Gottes Gaben eingeweckt

Die Arbeit im Garten ist ein idealer Ausgleich für Bruder Wolfgang Mauritz. Wenn das Schaffen Früchte trägt, steht der Franziskaner zum Einmachen, Backen und Likör-Ansetzen in der Küche.

(c) Bruder Wolfgang Mauritz OFM
Datum:
1. Apr. 2025
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 14/2025 | Stephan Johnen

Die Wurzeln dieser Geschichte reichen ins Jahr 2001 zurück. Am Elften im Elften stand Bruder Wolfgang Mauritz OFM mit dem Ensemble des Marionettentheaters „De Strippkes Trekker“ auf der Bühne bei den Dülmener Figurentheatertagen und nahm neben Applaus ein Geschenk in Empfang, das er erst einmal nicht einzuordnen wusste. „Mir wurde ein Strunk in die Hand gedrückt – und ich muss die Organisatoren ziemlich entgeistert angeschaut haben“, erinnert er sich augenzwinkernd. Der 11.11.2001, 11 Uhr, ist ziemlich lange her. Und aus dem „Strunk“ ist mittlerweile ein stattlicher Dülmener Herbstrosenapfel geworden. Ein Apfelbaum, der nach einem Eifeler Winter im Hürtgenwald langsam wieder Blüten treibt.

Die Dülmener Rose im Klostergarten war vor 25 Jahren ein dünnes Stämmchen, das der Franziskaner von einem Puppentheater-Festival aus Dülmen mitbrachte. (c) Bruder Wolfgang Mauritz OFM
Die Dülmener Rose im Klostergarten war vor 25 Jahren ein dünnes Stämmchen, das der Franziskaner von einem Puppentheater-Festival aus Dülmen mitbrachte.

Die Dülmener Rose gehört zu den alten Sorten, die damals drohten, in Vergessenheit zu geraten. Jedes Ensemble, das beim Festival in Dülmen auftrat, erhielt einen kleinen Baum, um diesen in der eigenen Heimat einzupflanzen. Der Franziskaner aus Vossenack tat dies im Garten des Klosters, wo sich auch ein Vierteljahrhundert später noch ehemalige und aktuelle Mitglieder des von ihm gegründeten Marionettentheaters um die Dülmener Rose kümmern. Es ist der Baum der Puppenspieler, doch jeder weiß, wer den grünsten Daumen hat. „Ich liebe es, wenn es blüht und keimt, es grünt und wächst“, sagt Bruder Wolfgang freudestrahlend.

Der Einzug der Dülmener Rose in den Klostergarten rief Erinnerungen an die Kindheit wach, die Wolfgang Mauritz während der warmen Monate vor allem im großen Nutzgarten der Eltern verbrachte. Auch wenn der Baum die ersten drei Jahre nicht viel tat, außer zu wachsen. Bis plötzlich Äpfel daran hingen. Und es von Jahr zu Jahr immer mehr wurden. Nun war der Punkt gekommen, an dem Bruder Wolfgang einen Plan brauchte, all das Obst sinnvoll zu verwenden. Wie das geht, hatte er zum Glück von seinen Eltern gelernt. „Mein Vater war ein passionierter Gärtner. Er pflanzte mit dem Zollstock und die Nachbarn behaupteten, dass die Möhrchen stramm standen, wenn er in den Garten kam“, berichtet Wolfgang Mauritz schmunzelnd.

Heute ist der blühende Apfelbaum eine Augenweide ­– und Lieferant für Apfelkuchen, Kompott und den selbst angesetzten Kloster-Likör. (c) Bruder Wolfgang Mauritz OFM
Heute ist der blühende Apfelbaum eine Augenweide ­– und Lieferant für Apfelkuchen, Kompott und den selbst angesetzten Kloster-Likör.

Für seine Mutter, die sich stets ein Stück für ihre Rosen abzwackte, und die Familie war der Garten aber kein Hobby, sondern eine Notwendigkeit, um die große Familie mit frischem Gemüse und Vorräten für die Wintermonate zu versorgen. Bruder Wolfgang: „Wir haben alle gelernt, die Natur zu schätzen. Auch bei meinen jüngeren Geschwistern und deren Kindern hat das gefruchtet. Für unsere Familie war der Garten damals lebenswichtig. Auch wenn es schon einmal ein Graus war, wenn Papa abends zum zehnten Mal ankam und einen großen Korb Bohnen zum Abendessen aus dem Garten brachte.“

Während der Vater nach der Arbeit gärtnerte, war es Aufgabe seiner Mutter, das ganze Obst und Gemüse zu verarbeiten, es haltbar zu machen, alles einzukochen. Teilweise in der Waschküche, zunächst auf einem Holzofen, ganz spät erst auf einem Gasherd, erinnert sich Bruder Wolfgang, der wie alle anderen Geschwister „zwischen den Welten“ unterwegs war und sowohl das Gärtnern als auch das Einkochen lernte beziehungsweise abschaute. „Irgendwann, als es auch wirtschaftlich allen besser ging, hat sich meine Mutter durchgesetzt, und es wurde ein Tiefkühlschrank angeschafft“, berichtet der Franziskaner. Ganz bewusst ein Schrank, denn eine Tiefkühltruhe wäre sonst zum Bermuda-Dreieck für Bohnen, Schwarzwurzelgemüse und andere Vorräte geworden, befürchtete die Hausherrin.

