Ein ungewöhnliches Buch

(c) Claassen-Verlag
Datum:
17. Juni 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 13/2026 | Alexander Schüller

Robert Seethalers neues Buch ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Es trägt zwar den Untertitel „Roman“, aber mit einem klassischen Roman teilt es nur den Anspruch, die Totalität einer Welt abzubilden. 

Diese Welt ist die Heidestraße. Sie liegt nicht im Zentrum, sondern am Rand einer Stadt – und wird von Menschen bewohnt, die selbst an den Rand gedrängt zu werden drohen. Aus ihren Perspektiven setzt sich Seethalers Roman zusammen. Zwischen den verschiedenen Stimmen springt der Roman wild hin und her, sodass man oft nicht weiß, wer gerade spricht – und auch nicht, wie die Person aussieht. Sich all das vorzustellen, die ganze Straße – das verlangt Seethaler seinen Leserinnen und Lesern ab. Sie werden zu Architekten, die die Straße vor ihrem geistigen Auge erschaffen, indem sie die Leerstellen in und zwischen den Abschnitten füllen. Wer sich auf das literarische Experiment eines arrivierten Autors einlassen möchte, das gleichzeitig vom gewohnten Vorzug seiner luziden Prosa lebt, der greife zum neuen Seethaler.

Robert Seethaler: Die Straße. Roman. 230 S., 13,5 x 2,5 x 21 cm, Claassen-Verlag 2026, Preis: 25,00 €