Mal ehrlich: Auch in der Natur ist es mit der Ruhe so eine Sache. Wenn Vögel ihr Lungenvolumen ausnutzen, kommen einige Dezibel zusammen. Aber anders als den Lärm der Großstadt, wird das Gezwitscher der gefiederten Sänger als erholsam empfunden. Auch die Ruhe in einer besonderen Klosteranlage oder einer Kirche ist Balsam für die Seele. Wir haben Menschen, die im Bistum Aachen leben oder mit ihm verbunden sind, gefragt, wo sie am liebsten hinreisen, wenn sie eine kleine Auszeit brauchen. Hier sind ihre Lieblingsorte.
Das Gebäude-Ensemble der früheren Klosteranlage Val Dieu in Aubel/ Belgien ist imposant. 1216 wurde das Kloster in der Provinz Lüttich von Zisterziensermönchen gegründet. Heute lebt und arbeitet hier eine Laiengemeinschaft. „Die Kirche ist sehr schön, um sich dort hinzusetzen und zu entspannen“, sagt Johannes Eschweiler, Vorstand des Heinsberger Sozialwerks Amos eG. Morgens finden Gebete statt, an denen auch die Besucher teilnehmen können. Neben der Erfrischung des Geistes hat die Abtei aber auch noch einiges mehr zu bieten. Eschweiler empfiehlt eine Führung durch das Kloster und die Brauerei, in der auch heute noch Biere gebraut werden. „Es ist auch möglich, eine Bierverkostung dabei zu machen“, sagt Eschweiler.
Johannes Eschweiler
Vor allem dunkle Biere werden in den Kesseln der Klosterbrauerei heute gebraut. Die Rezepte für die Sorten sind von denen der Mönchen, die hier einst lebten, inspiriert. In Val Dieu werden die einzigen Abteibiere Belgiens produziert, die in einem Kloster gebraut werden, in dem bis heute eine Gemeinschaft lebt.
Kulinarisches bietet das Kloster auch mit seiner Käse-Auswahl. In der Käserei Terre des fromages, einem Familienunternehmen im Herver Land, werden die klösterlichen Käse hergestellt. Im Klosterladen können die Besucher Sorten wie „Bouquet des Moines“ oder „Casse-Croute“ erwerben.
Ein besonderes Kleinod auf der Klosteranlage ist der historische Park, der im 19. Jahrhundert angelegt wurde. „Der ist sehr schön angelegt“, sagt Eschweiler. Ein Ort, um Ruhe zu erfahren und um aufzutanken. Der Park bietet einen Rundgang mit acht Stationen, von denen jede den Spaziergängern einen Impuls mit auf den Weg gibt.
Aber auch außerhalb der Klostermauern bietet die Gegend einiges. „Ein paar Höhenmeter oberhalb des Klosters liegt der Ort Aubel“, sagt Eschweiler. „Wunderschön für einen Tagesausflug.“ Auch die Soldatenfriedhöfe seien sehenswert. In Aubel ist der Sonntagsmarkt ein Besuchermagnet. Wer auf der Suche nach Spezialitäten aus dem Aubeler Land ist, wird hier garantiert fündig.
Von Aachen aus ist der Ort etwa 40 Autominuten entfernt. Die Strecke lässt sich auch per Radtour durch wunderschöne Landschaften zurücklegen. Zur Übernachtung bietet Aubel einige urige Hotels, die nahe am Kloster liegen.
Diese ehemalige Klosterkirche ist sowohl der geistige und kulturelle als auch geografische Mittelpunkt seiner Heimat, des Rheinisch-Bergischen Kreises. Er liegt zwar in der kleinsten Kommune des Kreises, in der Gemeinde Odenthal, seine Strahlkraft geht aber weit über die Grenzen des Bergischen Landes hinaus.
Anders, als das Wort Altenberger Dom vermuten lässt, handelt es sich nicht um die Kathedralkirche eines Bistums. Es gibt ganz sicher Kirchen, die noch größer und noch prächtiger ausgestattet sind, aber vielleicht ist es gerade die Kombination von großartiger Architektur und Schlichtheit im Inneren, die viele — auch Nichtchristen — in ihren Bann zieht. Das Besondere an diesem Haus Gottes? Der Dom wird seit 1857 simultan von der römisch-katholischen und der evangelischen Gemeinde als Pfarrkirche genutzt — und befindet sich im Eigentum des Landes NRW.
Der Altenberger Dom ist die ehemalige Klosterkirche der 1133 gegründeten Zisterzienser-Abtei Altenberg. Das unter dem Patrozinium St. Mariä Himmelfahrt stehende Bauwerk diente bis 1511 als bedeutende Grablege für die Grafen und Herzöge von Berg sowie die Herzöge von Jülich-Berg. Im Zuge der Säkularisation wurde die Abtei im Jahr 1803 aufgelöst.
Wolfgang Bosbach
Manchmal muss Peter Blättler raus, um den Kopf frei zu bekommen. Bewegung in der Natur ist für ihn das ideale Rezept dafür. Wenn es wieder so weit ist, zieht es den Propst der Münster-Basilika in Mönchengladbach in den Naturpark Schwalm-Nette. „Alle reden immer vom Hohen Venn, dabei haben wir hier mit dem Galgenvenn einen Premiumwanderweg direkt vor der Haustür“, sagt Blättler. Gerade jetzt im Frühjahr gibt es in dem Feuchtgebiet eine abwechslungsreiche Blütenvielfalt und viele Insekten zu beobachten.
Das Galgenvenn liegt sowohl auf deutschem als auch auf niederländischem Gebiet. So überschreitet der Wanderer auf seinem Weg die Grenze mehrmals. Gleich mehrere Naturschutzgebiete liegen im Galgenvenn. Dem Gebiet Heidemoore drohte die Austrocknung, bevor die Biologische Station Krickenbecker Seen und der Kreis Viersen das Gebiet wieder renaturierte. Heute wachsen hier wieder Feuchtheide- und Moorarten wie Sonnentau und Wollgras. An den entstandenen Gewässern leben Bergmolche, Zauneidechse und Moorfrösche. Auch für zahlreiche Libellenarten ist das Gebiet ein wahres Paradies.
Aber es gibt auch trockene Bereiche mit sandigen Böden. Auf ihnen wächst die Heide, die neben dem Moor dem Gebiet seinen Namen gibt. Mit etwas Glück können Wanderer hier Schafe und Moorschnucken beim Grasen beobachten.
„Das ist Entspannung pur und der Weg ist auch nicht langweilig“, sagt Blättler. Es empfiehlt sich, ein Fernglas mitzunehmen, um die zahlreichen Vogelarten zu beobachten, darunter auch seltene Exemplare wie Zwergtaucher und Graureiher, die hier einen optimalen Lebensraum gefunden haben. Neben Amphibien und Vögeln sind Tiere wie Dachse, Marder und Wildschweine hier zu Hause. „Man vermutet so etwas hier gar nicht“, sagt Blättler. Er genießt es, über das Jahr den Wechsel in der Natur zu erleben, wenn Blumen, Kräuter und Gräser sprießen. Beständige Begleiter dieser Touren sind die Mammutbäume, an denen schon unsere Vorfahren vorbeigegangen sind.
Neben dem Naturerlebnis bietet das Galgenvenn Textil-Historie: Die Flachskuhlen, in denen die Fasern für das Leinengarn gewonnen wurden, sind noch zu sehen.
Peter Blättler