Frauen gehören zur Kirche

Erneut protestierten Frauen und Männer für die Gleichstellung der Frauen in der Katholischen Kirche

Vor der Citykirche Mönchengladbach bildeten über 100 Frauen und Männer das Symbol für Frauen und Kirche. (c) Andreas Baum
Vor der Citykirche Mönchengladbach bildeten über 100 Frauen und Männer das Symbol für Frauen und Kirche.
30. Sep 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 40/2019 | Garnet Manecke

Wer hoffte, dass nach den Aktionen zu Maria 2.0 im Mai wieder Ruhe einkehrt, musste schnell seinen Irrtum feststellen. Die Frauen in der katholischen Kirche bleiben laut und fordern weiter die Gleichstellung der Frauen und deren Zugang zu geweihten Ämtern und Schlüsselpositionen. Mit einer Aktion in Mönchengladbach haben Frauen gezeigt, warum der Status Quo nicht weiter haltbar ist.

Marie-Theres Jung forderte in ihrer Ansprache die Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche. (c) Andreas Baum
Marie-Theres Jung forderte in ihrer Ansprache die Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche.

Ein Kreis und ein Kreuz, aus diesen beiden Zeichen besteht das Symbol für „Frau/weiblich“, aber auch das für die Kirche. Rund 250 Frauen und Männer zeigten das auf eindrucksvolle Weise auf dem Edmund-Erlemann-Platz vor der Citykirche in Mönchengladbach. Das Symbol war auf dem Boden vorgezeichnet, entlang der Linien stellten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf. Von der Straße aus betrachtet, mit der Kirche im Hintergrund, bildete die bunte Gruppe der Protestierenden das Frauen-Smbol. Von der Eingangstür des Gotteshauses aus gesehen, haben sie das Kirchensymbol gestellt. „Frauen und die Kirche gehören zusammen“, lautete die Botschaft.

Die Frauen sind nicht mehr bereit, die dienende Rolle zu übernehmen, in der sie sich ehrenamtlich engagieren dürfen, ihnen aber alle Ämter, in denen sie aktiv die Entwicklung der Kirche mitbestimmen und gestalten können, verwehrt bleiben. Auch Frauen spüren ihre Berufung und wollen sie leben.

 

„Die Kirche kann sich nicht mehr lange leisten, die Situation zu ignorieren“

Und sie stehen auch nicht alleine da: Viele Männer unterstützen ihr Anliegen. Propst Peter Blättler, Leiter der Innenstadtpfarrei St. Vitus, nahm an der Seite der Frauen an der Aktion teil. „Der Riss in der Kirche ist nicht zu heilen, wenn der Geist Gottes zurückgedrängt wird, und der Geist Gottes drängt zu einer Kirche, in der jeder seiner Berufung folgen kann“, sagte der Geistliche in seiner Ansprache zu den Frauen und Männern.

Blättler war bei Weitem nicht der einzige männliche Teilnehmer der Aktion. Auch Joshua Hinz, Mitglied des Leitungsteams der katholischen Jugend Rheindahlen, erinnerte daran, dass Frauen einst zum engsten Vertrautenkreis von Jesus gehörten. „Das Geschlecht darf nicht über Ämter in der Kirche bestimmen“, sagte er. Die fehlende theologische Grundlage, Frauen aus geweihten Ämtern auszuschließen, wurde wiederholt kritisiert.

Aufrecht zu stehen für eine geschlechtergerechte Kirche, forderte Marie-Theres Jung, Diözesanvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) im Bistum Aachen. Zusammen mit dem Bund Deutscher Katholischer Jugend Diözesanverband Aachen, dem Kolping Diözesanverband Aachen, dem SKF Mönchengladbach, der Stiftung Volksverein und dem Volksverein Mönchengladbach hatte die KFD die Aktion organisiert.

„Die Kirche kann es sich nicht mehr lange leisten, diese Situation zu ignorieren“, sagte Marie-Theres Jung in einem Interview mit der KiZ vor einigen Wochen. Noch liegt der Anteil der Gottesdienstbesucherinnen bei 75 Prozent, wie Maria Taube, Vorsitzende des Kolpingwerks Diözesanverband Aachen, sagte. Aber die Zeichen der Proteste stehen so, dass sich das in der Zukunft ändern könnte, wenn Frauen nicht gleichberechtigt werden.