„Er war einfach ein wunderbarer Mensch“

Gedenktafel für Reliquienretter Urban Thelen enthüllt

Einweihung der  Urban-Thelen-Plakette vor dem Geburtshaus in Kreuzau-Winden. (c) Ursula Weyermann
Einweihung der Urban-Thelen-Plakette vor dem Geburtshaus in Kreuzau-Winden.
10. Sep 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 37/2019 |Ursula Weyermann

St. Urbanus nennt sich die Kirche in Winden. Der Name Urbanus spielt für den Kreuzauer Ortsteil aber auch noch an anderer Stelle eine große Rolle. So wird dem Windener „Sohn“ Urbanus Thelen jetzt ein Denkmal gesetzt. Eine Gedenktafel in Nähe der Windener Grundschule und in Blickweite zu seinem Elternhaus soll nun an den ehemaligen Küster, Organisten, Chorleiter und vor allem Retter der Reliquien des heiligen Adalbert in Gnesen (Polen) erinnern.

Zum Hintergrund in aller Kürze: Als Feldwebel im polnischen Hohensalza eingesetzt, lernt Urban Thelen 1941 den dortigen Pfarrer kennen, der sich um seine „Schäfchen“ und die Kirchenschätze sorgt. Und so sammelt der gläubige Katholik Thelen liturgische Gefäße auch in benachbarten Kirchen, versorgt Not leidende Familien mit Nahrung, fälscht Papiere, um einen jungen Priester vor der Zwangsarbeit zu retten, und rettet schließlich die Gnesener Reliquie, die Gebeine des heiligen Adalbert, indem er den Schrein kurzerhand in Packpapier wickelt und mitnimmt. Und das alles unter Einsatz seines Lebens. Denn: Wäre er erwischt worden, hätte das Inhaftierung und KZ bedeutet. Später soll sich herausstellen, dass die Gestapo den Windener unter Beobachtung hat. Vielleicht hat er ja unter dem besonderen Schutz des heiligen Adalbert gestanden, dessen Gebeine nach den Kriegswirren unversehrt an ihren ursprünglichen Platz zurückgelangen?

Zur feierlichen Enthüllung und Segnung der Gedenktafel sind Pfarrer Walter Hütten, Vertreter der Gemeinde, des Kreises, der Sanplast-Hoesch-Werke als Stifter der Tafel gekommen. Aber auch viele Menschen aus Winden und den angrenzenden Ortschaften kamen, die sich noch gut und gerne an Urban Thelen erinnern. So auch Elfriede Leyens und Tochter Monika aus Untermaubach: „Urban Thelen war von 1957 bis 1978 Küster und Organist in unserem Ort. Wir haben uns oft mit ihm unterhalten. Er war einfach ein wunderbarer Mensch.“

Landrat Wolfgang Spelthahn erinnert an den 80. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges, erwähnt die Entschuldigung des Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier bei der polnischen Bevölkerung und schlägt einen Bogen zu Urban Thelen: Wo viel Grauen sei, da sei auch immer ein kleines Zeichen der Hoffnung. „Und Urban Thelen hat uns Hoffnung gegeben. Zivilcourage ist ein wertvolles Gut.“ Der Windener Katholik ist vor elf Jahren 93-jährig verstorben. Über seinen Tod hinaus spielt er auch in Polen noch eine wichtige Rolle. „Für uns aus Polen“, so Wieslaw Podraza von Sanplast Hoesch, „steht Urban Thelen dafür, dass Menschen in schlimmen Zeiten auch Menschen bleiben können. Er darf nicht vergessen werden.“