»Eine ökumenische Tauffeier hat bisher noch gefehlt«

Das Sakrament der Taufe als verbindendes Element

Peter Blättler ist Propst der Münster-Basilika in Mönchengladbach,  Stephan Dedring ist Pfarrer an der evangelischen Hauptkirche in Rheydt. (c) Garnet Manecke
Peter Blättler ist Propst der Münster-Basilika in Mönchengladbach, Stephan Dedring ist Pfarrer an der evangelischen Hauptkirche in Rheydt.
Datum:
5. Juni 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 12/2026 | Garnet Manecke

Am Samstag, 13. Juni, wird am Geroweiher in Mönchengladbach zum zweiten Mal ein Ökumenisches Tauffest gefeiert. Peter Blättler und sein evangelischer Kollege Stephan Dedring sprechen über die Bedeutung der Ökumene für die Gesellschaft und warum Christen Brückenbauer sein sollten.

Kirchenzeitung: Welche Erkenntnis haben Sie aus der Premiere vor zwei Jahren mitgenommen?

Peter Blättler: Wie viel Ähnlichkeit es bei den Taufen in der katholischen und der evangelischen Kirche gibt, aber auch wie viele Unähnlichkeiten. Wir haben zwar katholisch oder evangelisch getauft, aber sowohl die Taufspender als auch die Tauffamilien haben bei den anderen geschaut, wie die das machen. Die Pfarrer haben auch einander assistiert. Das war sehr reizvoll zu sehen. Es gab eine große Nähe zwischen den Kirchen. Ich glaube, dass es die konfessionsverbindenden Tauffamilien begeistert hat.

Stephan Dedring: Ich habe zwei Erkenntnisse: Dass die Vereinbarungen der Kirchen mit der Magdeburger Erklärung, die Taufen gegenseitig anzuerkennen, eine theologisch tragfähige Basis ist. Wir können die Tauffeiern gemeinsam machen, weil klar ist: Wenn Du taufst, ist das für uns gültig. Die andere Erkenntnis ist, dass wir in den Kasualien eine größere Bandbreite brauchen. Wir brauchen über die traditionellen kirchlichen Feiern auch Formen, mit denen wir anders auf die Leute zugehen. Konfessionsverbindende Familien wollen sich oft nicht für eine Kirche entscheiden, Alleinerziehende wollen bei solchen Gelegenheiten nicht allein vorne stehen. Bestimmte Menschen, suchen den Segen Gottes, aber nicht nur in dem klassischen Setting.

Blättler: Eine Ökumenische Tauffeier hat bisher noch gefehlt. Dass wir das machen, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. 

Beim ersten Ökumenischen Tauffest 2024 haben Katholiken und Protestanten zusammen gefeiert. (c) Bistum Aachen/Andreas Steindl
Beim ersten Ökumenischen Tauffest 2024 haben Katholiken und Protestanten zusammen gefeiert.

Gab es Rückmeldungen von Tauffamilien, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben sind?

Blättler: Ein achtjähriger Junge aus Eicken, dessen Familie sonst gar nicht in die Kirche geht, hat sich nach der Taufe gewünscht, dass er eine Münsterführung mitmachen darf. Die sind nochmal hier gewesen.

Dedring: Ich habe für das Tauffest in diesem Jahr eine interessante Familie. Die Mutter mit ihrer fünfjährigen Tochter ist katholisch. Ihr neuer Lebenspartner kommt aus Nigeria, die beiden haben ein gemeinsames Kind im Alter von eineinhalb Jahren. In wenigen Tagen erwarten sie das zweite gemeinsame Kind. Der Vater will evangelisch getauft werden und sie wollen die beiden jüngeren Kinder auch taufen lassen. Das ist eine wunderbare, bunte Geschichte. Diese Familie hat gesagt: Das Tauffest ist genau das Richtige für uns.


Wie haben Sie die Atmosphäre unter freiem Himmel erlebt?

Blättler: Ich habe schon eine andere Atmosphäre als in der Kirche gespürt. Am Geroweiher unter freiem Himmel: Das war anders. Nicht nur ein Event, sondern es hatte eine geistliche Atmosphäre, die auch sinnstiftend war.

Dedring: Sie sprechen ein grundsätzliches Problem an: Wer hat das Sagen bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen? In der Kirche verbieten oder genehmigen die Pfarrer dann, was die Leute wünschen. Ich sehe das anders. Die Leute kommen mit einem Segenswunsch, mit dem Wunsch nach einem Sakrament. Wir sind geistliche Helfer, die mit den Familien eine schöne Feier gestalten. Draußen unter freiem Himmel sind wir ganz nah an den Menschen, ohne dass es an theologischer Tiefe verliert. Unter Gottes Himmel ist etwas spürbar, dass wir als Menschen eben nicht aus eigener Kraft möglich sind, sondern dankbar angewiesen sind auf die Begleitung und Zuwendung durch Gott. Das hat eine eigene Spiritualität.


An welchen Stellen haben Sie beim ersten Tauffest bemerkt, dass es etwas Verbindendes oder etwas Trennendes gibt?

Beide: Es gibt nichts Trennendes.

Blättler: Der Kern der Taufe ist ja gleich. Wir haben in der katholischen Kirche drei Zeichen, die nicht vorgeschrieben sind, die wir aber traditionell machen: die Chrisam-Salbung, das Taufkleid und die Taufkerze, die an der Osterkerze entzündet wird. Die sind alle drei emotional und kirchenhistorisch. Die katholische Kirche könnte das auch weglassen, denn die Chrisam-Salbung ist eine Art Vorgeschmack auf die Firmung.

