Energie neu denken

„Jetzt loslegen, wo es möglich ist“, ermuntert Marie Vickus, Referentin für Klima- und Umweltschutz. Das gilt auch für das Bistum Aachen, dessen Gebäudemanagement bis 2040 klimaneutral sein soll

Jetzt anpacken: 80 bis 90 Prozent der kirchlichen Emissionen kommen aus dem Bereich Gebäude – hier lässt sich viel Energie einsparen. (c) Bill Mead/unsplash.com
Jetzt anpacken: 80 bis 90 Prozent der kirchlichen Emissionen kommen aus dem Bereich Gebäude – hier lässt sich viel Energie einsparen.
Datum:
25. Juli 2023
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 30/2023

Das selbstgesetzte Ziel ist klar: Bis 2040 soll das Gebäudemanagement im Bistum Aachen klimaneutral gestaltet sein. So steht es im Synodalkreis-Beschluss. Konsequent im Blick hat dieses Ziel Marie Vickus, die Referentin für Klima- und Umweltschutz des Bistums Aachen. Das heißt vor allen Dingen: die Kirchengemeinden dabei zu unterstützen, dieses ambitionierte Ziel zu erreichen. 

Nachhaltigkeit hat viele Facetten: Von Photovoltaikanlagen ... (c) Eugen Moeris
Nachhaltigkeit hat viele Facetten: Von Photovoltaikanlagen ...

„80 bis 90 Prozent der kirchlichen Emissionen kommen aus dem Bereich der Gebäude“, sagt Marie Vickus. Deshalb setzt ihre Arbeit gezielt dort an – zentral im Bistum als auch in den Kirchengemeinden. Eine Aufgabe, die der gelernten Landschaftsökologin sehr viel bedeutet. Ihre Hoffnung ist, dass das Thema vor Ort noch stärker Berücksichtigung findet und noch mehr ins Bewusstsein aller rückt. Denn, so betont Marie Vickus: „Es ist immer noch Luft nach oben!“

Der Klimaschutz und die Bewahrung der Schöpfung sind zentrale Anliegen des Bistums Aachen. Das Engagement in diesem Bereich ist wesentlich für zukunftsfähige Kirchengemeinden, für nachhaltige Orte des Glaubens. Und der Blick auf den Umweltschutz und die Schonung natürlicher Ressourcen ist auch unerlässlich für eine gute und funktionierende Gemeinschaft. „Wenn wir nicht handeln, werden die Bedingungen für Menschen, die stark vom Klimawandel betroffen sind, aber nicht selbst die Möglichkeit haben, etwas daran zu tun, schlimmer“, betont die 34-Jährige. Der Klimawandel führt zu immer häufigeren Wetterextremen: extreme Hitze, lange Dürreperioden und andere Auswirkungen – etwa starker Regen, der zu Überflutungen führt – sind auch in Deutschland und, wie die Hochwasserkatastrophe 2021 gezeigt hat, auch im Bistum Aachen zu spüren. „Gerade deswegen müssen wir etwas tun, damit die Auswirkungen nicht noch extremer werden, und damit unseren Teil zum Klimaschutz beitragen“, betont Marie Vickus. Zumal Klimaschutz und Nachhaltigkeit in Sachen Gebäudemanagement auch hilft, Kostensteigerungen – etwa für Heizungen – vorzubeugen.

Wie lässt sich Energie sparen?

... bis hin zu Modellen der gemeinschaftlichen Ressourcennutzung (c) Stefan Rehahn
... bis hin zu Modellen der gemeinschaftlichen Ressourcennutzung

Apropos Energie- und Heizkosten: Mit Blick auf die gestiegenen Preise hatten und haben kirchliche Einrichtungen und Kirchengemeinden einen hohen Beratungsbedarf. Der Tipp der Expertin: „Der erste Schritt ist immer, auf den eigenen Energieverbrauch zu schauen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo man eigentlich steht.“ Wie viel wird verbraucht? Wie kann Energie eingespart werden? Diese Beobachtungen sind Grundlage für die weiteren Beratungen und die Unterstützung des Energiemanagements. Gemeinsam wird überlegt, wo gespart werden könnte. Und wie kann die Energie, die trotzdem noch gebraucht wird, über erneuerbare Energien abgedeckt werden?

