leven selbst fährt gerne Fahrrad, also hat er angefangen, beides miteinander zu verbinden. So ist er schon von Born nach Dänemark geradelt, nach Amsterdam oder nach Paris zu den Paralympischen Spielen 2024. Im August 2025 war er zuletzt unterwegs, radelte elf Tage auf dem Europaweg R1 1.111 Kilometer quer durch Deutschland, von der niederländischen Grenze bis an die deutsch-polnische Grenze.  „Eigentlich hatte ich den letzten Etappenort, Kostrzyn an der Oder, schon nach zehn Tagen und 1.094 Kilometern erreicht. So hatte ich noch etwas Zeit und bin noch einmal nach Berlin gefahren. So bin ich in elf Tagen 1.205 Kilometer gefahren.“

 

Zwischendurch kommt Friedhelm Leven auf seinen Etappen auch mit Menschen ins Gespräch. Immer sichtbar: die Flagge Burundis und die Vereinslogos am T-Shirt. (c) Friedhelm Leven
Zwischendurch kommt Friedhelm Leven auf seinen Etappen auch mit Menschen ins Gespräch. Immer sichtbar: die Flagge Burundis und die Vereinslogos am T-Shirt.

Womit Leven allerdings nicht gerechnet hat: „Ich bin bei meiner Tour mitten in die Hitzewelle hineingefahren. Radfahren bei über 30 Grad, das war schon anstrengend.“ Die Tagesetappen bestritt er allein, ohne zusätzlichen Gepäckwagen. 18 Kilogramm Reisegepäck hatte er dabei sowie seinen Wasservorrat. Ab und zu fuhren andere Radtouristen ein Stück mit ihm mit, man kam miteinander ins Gespräch.

„Die Hitze kenne ich auch von meinen Besuchen in Burundi, auch da macht sie uns immer zu schaffen. Da gab es durchaus Parallelen zu Afrika. In Burundi gehen die Menschen täglich bis an ihre Belastungsgrenzen, um das Überleben für sich und ihre Familien zu sichern“, unterstreicht Friedhelm Leven. Also setzt er sich bei seinen Touren auch neue Herausforderungen: „Ich lote meine eigenen Grenzen aus. Das darf auch mal wehtun.“ 
Er genießt die Natur und die Landschaft unterwegs, viel Zeit zum Sightseeing nimmt er sich allerdings nicht: „Ich bleibe eigentlich auf dem Fahrrad sitzen.“ Nur in Coesfeld hat Friedhelm Leven eine Ausnahme gemacht, um nach der Kaserne zu sehen, in der er seinen Grundwehrdienst geleistet hat: „Aber die war weg.“

Für seine Touren benutzt Friedhelm Leven ein stinknormales Tourenfahrrad mit Gangschaltung. Ein E-Bike wäre schwierig, denn der Akku müsste ja regelmäßig aufgeladen werden. Und: „Die Menschen in Burundi benutzen ebenfalls ganz einfache Fahrräder und transportieren damit zum Teil große Lasten.“ 60.000 Kilometer hat sein Drahtesel schon auf dem Buckel. „Und er hat die ganze Tour weitgehend gut durchgehalten. Aber ausgerechnet bei meiner ersten Radtour zuhause nach Anrath hat er schlapp gemacht“, erzählt der Engagierte lachend.  

 

Burundi ist ein wunderbares Land mit wunderbaren Menschen, findet Friedhelm Leven. (c) Friedhelm Leven
Burundi ist ein wunderbares Land mit wunderbaren Menschen, findet Friedhelm Leven.

Immer wieder reist Friedhelm Leven nach Burundi, um zu schauen, was vor Ort gebraucht wird. Zuletzt war er im Frühjahr 2024 dort: „Eine Woche mit der Burundi-Hilfe, die andere Woche mit der Oase des Friedens.“  

Die Vereine, denen Leven angehört, unterstützen mehrere Projekte für Kinder und Jugendliche in Burundi. Mit der Burundi-Hilfe und dem lokalen Partner Fondation Stamm entstand das Johannes-Wolters-Zentrum in Muramvyawar. Dazu gehören ein Waisenhaus und eine angegliederten Schule für Landtechnik, Bauleitung und Informatik sowie ein Internat mit 140 Schülern. Das Kinderheim bot ursprünglich Platz für 30 Waisenkinder. „Inzwischen ist das Haus umgezogen und bietet Raum für 50 Kinder. Der Unterhalt für das Haus hat oberste Priorität“, sagt Friedhelm Leven. Rund 60.000 Euro Unterstützung benötigen die Projekte dort pro Jahr, rechnet Friedhelm Leven aus. In Gitega unterstützt der Verein „Oase des Friedens in Burundi“ den Orden der Bene-Tereziya-Schwestern beim Unterhalt des Zachäushauses, einem Heim für 100 Kinder und Jugendliche mit Behinderungen.

 

Das Fahrrad ist in Burundi ein wichtiges Verkehrsmittel. Mit bis zu 200 Kilogramm Last bepacken die Menschen das Rad. Der Transport ist körperlich harte Arbeit. (c) Friedhelm Leven
Das Fahrrad ist in Burundi ein wichtiges Verkehrsmittel. Mit bis zu 200 Kilogramm Last bepacken die Menschen das Rad. Der Transport ist körperlich harte Arbeit.

