Gemeinschaft

Zweites Ökumenisches Tauffest in Mönchengladbach

Der große Moment: Münster-Propst Peter Blättler tauft den kleinen Yano. (c) Garnet Manecke
Der große Moment: Münster-Propst Peter Blättler tauft den kleinen Yano.
Datum:
17. Juni 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 13/2026 | Garnet Manecke

„Meine Schuhe sind nass geworden“, ruft Emil. Empörung klingt in seiner Stimme. Im Blick, der Priester Christoph Glanz trifft, liegt ein leiser Vorwurf.

 So hatte sich Emil das nicht vorgestellt. Deshalb wollte der Knirps zuerst auch nicht getauft werden, als er sah, wie Glanz seinen älteren Bruder Oskar taufte. Dass dabei etwas von dem geweihten Wasser über den Kopf geschüttet wird und die Haare nass werden, schien dem Jungen trotz des Sonnenscheins und den warmen Temperaturen inakzeptabel. Aber seine älteren Geschwister und der Pate haben ihm zugeredet und schließlich ließ sich Emil taufen. Zur Salbung mit  Chrisam sind die nassen Schuhe schon vergessen und der Vierjährige beugt seinen Kopf.

Christoph Glanz spricht mit Oskar und seinem Bruder Emil (r.) (c) Garnet Manecke
Christoph Glanz spricht mit Oskar und seinem Bruder Emil (r.)

Zum zweiten Mal luden katholische und evangelische Gemeinden in Mönchengladbach zum Ökumenischen Tauffest unter freiem Himmel im Geropark ein. 2024 fand das Ereignis zum ersten Mal statt. Bei der Premiere waren es 21 Täuflinge. In diesem Jahr sind 34 Täuflinge angemeldet, darunter eine Erwachsenentaufe. Die Familien haben dafür zum Teil weite Wege auf sich genommen.

„Wir haben Täuflinge aus Aschaffenburg dabei“, sagt Taufhelferin Annette Diesler. Im Hauptberuf ist sie Pastoralreferentin und gehört zum Regionalteam Mönchengladbach. Schon zum Vorbereitungstreffen Ende Mai hat die Familie die etwa dreistündige Fahrt aus dem Bistum Würzburg auf sich genommen. 

Nun stehen die Eltern mit der großen Schwester und dem Paten am Tisch, um die wenigen Wochen alten Zwillinge taufen zu lassen. Die beiden verschlafen das Ereignis. Nur einer gähnt herzhaft, als Christoph Glanz das Chrisam auf seine Stirn gibt. Danach segnen die Eltern und der Pate ihre drei Kinder. Mit zwei gehäkelten Friedenstauben, die an diesen Tag erinnern sollen, geht die Familie schließlich wieder an ihren Platz am Geroweiher.

„Im wahrsten Sinne des Wortes geht der Himmel über allen auf“, sagt Pfarrerin Esther Gommel-Packbier zur Begrüßung der Täuflinge und ihrer Familien. Gommel-Packbier hatte vor zwei Jahren die Idee zu dem Ökumenischen Tauffest. Jetzt eröffnet sie das zweite Tauffest und zeigt dabei in den Himmel. Just vor Beginn des Gottesdienstes schiebt der Wind die schweren Wolken zur Seite und lässt der Sonne freie Bahn.

Regenbogen, bunte Blätter und Friedenstauben, goldene Ranken und farbenfrohe Sterne, goldene Fische, rosa Pferde und orange Känguruhs: Jede Taufkerze ist ganz individuell gestaltet und trägt den Namen des Täuflings, dem sie gehört. Hier stehen sie in einer Reihe und wirken wie ein Versprechen.

Das Tauffest ist gelebte Ökumene in Mönchengladbach. (c) Garnet Manecke
Das Tauffest ist gelebte Ökumene in Mönchengladbach.

