„Glauben geht ...“

Godehard-Oktav in Vorst

Die prächtigen Uniformen der Schützen sind für viele Beobachter ein Hingucker bei der Godehardprozession. (c) privat
Die prächtigen Uniformen der Schützen sind für viele Beobachter ein Hingucker bei der Godehardprozession.
Datum:
22. Apr. 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 09/2026 | Kathrin Albrecht

Seit fast 900 Jahren wird der heilige Godehard verehrt. Bei der Oktav vermischt sich Tradition mit Neuem.

Die Festwoche lebt vom ehrenamtlichen Engagement

Der heilige Godehard wird bei Krankheiten an Mensch und Tier angerufen. Im Bistum Aachen gibt es eine Gemeinde, St. Godehard in Tönisvorst-Vorst, die den Heiligen zum Patron hat und ihm in einer Woche rund um seinen Gedenktag am 4. Mai ein Fest bereitet.

Godehard war bei den Menschen sehr beliebt, weil er sich um die Armen, Kranken und Bedürftigen kümmerte. (c) privat
Godehard war bei den Menschen sehr beliebt, weil er sich um die Armen, Kranken und Bedürftigen kümmerte.

Auch Ulrike Schmitz, seit drei Jahren im Gemeindevorstand, ist mit dabei. „Die Godehard-Oktav lebt von den vielen Gruppen, die sich ehrenamtlich engagieren“, sagt sie. So kümmert sich eine Gruppe darum, dass das Godehard-Fenster zur Verehrung geöffnet und wieder geschlossen wird. Die feierliche Eröffnung des Fensters am 1. Mai um 16 Uhr ist eingebettet in das Maibaumsetzen des Heimatvereins. „Dabei zieht die Godehard-Statue von der Kirche in die kleine Seitenkapelle um,“, erzählt Ulrike Schmitz. Begleitet von Gebeten und den Klängen einer Musikkapelle wird die Statue aus der Kirche über den Markt zur Kapelle getragen. Seit fast 900 Jahren wird der heilige Godehard in Vorst verehrt.

1131, im Jahr seiner Heiligsprechung, schenkte der Erzbischof und Kurfürst Friedrich I. von Köln der Gemeinde eine Reliquie Godehards. Die Gemeinde änderte daraufhin das Patronat, auf Bartholomäus folgte Godehard. „Enne joe Heiije fiert aach Daach“, heißt es in Vorster Mundart: Es braucht acht Tage, um den Heiligen an seinem Festtag zu verehren. In der Folge entwickelte sich Vorst zu einem Wallfahrtsort. Papst Pius VI. gewährte im Jahr 1794 allen Gläubigen, die am Gotthardustag die Kirche in Vorst besuchten, einen vollkommenen Ablass. Sein Nachfolger Pius VII. erweiterte den Ablass auf die gesamte Oktav. 

1131 erhielt die Gemeinde Vorst ein Knochenstück des Heiligen Godehard. Das Reliquiar wird auf der Prozession durch den Ort getragen. (c) privat
1131 erhielt die Gemeinde Vorst ein Knochenstück des Heiligen Godehard. Das Reliquiar wird auf der Prozession durch den Ort getragen.

Höhepunkt der Festwoche ist die große Prozession, die jeden ersten Sonntag nach dem 4. Mai stattfindet. In diesem Jahr ist das der 10. Mai. Nach der Festmesse wird die Reliquie des heiligen Godehards durch die Straßen und Felder getragen. An Haus Neersdonk feiern die Gläubigen eine Eucharistiefeier, die von einer ehrenamtlichen Gruppe vorbereitet wird.

Ulrike Schmitz geht auf der Prozession als Lektorin mit, die Reliquie begleiten die drei Schützenbruderschaften des Ortes, eine Abordnung der Kolpingsfamilie und Gläubige, die sich der Prozession anschließen. Von Haus Neersdonk geht es zurück auf den Markt, wo die Prozession mit Beiern begrüßt wird und den Schlusssegen empfängt. Auch um das Beiern, das Anschlagen der Glocken per Hand nach einer Melodie, kümmert sich eine ehrenamtliche Gruppe. Ebenso wichtig wie die ehrenamtlich Engagierten sind die Schützenbruderschaften, die die Prozession begleiten. Parallel zur Oktav findet in der Regel ein Schützenfest statt. „Wie eng die beiden Feste miteinander verbunden sind, ist mir erst klar geworden, seit ich in die Vorbereitungen eingebunden bin“, sagt Ulrike Schmitz.

Traditionell folgt die Prozession dem Gotthardus-Kreuzweg, der 1764 aufgestellt wurde. Um den Erhalt der 14 Stationen kümmern sich verschiedene Gruppen und Einzelpersonen aus der Gemeinde ehrenamtlich. „Vor zwei Jahren haben wir den Weg etwas verkürzt und sind durch das Neubaugebiet gezogen“, erzählt Ulrike Schmitz. „Für die dort lebenden Familien war das etwas Besonderes, die Schützen in ihren prächtigen Uniformen zu sehen. Einige haben sich dann spontan der Prozession angeschlossen und sind bis zum Schlusssegen geblieben.“  

Nachdem auch im letzten Jahr witterungsbedingt der Prozessionsweg verkürzt wurde, geht es in diesem Jahr wieder über die Felder. Doch ein Angebot für alle, insbesondere für Familien mit jüngeren Kindern, später dazuzustoßen, soll es dennoch geben. „Es ist wichtig, die Menschen buchstäblich da abzuholen, wo sie sind“, unterstreicht Ulrike Schmitz, aber: „Wir müssen behutsam verändern. Diejenigen, die schon länger dabei sind, sollen sich in den Angeboten wiederfinden. Aber wir müssen auch neue Angebote machen.“ So spricht das Oktavprogramm unter dem Motto „Go!dehard. Glauben geht …“ auch verschiedene Zielgruppen an. Am Mittwoch, 6. Mai, lädt die Gemeinde um 15 Uhr zur heiligen Messe mit Krankensalbung und anschließendem Kaffeetrinken im Café der Lebenshilfe, „Mittendrin“, ein. Anmeldungen dafür nimmt das Pfarrbüro (Tel. 02156/978570) bis zum 2. Mai entgegen.

Am 8. Mai gestalten die Kinder der Kita St. Godehard einen Kleinkindergottesdienst zum Thema Heiliger Godehard. Und die Reliquie des Heiligen macht sich auf den Weg ins Seniorenhaus „Kandergarten“, wo im Rahmen eines Wortgottesdienstes alle, die es möchten, den Segen mit der Reliquie empfangen können. Der Tag der Godehardprozession beginnt früh, mit einem Pilgerfrühstück im Restaurant „Haus Vorst“ um 7.40  Uhr (Anmeldungen bis zum 29. April im Pfarrbüro, s. o., oder auf der Homepage www.gdg-kempen-tönisvorst.de). Die Festmesse beginnt um 8.30 Uhr. Danach folgt die Prozession.

Auch, wenn die Schar der Gläubigen, die sich zur Oktav in Vorst einfindet, heute deutlich bescheidener ausfällt als früher, findet Ulrike Schmitz: „Es ist wichtig, die Freude am Miteinander und am Glauben weiterzugeben. Die Menschen, die jetzt da sind, machen das aus Überzeugung.“