Daneben ist er auch gut vernetzt mit anderen Vereinen, die in Deutschland dem ostafrikanischen Land helfen. Guten Kontakt hat Leven zu Pfarrer Klaus Buyel, Pfarrer im Ruhestand aus Erkelenz. Die von Pfarrer Buyel gegründete Stiftung für Burundi organisiert regelmäßig Hilfstransporte. „Darüber konnten wir schon öfter Container verschicken, unter anderem bestückt mit Decken, Krankenhausbedarf oder mit Nähmaschinen, die im Zachäushaus eingesetzt werden“, erzählt Leven.

Darüber hinaus steht er in Kontakt mit dem Berliner Verein „project human aid“. Auch deren Projekte in Burundi kennt Leven gut und hat vor zwei Jahren auch Geld dafür gesammelt mit einer Fahrradtour auf dem Oder-Neiße-Radweg entlang der deutsch-polnischen Grenze. Auch die burundische Botschaft in Berlin hat Leven schon besucht. „Man trifft immer wieder Menschen, die auch helfen wollen“, sagt Friedhelm Leven.

 

Zuletzt reiste der Borner 2024 nach Burundi. (c) Friedhelm Leven
Zuletzt reiste der Borner 2024 nach Burundi.

Die jüngsten Entwicklungen in Burundi bereiten Friedhelm Leven Sorgen. Zwar ist das Land politisch stabil, aber die Lebenshaltungskosten sind enorm gestiegen. Außerdem ist das Land stark durch den Klimawandel gebeutelt. Ernten fielen nicht so gut aus, wie erhofft, das treibt die Preise für Grundnahrungsmittel in die Höhe. Immer wieder tritt der Tanganjikasee über die Ufer. Kraftstoff für Autos und Lkws ist knapp, nicht zuletzt deshalb sind viele Menschen in Burundi auf das Fahrrad angewiesen. „Vieles lässt sich nur über Beziehungen organisieren“, erzählt Leven.

Und auch wenn es in Burundi selbst stabile politische Verhältnisse gibt, brechen immer wieder Konflikte in der benachbarten Republik Kongo auf. Seit 2022 hat sich der Grenzkonflikt im Osten der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda verschärft. Es geht um ethnische Konflikte, aber auch um die Kontrolle der Bodenschätze, wie Gold und Coltan. „2015, zur Zeit des Militärputsches in Burundi, sind tausende von Burundi nach Kongo geflohen. Jetzt ist es umgekehrt. Aktuell leben 30.000 bis 40.000 geflüchtete Menschen aus dem Kongo in Burundi“, sagt Leven.

27.000 Euro hat er auf seiner Tour im August erradelt. Sponsoren konnten pro Kilometer ab 10 Cent spenden. „111 Euro sichern einem Kind den Lebensunterhalt für einen Monat, 360 Euro finanzieren einen Heimplatz für ein Jahr“, erzählt Friedhelm Leven. Für 150 Euro bekomme man in Burundi ein gutes Lastenrad. Alles wird mit diesem Rad transportiert. Holz zum Bauen, Lebensmittel, Säcke mit Rohkaffee, auch Menschen. Oft sind die Räder mit bis zu 200 Kilogramm belastet – eine schwere Arbeit für die Menschen, die damit unterwegs sind.

Doch auch hierzulande haben sich die Zeiten geändert. Auch hier ist die Inflation gestiegen, Lebensmittel, Benzin und Gas sind teurer geworden. Das Geld sitzt bei vielen nicht mehr so locker. Merkt Friedhelm Leven das, wenn er für Spenden wirbt? Im Großen und Ganzen sei die Spendenbereitschaft nicht zurückgegangen, aber „die großen Firmenspenden“ seien weniger geworden, hat Friedhelm Leven bemerkt. Aber: „Wir kommen zurecht.“

Aktuell ist für den Borner „Burundi-freie“ Zeit. Was jedoch nicht heißt, dass er sich zurücklehnt. Leven ist im örtlichen Karneval engagiert: „Ich gehe auch in die Bütt.“ Dann steht dieses Jahr ein rundes Jubiläum an. Mit Freunden hat der Borner aus der Katholischen Jungen Gemeinde heraus die Jugendgruppe „Frico Boys“ gegründet. „Wir feiern in diesem Jahr 50-jähriges Bestehen.“ Bis heute halten viele Mitglieder den Kontakt untereinander, Leven ist der Vorsitzende der Gruppe.

Für den März dieses Jahres bereitet Friedhelm Leven eine neue Reise nach Burundi vor. Sicher führt ihn sein Besuch auch zum Johannes-Wolters-Zentrum. Die Nachfrage nach einem Internatsplatz ist groß. Zur Zeit mietet die Fondation Stamm das Gebäude, in dem das Internat untergebracht ist. „Wir überlegen, ob es möglich ist, das Gebäude zu kaufen, um so langfristig die Mietkosten zu sparen“, erzählt Friedhelm Leven.

Vielleicht steigt er auch noch einmal aufs Rad für den guten Zweck: „Solange ich das noch kann. Das Fahrradfahren ist für mich am authentischsten, um auf die Probleme der Menschen in Burundi aufmerksam zu machen.“