Eschis Auszug aus Ägypten

Für den Sommer hat sich die Kinder- und Familienkirche Eschweiler eine bunte Mitmach-Aktion überlegt

Die dargestellten Szenen vom Auszug aus Ägypten wechseln alle zwei Wochen. Immer mittendrin Eselchen Eschi. (c) Andrea Thomas
Die dargestellten Szenen vom Auszug aus Ägypten wechseln alle zwei Wochen. Immer mittendrin Eselchen Eschi.
Datum:
11. Aug. 2021
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 32/2021 | Andrea Thomas

Am Fuß des Bergs Sinai lagern die Israeliten und warten auf die Rückkehr von Mose, der auf den Berg gestiegen ist, wo er die Zehn Gebote erhalten wird. Und mittendrin: Eselchen „Eschi“ von der nach ihm benannten Kinder- und Familienkirche in St. Bonifatius Eschweiler-Dürwiß. In diesem Sommer hat es sich auf eine besondere Reise gemacht.

Und zwar in mehrfacher Hinsicht: Zum einen nimmt das Team der Kinder- und Familienkirche Kinder und Eltern seit Beginn der Sommerferien mit auf eine Reise durch biblische Geschichten. Zum anderen erzählen die regelmäßig im Internet veröffentlichten Geschichten rund um den kleinen Esel von seinen Ferien-Reiseerlebnissen. Zwischen beiden Geschichten gibt es jeweils eine Verbindung, die es den Kindern leichter macht, zu verstehen, worum es in der Bibelgeschichte im Kern eigentlich geht.

Wie so viele Familien hat auch Eschis Familie die Ferien genutzt, um nach den schwierigen Corona-Wochen „mal rauszukommen“. Gemeinsam machen sie eine Reise ins Unbekannte. Genauso geht es auch dem Volk Israel, als es im Alten Testament aus der Gefangenschaft in Ägypten aufbricht, ohne zu wissen, wohin Gott es führen wird. „Wir haben überlegt: Was passt zu Ferien, Reise und Aufbruch“, erzählt Gemeindereferentin Angela Pohl, die gemeinsam mit ihrer Tochter die Eschi-Geschichten schreibt. So seien sie auf die Geschichte über den Auszug aus Ägypten gekommen, aus der sie einzelne Teile verteilt über den Sommer aufgreifen. Alle zwei Wochen erwartet die Familien ein neues Abenteuer.

Nun ist Geschichten lesen (oder vorgelesen bekommen) zwar eine tolle Sache, aber doch recht passiv. Deshalb hat sich das Team als weiteren Baustein überlegt, wie es die Kinder direkt mit einbinden und ihnen außerdem etwas zu Gucken geben kann. Parallel zu den Geschichten wird die biblische Geschichte vor Ort in der Kinderkirche in St. Bonifatius in Dürwiß nachgestellt – und zwar mit Figuren, die die Kinder selbst basteln konnten. Mit dem Ferienbeginn waren sie aufgerufen, sich ein Bastelset, bestehend aus einem Holzscheit, einer Styroporkugel und Stoffresten, im Pfarrbüro St. Bonifatius abzuholen. Daraus sollte eine Reisegesellschaft für Eschi entstehen. 

Fantasievolle Figuren

Mit jedem Umbau des Eschi-Teams werden die Figuren, die die Kinder mit Begeisterung gebastelt haben, Teil einer neuen biblischen Geschichte. (c) Andrea Thomas
Mit jedem Umbau des Eschi-Teams werden die Figuren, die die Kinder mit Begeisterung gebastelt haben, Teil einer neuen biblischen Geschichte.

Die Idee zu den Figuren hatte Gemeindereferentin Ulrike Riemann-Marx, Referentin für Religionspädagogik im Fachbereich Tageseinrichtung für Kinder beim Bistum, zu deren Stelle auch die Unterstützung und Begleitung des Eschi-Teams gehört. „Das Schöne an den Figuren ist“, erläutert sie, „dass sie sowohl für Kindergarten- als auch für Grundschulkinder geeignet sind“. Außerdem lassen sie viel Spielraum für kindliche Fantasie. So kommt es, dass sich unter das Volk Israels unter anderem auch ein Astronaut und eine Fee mischen. Bei den Eschweiler Kindern ist die Aktion jedenfalls gut angekommen, wie auch Gisela Müller bestätigen kann. „Wir haben den Kindern eine Kiste mit Stoff- und Wollresten zur Verfügung gestellt. Das fanden sie ganz toll, darin zu wühlen und zu stöbern“, erzählt sie. Weitere Bastel-Sets hat das Team im Rahmen einer Rallye für Familien mit Station in der Kinderkirche verteilt sowie in den katholischen Kindertagesstätten vorbeigebracht. Sie bekommen außerdem die zu den einzelnen Geschichten passenden Impulse für ihre religionspädagogische Arbeit, da Dürwiß für einige der Kitas etwas abseits läge. 
Gut 15 Figuren der Kinder sind, neben einigen wenigen besonderen, wie der Figur des Mose, die das Team selbst gestaltet hat, Teil der wechselnden Geschichten. Im Umlauf seien aber mindestens 50. „Nicht alle Figuren sind wieder zu uns zurückgekommen, weil die Kinder sie so schön fanden und nicht hergeben wollen, auch nicht als Leih-gabe“, erzählen Pastoralreferent Norbert Franzen und seine Kolleginnen mit einem Schmunzeln.

Die Bindung aufrecht erhalten

Sie freuen sich, dass das Angebot so gut angenommen wird und immer wieder Kindergruppen und Familien in der Kirche vorbeischauen, um zu sehen, ob es wieder ein neues Bild und eine Geschichte gibt. Die Pandemie mache es nicht leicht, die Bindung zu den Kindern und Familien aufrecht zu erhalten. „Das Angebot der Kinder- und Familienkirche war gut gestartet und dabei, sich zu etablieren. Und dann kam im vergangenen Jahr Corona“, berichtet Norbert Franzen.

Das habe zunächst zu einem Bruch geführt – und dann das Eschi-Team dazu gebracht, kreativ zu werden. Es ging dem Team nicht nur darum, das, was sich da langsam zu entwickeln begonnen hatte, nicht wieder komplett zu verlieren, sondern auch darum, den Familien gut durch diese schwierige und belastende Zeit zu helfen.

Das geschieht über die Geschichten, die sich rund um den kleinen Esel „Eschi“ ranken, in denen sich die Familien wiederfinden, und über Aktionen zum Mitmachen. 
Im Frühjahr hatte das Eschi-Team die Schöpfungsgeschichte aufgegriffen und die Kinder über die Kindertagesstätten und das Internet aufgefordert, dazu zu malen. Einige Bilder davon sind auch jetzt noch im Seitenschiff von St. Bonifatius, wo die Kinderkirche zu Hause ist, zu bewundern. An der anderen Wand hängen die Bilder der Eschweiler Kommunionkinder. Deren Vorbereitung ist seit diesem Jahr ebenfalls mit „Eschi“ verknüpft.