 

"Das Wissen um Lebensmittel und der Respekt vor dem Essen hängen zusammen. Fehlt es an Wissen, mangelt es schnell an Respekt", sagt Burder Wolfgang Mauritz OFM.

Die Frage, was nun mit den Äpfeln im Klostergarten geschehen sollte, war anfangs schnell geklärt – und entwickelte sich von Jahr zu Jahr mit immer größeren Ernteerfolgen weiter. Apfelkuchen und die Produktion von Kompott reichten bald nicht mehr aus, also begann der Franziskaner, die Früchte zu entsaften und den eigenen Apfellikör aufzusetzen, der beispielsweise bei den Klostersonntagen nach dem Gottesdienst verköstigt werden kann. Die Äpfel werden dabei gewaschen, das Kerngehäuse wird entfernt, in kleine Stücke geschnitten und mit Weizenkorn, Kandiszucker und Zimt Ende September angesetzt. Bis Weihnachten darf alles ziehen (und wird mehrfach gerüttelt), dann wird der Likör zweimal gefiltert – fertig ist der gute Tropfen aus dem Kloster.

Startend mit der Dülmener Rose kamen andere „Quellen“ für den offiziellen „Hoflieferanten“ des Klosters für Marmeladen, Gebäck und Likörchen hinzu: Pater Daniel Züscher OFM brachte beispielsweise zwei Riesling-Reben aus seiner Heimat mit, die ebenfalls im Garten des Klosters Wurzeln schlugen. Auf die Idee, selbst Wein zu keltern, käme Bruder Wolfgang nicht, aber aus den Riesling-Trauben lässt sich hervorragend ein Traubengelee herstellen, das die Frühstückstafel bereichert. „Ich gehe auch gerne an den Hecken vorbei und pflücke Brombeeren – und wenn der Nachbar den Baum voll Pflaumen voll hat, nehmen wir gerne welche ab“, berichtet er. Hinzu kommen noch Quitten, andere Apfelsorten… eigentlich alles, was die Natur so hergibt. „Ich kann einfach nichts liegen lassen“, erklärt Bruder Wolfgang. Ein Imker hat drei Bienenstöcke im Garten des Klosters aufgestellt, während der Sommermonate herrscht reger Flugverkehr, und der Honigertrag kann sich sehen lassen.

Anfangs, sagt Bruder Wolfgang, hätten ihn die Mitbrüder vielleicht ein bisschen belächelt. „Natürlich können wir alles auch kaufen. Es ist dann vielleicht sogar billiger“, sagt er. Aber mit einem ganz zentralen Argument hat er die Gemeinschaft überzeugen können: „Du weißt, was drin ist, wie es schmeckt, du hast es mit denen eigenen Händen gemacht. Für mich hat das etwas mit Bewahrung der Schöpfung zu tun. Und mit Respekt vor Gottes Gaben“, erklärt der Franziskaner. Natürlich sei es Arbeit, brauche es Zeit. Aber umso belohnender sei das Gefühl, selbst etwas hergestellt zu haben, das vielen anderen Menschen auch schmeckt. „Für mich ist Gartenarbeit auch ein Ausgleich zum Alltag“, sagt Bruder Wolfgang. Der Franziskaner bedauert, dass das Wissen um Lebensmittel und deren Herstellung, der Respekt vor dem Essen gesellschaftlich offenbar immer weiter abnimmt: „Wir sind zu oft nur noch Konsumenten.“ Ja, die Zeit sei insgesamt schneller geworden. „Aber warum muss auch alles immer sofort da sein?“, fragt er sich.

Bruder Wolles Apfelkuchen – saftig – mit Zimt und Streuseln

(c) Bruder Wolfgang Mauritz OFM

Zutaten:

für den Teig:
100 g Butter
150 g Zucker
200 g Mehl
1 Ei
½ Tütchen Backpulver
1 Fläschchen Zitronenaroma
etwas Milch
Prise Salz
Fett für die Form

für den Belag: 
5 oder 6 große Äpfel oder 
zwei Glas Apfelmus


Zubereitung:

Butter, Zucker und das Ei schaumig rühren. Mehl, Backpulver, Zitronenaroma, Salz und bei Bedarf etwas Milch unterrühren. Der Teig sollte cremig sein und in eine gefettete Springform gegeben werden.
Als nächstes die Äpfel schälen, entkernen und in Spalten schneiden (oder das Apfelmus aufmachen...). Die Spalten dicht an dicht auf den Teig legen und leicht andrücken (oder den Teig mit dem Apfelmus bestreichen...) Mit etwas Zimt bestreuen. Streusel aus (kalter) Butter, Zucker und Mehl von Hand kneten. Dabei sollten die Streusel nicht zu krümelig-klein werden. Streusel auf die Äpfel/das Apfelmus geben.
Backofen vorheizen (180 Grad) und den Kuchen auf mittlerer Schiene höchstens 60 Minuten backen. Je nach Geschmack kann der Kuchen gleich nach dem Backen mit einem Becher Sahne übergossen werden. Bruder Wolfgang versichert, dass „Wolles Apfelkuchen“ am besten schmeckt, wenn er eine Nacht durchziehen konnte.