„Bei der Vorbereitung war eine große Freude zu spüren“, berichtet Gommel-Packbier. Eine Freude, die auch jetzt in der Luft liegt. Regionalvikar Ulrich Clancett erinnert mit Blick auf die Münster-Basilika daran, dass hier am Geropark die Keimzelle der Stadt Mönchengladbach liegt. Der Mönch Sandrad habe vor 1000 Jahren die Aufgabe gehabt, einen Ort für eine Abtei zu finden, sagt er. Damals seien die Menschen gemeinsam unterwegs gewesen. „Wichtig ist, das wir das gemeinsam tun und nicht darüber nachdenken, was uns trennen könnte“, sagt Clancett zum ökumenischen Charakter des Tauffestes.

Das Wasser habe eine besondere Bedeutung, die heutzutage vielfach nicht mehr im Bewusstsein sei. „Jesus ist im Wasser getauft worden“, erinnert Clancett. „Wenn die Wasserwerke gut arbeiten, kommt morgens das Wasser aus dem Hahn. Wo Jesus lebte, da gab es weniger Wasser als bei uns.“ Er habe den Menschen den Auftrag gegeben, anderen zu sagen, wie gut es tue, sich gemeinsam auf den Weg zu machen und ihn gemeinsam zu gehen. „Wir wollen so den Menschen Mut zusprechen“, sagt Clancett. „Denn den können wir alle gut gebrauchen.“

Die Gottesdienstbesucher hören aufmerksam zu. Rund um den Geroweiher herrscht die Stimmung eines großen Gartenfestes, bei dem sich die Familie trifft. Manche haben Picknickdecken auf der Wiese ausgebreitet, andere haben an den Tischen Platz genommen, die mit den Namen der Familien gekennzeichnet sind.
Um trotzdem die Intimität der Taufe zu wahren, sind sechs Stehtische aufgestellt worden. Jede Familie wird einzeln zu einem Tisch geführt. Auf diese Weise finden die Taufen gleichzeitig öffentlich und im engsten Kreis statt.

Loua entzündet mit Hilfe ihres Vaters ihre Taufkerze. (c) Garnet Manecke
Loua entzündet mit Hilfe ihres Vaters ihre Taufkerze.

„Jeder und jede wird individuell getauft“, erklärt Pfarrer Stephan Dedring das Procedere und schließt die Frage an: „Wollt Ihr getauft werden?“ Aus den Besucherreihen erklingt ein vielstimmiges „Ja“. Auch die Eltern der Kinder, die noch nicht selbst zustimmen können, antworten. Noch einmal singt der für dieses Fest extra aus vier Kinderchören zusammengestellte Chor.

„Es ist wunderbar, so viele Menschen zu taufen“, sagt Münster-Propst Peter Blättler. Sein erster Täufling hat etwas Hemmungen. Das kleine Mädchen dreht den Kopf weg, aber schließlich lässt sie in den Armen ihres Vaters doch zu, dass das Wasser ihr Haupt benetzt.

Das Ökumenische Tauffest ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Zusammenarbeit zwischen den christlichen Glaubensgeschwistern in Mönchengladbach weiter gestärkt wird.

An vielen Stellen arbeiten die beiden Kirchen in den Gemeinden zusammen. Zur letzten Heiligtumsfahrt 2023 wurde die Reliquie, ein Stück des Tischtuchs vom letzten Abendmahl, sogar für einen Abend in die Evangelische Hauptkirche in Rheydt gebracht. Ein bis dahin undenkbarer Vorgang.

Das Tischtuch, auf dem einige der Taufkerzen stehen, war ein Geschenk der Protestanten an die Katholiken beim Abschluss der Heiligtumsfahrt 2014. „Eine Ökumenische Tauffeier hat bisher noch gefehlt“, sagte Blättler kürzlich in einem Interview mit der Kirchenzeitung.

Die Taufe als Zeichen der Verbundenheit zwischen den Glaubensgeschwistern und mit Gott: Was das bedeutet, zeigt sich an der Gesellschaft, die sich hier versammelt hat. Jung wie Alt sind im Geropark zusammengekommen. Auch in diesem Jahr wird eine Erwachsenentaufe gefeiert. Adewale Adeyemi empfängt durch Stephan Dedring das Sakrament. Mit ihm werden seine beiden Töchter, die zweijährige Liana und die drei Wochen alte Kleo, getauft.