Dedring: Wir haben auch Taufkleider und Taufkerzen. In der evangelischen Kirche gibt es dazu noch den Taufspruch.

Blättler: Dank Internet gibt es den bei uns jetzt auch.

Dedring: Ich glaube, wir haben auch noch viel Potenzial, mit unterschiedlichen Gebräuchen und Traditionen zusammenzukommen. Theologisch gibt es keine fundamentalen Unterschiede.

In Mönchengladbach ist die Ökumene sehr selbstverständlich. (c) Bistum Aachen/Andreas Steindl
In Mönchengladbach ist die Ökumene sehr selbstverständlich.

Wo steht Ihrer Meinung nach die Ökumene in Mönchengladbach?

Dedring: Im Bistum Aachen sind wir vermutlich ganz weit vorneweg. Ich habe mit dem Bischof gesprochen und der wunderte sich immer, dass das bei uns so selbstverständlich ist, dass wir viel zusammen machen. Als er bei mir war, hat er immer wieder nachgefragt: Ist das wahr, machen Sie das so? Aber inzwischen hat er es akzeptiert.

Blättler: In Mönchengladbach ist die Ökumene sehr selbstverständlich. Aber auch Markus Bruns macht in Heinsberg viel in der Ökumene, und in Aachen gibt es eine tolle Ökumene. In Krefeld-Uerdingen gibt es schon die gemeinsame Kirchennutzung. Da wollen wir auch hinkommen. Wir hatten im Bistum Aachen das Glück, dass wir mit Klaus Hemmerle und Heinrich Mussinghoff Bischöfe hatten, die in ihrer jeweiligen Zeit immer an die Grenzen dessen gegangen sind, was ökumenisch möglich war.

Welche gemeinsamen Projekte gibt es bereits, die über das Tauffest hinausgehen?

Dedring: Ganz wunderbar ist die regelmäßige ökumenische Denkfabrik. Wir überlegen, welches theologische Thema wir behandeln können und laden alle Kolleginnen und Kollegen dazu ein, mit uns an einem Studientag auch theologisch miteinander ins Gespräch zu kommen und sich weiterzuentwickeln. Was können wir zusammen machen, wenn zukünftig Gebäude schließen und wir weniger Personal haben? Das bietet auch theologisch andere Chancen. Dabei mit guten Referenten ins Gespräch zu kommen, finde ich immer ausgesprochen anregend.

Blättler: Wir haben viele ökumenische Formate: Auf der Stadtebene das ökumenische Frühstück mit dem Superintendenten und dem Regionalvikar, die wechselweise einladen. Aber auch in den Pastoralen Räumen gibt es den Austausch. Hier in Gladbach gibt es den Ökumene-Ausschuss, den Albert Damblon und Wolfgang Hess mit der Ökumenischen Erklärung 2012 auf die Beine gestellt haben. 2017 haben wir die Ökumenische Erklärung nochmal ratifiziert und mit St. Benedikt in Holt eine weitere Gemeinde mit reingenommen. Auf Gladbach-Ebene feiern wir mit der Friedenskirchengemeinde und der Christuskirchengemeinde jedes Jahr das Reformationsfest.

Dedring: Es gibt da eine Selbstverständlichkeit bei Einladungen für gemeinsame Veranstaltungen.

Blättler: Das gilt auch für die Kirchenmusik: Wir haben eine kirchenmusikalische Brücke zwischen der evangelischen Hauptkirche in Rheydt und dem Münster.

Dedring: Eigentlich ist die Situation der Kirche in der Gesellschaft in Gladbach-Stadtmitte und Rheydt-Mitte viel ähnlicher als die Situation der wohlhabenden Außenbezirke. Das heißt, auch da überlegen wir, wie wir mit den Menschen überhaupt ins Gespräch über das Evangelium kommen. Da kooperieren wir, indem wir zum Beispiel ökumenisch an den interreligiösen Konferenzen teilnehmen. Wie können wir als Christengemeinschaft unsere Erfahrungen nutzen für das Gespräch mit anderen Religionen? Auch da treten wir regelmäßig gemeinsam auf.

Blättler: Ehrlicherweise muss man sagen, dass da im Moment der Motor stottert. Wir merken, dass die Konflikte im Nahen Osten, Israel und Palästina auch auf das Verhältnis der Muslime untereinander wirken. Was den interreligiösen Dialog angeht, merken wir sehr deutlich, wie sich die Unterschiede zwischen Juden und Muslime aktuell verschärfen. Da sind wir als Christen manchmal eine Art Brücke für die anderen.

Dedring: Aber ich kenne das gar nicht anders. Bei Krisen war es immer schwierig, und man muss immer dranbleiben. Aber wenn wir es machen, dann machen wir es ökumenisch. Das geht gar nicht anders.


Gibt es etwas, das Sie beim zweiten Tauffest anders machen werden als vor zwei Jahren?

Dedring: Wir haben einen Kinderchor eingeladen. Den hatten wir vor zwei Jahren nicht. Unsere Verantwortlichen der Kirchenmusik wurden gefragt, ob sie Kinder haben, die mitsingen können. Die Kinderchor-Gemeinschaft wird sich zusammenschließen. Das ist auch eine ökumenische Aktion.

Blättler: Es gibt Nuancen, in denen wir Dinge anders machen. Aber im Kern sind wir dabei, das zu etablieren.

Anmeldung zum Tauffest unter www.tauffest-mg.de