Die Senkung des Energieverbrauchs und die Erschließung neuer Quellen ist dabei die größte Herausforderung. Auch dabei unterstützt das Energiemanagement des Bistums Aachen. Oftmals sind bauliche Maßnahmen geeignet, um eine gute Versorgung zu gewährleisten und weiter steigenden Energiekosten vorzubeugen. „Jetzt das zu nutzen, was möglich ist, ist deutlich günstiger, als abzuwarten, nichts zu tun und nachher hohe Preise zu zahlen. Lieber jetzt die Chance ergreifen und Maßnahmen, die ohnehin anstehen, richtig machen. Dadurch spart man langfristig. Zum Beispiel ist bei einer Fassadensanierung eine dickere Dämmung teurer, spart aber sofort Energie und ist günstiger, als in ein paar Jahren eine weitere Dämmung zu ergänzen. Oder sich jetzt schon mal mit einer neuen Heizung beschäftigen, bevor die alte Anlage komplett ausfällt und schnell etwas Neues her muss“, erklärt Marie Vickus. Bei all dem gilt der Grundsatz: Jede bauliche Maßnahme, die jetzt umgesetzt wird, muss das Gebäude fit für die Zukunft machen und diesem Standard entsprechen. Sollen die Gebäude im Bistum Aachen 2040 klimaneutral sein, muss dies zum Beispiel bei einer Dachsanierung jetzt schon mitgedacht werden.

Diese Fördermöglichkeiten gibt es

Ein erster Schritt für die Kirchengemeinden könnte eine geförderte Energieberatung durch qualifizierte und zertifizierte Energieberater sein, die sowohl Wohngebäude als auch Nicht- Wohngebäude wie Pfarrheime oder Kindertagesstätten vor Ort anschauen, schlägt Marie Vickus vor. Sie geben Empfehlungen, auf welchen Standard ein Gebäude gebracht werden kann und welche Schritte dazu nötig wären. Die Kirchenvorstände überlegen und entscheiden dann, welche Maßnahmen sie umsetzen wollen. Marie Vickus und die Bauabteilung des Bistums stehen dabei beratend zu Seite. Auch wenn es darum geht, etwas aus dem mit 1 Million Euro ausgestatteten Energiefonds des Bistums Aachen für pastoral genutzte Gebäude zu beantragen oder zu ermitteln, welche Mittel beim Bund, beim Land oder bei lokalen Förderprogrammen vorhanden sind.

Außerdem hat das Bistum Aachen ein Zusatzprogramm aufgelegt: Insgesamt ist für die Förderung in den geplanten rund 50 Pastoralen Räumen ein Budget in Höhe von 25 Millionen Euro vorgesehen. Das Förderprogramm für Pfarrheime und Gemeindezentren sieht eine Förderquote von 80 Prozent vor. Voraussetzung für eine Förderung ist, dass die Gemeinde das Gebäude auch langfristig als wichtig für das kirchliche Leben vor Ort erachtet. Ist dies der Fall, muss ein Konzept vorgelegt werden, das die Förderung begründet.

Jedes Engagement ist wichtig

Macht Mut, einfach loszulegen: Marie Vickus berät Einrichtungen und Kirchengemeinden in Sachen Nachhaltigkeit. (c) Bistum Aachen / Andreas Steindl
Macht Mut, einfach loszulegen: Marie Vickus berät Einrichtungen und Kirchengemeinden in Sachen Nachhaltigkeit.

„Wenn Sie vor Ort etwas für Klimaschutz, Biodiversität oder Nachhaltigkeit in Ihrer Kirchengemeinde machen möchten und Menschen finden, denen das auch wichtig ist und die Lust haben, das mit Ihnen gemeinsam zu machen, sollten Sie es anpacken! Es gibt neben den Bauthemen bereits unheimlich viele gute Ideen in den Kirchengemeinden von Blühwiesen und Nisthilfen über Urban Gardening und vieles mehr“, ermuntert Marie Vickus. Auch wenn der Schwerpunkt ihrer Arbeit auf baulichen Maßnahmen liegt, kann darüber hinaus alles, was an Ideen im Raum ist, mit ihr besprochen werden. Und wenn die Motivation vorhanden ist, etwas im Bereich Klimaschutz oder Nachhaltigkeit zu initiieren, aber die Ideen fehlen, ist Marie Vickus auch ansprechbar. 

Kontakt
Marie Vickus, Referentin für Klima- und Umweltschutz, ist erreichbar unter Telefon 02 41/45 23 43 oder per Mail marie.vickus@bistum-aachen.de. 
Weitere Informationen: www.energiemanagement-bistum-aachen.de