Erfüllter

Sein 70-jähriges Weihejubiläum feiert der 100-jährige Priester Michael Schmitz in diesem Jahr

Pfarrer Michael Schmitz (c) Thomas Hohenschue
Pfarrer Michael Schmitz
23. Jun 2020
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 26/2020

Zurückgezogen, aber zufrieden verbringt der Priester Michael Schmitz seinen Lebensabend im malerischen Ort Willerscheid, bei Bad Münstereifel. Wenn der 100-Jährige einen schönen Nachmittag auf seiner Terrasse verbringt, um ihn herum das Leben von Familien mit Kindern, das Auto in der Nähe, dann stimmt einfach alles.

Bis heute pflegt der Geistliche, den viele im Bistum Aachen aus seinen mehr als 40 Pfarrerjahren im alten und neuen Garzweiler kennen, das Stundengebet und feiert Gottesdienst am Hausaltar. Post vom Papst hat er bekommen, einmal zu seinem 100. Geburtstag, das war letztes Jahr, und nun aus Anlass seines nahenden Weihejubiläums. Am 25. Juli ist es soweit, dann feiert Michael Schmitz, dass er bereits seit 70 Jahren Priester ist. Eine heilige Messe im Dom  ist ins Auge gefasst.

Ob er zu diesem Ehrentag höchstselbst am Steuer sitzt, um die idyllische Strecke bis nach Aachen zu bewältigen, wird man sehen. Aber dass er es theoretisch könnte, war für ihn der Grund, in die Vulkaneifel zu ziehen statt ins heimische Herresbach in Ostbelgien. Im Nachbarland werden Autofahrer im vorgerückten Alter nicht mehr versichert. Diese Freiheit wollte sich Michael Schmitz nicht nehmen lassen.

Das ist eine typische Episode aus dem langen Leben des Geistlichen. Er wusste immer, was er wollte. Zum Beispiel als Elfjähriger, dass er den Priesterberuf ergreifen wollte. Dafür ging er zum Internat in Steyl und begann das Theologiestudium in St. Augustin. 

 

Herzenswunsch Missionar

Als gebürtiger Belgier, der in den Niederlanden Abitur gemacht hatte, wurde er 1942 von den Deutschen zum Kriegsdienst eingezogen. Er hatte das Glück, im Sanitätsdienst eingesetzt zu werden. Aber bis heute erinnert er sich an die Angst, als er mitten in einem Gefecht von einem Panzer zu einen anderen rennen musste, um Verwundete zu versorgen. Beim Krieg im Kaukasus zog er sich eine Malariaerkrankung zu, deren gesundheitliche Folgen ihm später einen Herzenswunsch unmöglich machten: den Traum, als Missionar tätig zu werden.

 

Don Camillo von Garzweiler 

Priester wollte der junge Michael Schmitz, der in den Niederlanden zu Ende studierte, trotzdem weiter werden. In Belgien blieben ihm die Türen versperrt, weil er als deutscher Soldat gedient hatte. So folgte er der Empfehlung, sich beim Bistum Aachen zu bewerben. Bischof van der Velden stimmte dem nach einem launischen Wortwechsel zu. Er hatte den Kandidaten gefragt, ob er mit ihm eine Zigarre rauchen wolle. Schmitz sagte nein. Dann sagte der Bischof: Dann wird das nichts. Schmitz erwiderte: Dann muss ich mir einen anderen Bischof suchen. Nach kurzer Bedenkzeit sagte van der Velden: Gut, Sie können bei uns anfangen.

Es sind Situationen wie diese, die dem späteren Pfarrer Michael Schmitz den Spitznamen „Don Camillo“ verpasst haben, natürlich mit dem Gegenstück „Peppone“, dem Bürgermeister Peter Giesen. Sie haben manchen Strauß miteinander ausgefochten, aber auch gemeinsam viel bewegt für die Garzweiler Bevölkerung. Etwa in der Hälfte seines Wirkens in der Gemeinde erfolgte die Umsiedlung und Michael Schmitz hat sich sehr dafür eingesetzt, die Gemeinschaft und ihr Glaubensleben in diesem Umbruch zu erhalten und zu pflegen.

Was aus dieser Zeit bleibt, sind liebevolle, dankbare Erinnerungen. Michael Schmitz ist das, was man einen erfüllten Menschen nennt. Er hat mit jedem seiner Lebensabschnitte seinen Frieden gemacht. Mit Leib und Seele ist er dem Ruf Gottes Zeit seines Lebens gefolgt. Nun sehnt er sich dem 25. Juli entgegen.