Einen guten Schutzengel zu haben, das ist ein frommer Wunsch. Dem behütenden göttlichen Wesen ist ein eigener Gedenktag gewidmet. Die Kirche feiert am 2. Oktober das Schutzengel-Fest. Pfarrer Hans Russmann, Moderator der Gemeinde Heilige Schutzengel in Krefeld-Oppum, nähert sich im Interview mit Dorothée Schenk dem Thema an.
Der Schutzengel ist ja ein bisschen aus der Mode gekommen. Ist das so?
Engel haben ja eigentlich wieder Konjunktur. Gerade im esoterischen Bereich. Es gibt viele, die sich wieder mit Engeln beschäftigen. Jeder hat so seinen persönlichen. Man darf aber nicht zu naiv vom Schutzengel sprechen. Hat etwa der keinen Schutzengel, der verunglückt? Hat der Schutzengel da nicht aufgepasst? Man kennt ja die Werbung, die den Schutzengel instrumentalisiert. Der Schutzengel ist zu verstehen als die zugewandte Seite Gottes. Die Frage nach Engeln ist immer die Sehnsucht der Menschen nach Gotteserfahrung, von der Nähe Gottes, von Geborgenheit, die man spüren möchte.
… auch ein wenig die nach der Personifizierung Gottes?
Ja, in dem Sinne, dass sie Nähe ausdrückt. Das gilt schon biblisch: Maria begegnet dem Engel Gabriel in der Verkündigung. Da ist auch immer ein Erschrecken mit der Begegnung mit dem göttlichen Wesen verbunden. Aber die Aussage heißt immer: Fürchte Dich nicht! Der Engel nimmt auch die Furcht. Es macht das Abstrakte konkreter? Engel stehen für die personalisierte Zuwendung. Es gibt ja viele biblische Geschichten, in denen der Engel an Wendepunkten erscheint, beispielsweise bei Elia im Alten Testament. Elia, der am Ende seiner Kräfte ist, und der Engel, der ihn berührt und sagt: „Steh auf …“ Engel sind wie Einfälle Gottes ins Leben.
Haben Sie einen persönlichen Schutzengel?
Nicht direkt. Aber es gibt ein Bild in der Schutzengel-Kirche, das mir gefällt. Man würde es vielleicht als ein bisschen kitschig bezeichnen. Es ist das „Engelständchen“. Silvester 1944 ist die Kirche bei einem Bombenangriff zerstört worden. Pfarrer Michels hat, ehe der Angriff kam, den Gottesdienst nach der Wandlung abgebrochen und die Menschen nach Hause geschickt. Eine Russin ist in der Kirche geblieben und ist ums Leben gekommen. Aber die Katastrophe wäre wesentlich größer geworden, wenn er sie nicht nach Hause geschickt hätte. Dabei ist der Schutzengel-Altar zerstört worden. Aber das Bild „Engelständchen“ ist unter dem Schutt der zerstörten Kirche begraben worden und wurde von jemandem aufbewahrt. Inzwischen hängt es – völlig zerknittert – wieder in der Kirche. Man hat es nicht restauriert, sondern wie ein Mahnmal erhalten. So glatt ist das mit dem Engel eben nicht. Das Geführtwerden durch die Katastrophen oder auch die Sehnsucht nach Gottes Nähe in den Katastrophen ist für mich ein wichtiger Punkt. Ein Engel ist ein bisschen wie ein Segen. Es wäre fatal zu sagen: Ich gebe meine Verantwortung ab, der Engel passt schon auf mich auf. „Die Schutzengler“, so nennen sich die, die zur Gemeinde gehören, haben für sich im Bewusstsein, die Schutzengelfunktion auch als Kirche wahrzunehmen. Otto Wiemer hat mal gesagt: „Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.“ Manchmal haben sie ein sehr menschliches Antlitz. Noch einmal: Es ist die Erkenntnis: Wir sind als Menschen nicht herausgehoben aus der Verantwortung. Ob nicht die Menschen in den Booten auf dem Mittelmeer, die Flüchtende vor dem Ertrinken retten, heute moderne Engel sind?
Gibt es ein Patronatsfest?
Wir feiern das Patronatsfest mit einem Kinder- und Familiengottesdienst am Sonntag, 7. Oktober. Anschließend gibt es noch einen Umtrunk.