Fastenbrechen

„Frieden beginnt hier bei uns, im Kleinen – sonst kann das auch in der großen Welt nichts geben“

Mehr als 140 Menschen nahmen am Fastenbrechen teil. (c) Stephan Johnen
Mehr als 140 Menschen nahmen am Fastenbrechen teil.
Datum:
24. Feb. 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 05/2026 | Stephan Johnen

„Gemeinsam träumen – Liebe sei Tat“: Nicht ohne Grund hing das von der Künstlerin Konstanze Trommer unter diesem Motto gestaltete Misereor-Hungertuch 2025/26 über dem Altar der Kirche St. Franz Sales in Jülich. „Frieden beginnt hier bei uns, im Kleinen – sonst kann das auch in der großen Welt nichts geben. Es beginnt mit Respekt, mit Liebe“, sagte Hans-Otto von Danwitz, Pfarrer im Pastoralen Raum Aldenhoven/Jülich. In Kooperation mit der Evangelischen Kirchengemeinde Jülich, dem Ideal Bildungsverein und der islamischen Gemeinde Jülich fand in der Kirche des Nordviertels erstmals ein interreligiöses Fastenbrechen statt, an dem mehr als 140 Menschen teilnahmen. Christen wie Muslime.

Am Aschermittwoch begann die Fastenzeit für die Christen, einen Tag später der muslimische Fastenmonat Ramadan. „Beide Religionen gestalten also fast zeitgleich diese Zeit des Gebets und der Gemeinschaft miteinander und besonders mit Notleidenden in der Welt“, unterstrich Pfarrer Hans-Otto von Danwitz mit der Fastenzeit ein verbindendes Element beider Religionen. „Es geht um die Inhalte, die wir Aschermittwoch mit auf den Weg bekommen haben: fasten, beten, Almosen geben. Das wird in der Fastenzeit verwirklicht, darüber machen wir uns Gedanken.“ Für Hans-Otto von Danwitz sei dieser interreligiöse Abend angesichts so vieler Auseinandersetzungen und Kriege in der Welt auch ein Zeichen der Hoffnung.

„Ich gewinne das Gefühl, dass es eigentlich überflüssig ist, an diesem Abend über das Thema Zusammenleben zu sprechen. Wenn Menschen einander einladen, miteinander essen und trinken, findet Zusammenleben in seiner schönsten und vollkommensten Art statt“, freute sich der evangelische Pfarrer Dr. Udo Lenzig über das Gelingen eines gemeinsamen Fastenbrechens, das er als „wegweisend“ beschrieb. Zwar seien Unterschiede der Religionen vorhanden, diese seien aber durchaus begrüßenswert.

Lenzig: „Unterschiede regen zum Dialog, zum Nachdenken an. Es gibt aber auch eine große Schnittstelle: Beide Religionen wissen um die Bedeutung der Barmherzigkeit. Sie ist ein starkes und wichtiges Fundament für das Zusammenleben der Menschen in unserem Land, in dieser Welt.“ Er hege die Hoffnung, dass jede Begegnung, jede Form des Austauschs, ein Stück weit dazu beitrage, dass „aus einem interessierten Nebeneinander ein gutes Miteinander wird“.

„Der heutige Abend ist etwas Besonderes“, bedankte sich der Jülicher Imam Hussein Eljajieh für die Möglichkeit des gemeinsamen Fastenbrechens in einer katholischen Kirche. Der Austausch an den Tischen, das gemeinsame Gespräch, biete in einem größeren Rahmen Gelegenheit, etwas übereinander zu erfahren und zu lernen, eine Vorstellung zu erhalten, wie der jeweils andere denkt.  „Wir erleben, wie Zusammenleben in bester Weise geht“, sagte er. „Gemeinsamkeit, Barmherzigkeit und Frieden“ stellte auch Yavuz Karagöz, stellvertretender Vorsitzender des Ideal Bildungsvereins in den Mittelpunkt. Eine der Aufgaben des Bildungsvereins sei es, Brücken zwischen den Kulturen zu schlagen. 
Nach dem Abendruf, der nach Sonnenuntergang das eigentliche Fastenbrechen einleitete, wurde an den festlich gedeckten Tischen gegessen.

Neben Informationen rund um den Fastenmonat Ramadan gab es auch ein kulturelles Rahmenprogramm. Unter anderem spielte Murat Ckamaz auf der traditionellen arabischen Flöte (Ney), ein interreligiöser Chor Jülicher Kinder, der von Musiklehrerin Viviana Gestengarbe geleitet wurde, stimmte Lieder aus beiden Kulturkreisen an. Die Moderation des gesamten Abends meisterten Alper Mert und Beyza Kücük. Den Abschluss des offiziellen Programms bildeten zwei Friedensgebete, die von Pfarrer Hans-Otto von Danwitz und Imam Hussein Eljajieh gestaltet wurden.

Gemeinsames Fastenbrechen in Jülich

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