Ein klingendes Schmuckstück

Rettung der Orgel ist Leuchtturmprojekt innerhalb des Bistums

Die Orgel in der Kirche Heilig Kreuz in Hasselsweiler ist ein wahres Schmuckstück. (c) Stephan Johnen
Die Orgel in der Kirche Heilig Kreuz in Hasselsweiler ist ein wahres Schmuckstück.
Datum:
19. Mai 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 11/2026 | Stephan Johnen

Zu Beginn ein paar Superlative: „Diese Art von Orgel ist ein Leuchtturmprojekt innerhalb des Bistums. Die historische Qualität ist außergewöhnlich“, beschreibt Bernd Godemann, Orgelsachverständiger des Bistums Aachen, die Orgel der Kirche Heilig Kreuz in Titz-Hasselsweiler. 

Die Ursprünge des Instruments werden auf die Zeit zwischen 1771 und 1789 datiert, der Prospekt hat mehrere stürmische Zeiten fast unverändert überlebt. „Es ist etwas Besonderes, in einem kleinen Ort ein solches Projekt zu stemmen“, zollt Kirchenmusikreferent Professor Michael Hoppe allen Beteiligten Respekt; schließlich summierten sich die Kosten auf rund eine halbe Million Euro. Es sei gelungen, die barocke Orgel aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken. „Hasselsweiler ist für mich ein Idealbeispiel einer gelungenen Rettung“, fügt Thomas Offergeld hinzu, der als verantwortlicher Kirchenmusiker 24 Pfarren betreut und seit 38 Jahren viele Orgeln und Menschen kennengelernt hat. „Auf diesem Instrument zu spielen ist noch einmal etwas ganz anderes“, sagt er.

Thomas Offergeld, verantwortlicher Kirchenmusiker im Pastoralen Raum, und Dr. Hiltrud Liedgens (Verein Heilig Kreuz Hasselsweiler) wollen eine Orgel-Reihe etablieren. Bernd Godemann freut sich, dass die Orgel aus dem Dornröschenschlaf geweckt wurde. (c) Stephan Johnen
Thomas Offergeld, verantwortlicher Kirchenmusiker im Pastoralen Raum, und Dr. Hiltrud Liedgens (Verein Heilig Kreuz Hasselsweiler) wollen eine Orgel-Reihe etablieren. Bernd Godemann freut sich, dass die Orgel aus dem Dornröschenschlaf geweckt wurde.

Die Restaurierung – oder Rettung – der Orgel war nicht ganz leicht. Vor einigen Jahren noch stand das Instrument, dessen „Innenleben“ in den vergangenen Epochen mehrfach verändert und überholt wurde, vor dem technischen K.O. Die Mängelliste war lang: Pfeifenwerk, Windanlage, Elektrik (brandgefährlich!) hatten schon bessere Zeiten gesehen und das historische Orgelgehäuse hatte ebenfalls viele Schwachstellen. Was tun? Angesichts der Bedeutung des herausragenden Instruments wurde die umfangreiche Restauration trotz aller Herausforderungen in Angriff genommen. „Die Entscheidung war klar: Dann machen wir es auch richtig!“, blickt Michael Hoppe zurück.

Die Orgelbauer der niederländischen Firma Verschueren haben im existierenden Gehäuse nahezu eine neue Orgel gebaut. Alle mechanischen Teile wurden erneuert, die historischen Pfeifen anders arrangiert und ergänzt, das Orgelinnere neu konzipiert, um sich klanglich an den rheinischen Orgelbau der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts anzulehnen, andererseits aber eine Korrespondenz zum spätbarocken Gehäuse zu suchen. Diplom-Restauratorin Diana Grass hat mit ihrem Team zwei Monate lang das barocke Orgelgehäuse komplett restauriert und die Holzkonstruktion konserviert, damit diese auch weiterhin eine tragende Rolle spielen kann. Aus statischen sowie finanziellen Gründen konnte das Orgelgehäuse nicht wieder in die Balustrade eingesetzt werden.

 

Mit der restaurierten Orgel ist in der Kirche Heilig Kreuz ein Resonanzraum entstanden, in dem dieses historische Instrument wieder in seiner ursprünglichen Schönheit den Gesang begleitet und in Konzerten erklingt“, sagt Dr. Hiltrud Liedgens, Vorsitzende des Vereins „Heilig Kreuz Hasselsweiler“. Dieser Verein wurde gegründet, um das Gemeindeleben rund um die Kirche zu erhalten, sich um die Kunstschätze zu kümmern, erfolgreich Spendenakquise zu betreiben und Musik und Kultur in der Kirche zu fördern. Zuschüsse für die umfangreiche Restaurierung gab es aus Denkmalschutz-Töpfen von Land und Bund sowie vom Bistum Aachen und der Pfarrgemeinde.

„In vielen Jahren guter und enger Zusammenarbeit ist hier etwas gerettet worden, was in dieser Region auch einmalig ist“, sagt Michael Hoppe. Gerade im ländlichen Gebiet würde manche Orgel, deren Aufgabe die Verkündigung des Wortes Gottes und Lobpreisung ist, etwas stiefmütterlich behandelt. Im Bistum gebe es an vielen Stellen Überlegungen, wie Kirchengebäude auch bei einer verringerten Nutzung für Gottesdienste als „Orte von Kirche“ genutzt und belebt werden können. Denn auch über Kunst, Architektur und Musik könne Interesse geweckt werden.

In der Kirche Heilig Kreuz finden regelmäßig Konzerte an Sonntagen statt, das nächste am 5. Juli, 16 Uhr. Dr. Marion Esser (Alt), Gertrud Herkens (Sopran) und Guiomar Marques-Ranke (Klavier) gestalten ein Mendelssohn-Konzert. Aachens Domorganist Professor Michael Hoppe sitzt am 27. September um 16 Uhr am Spieltisch der Orgel in Hasselsweiler. Am 11. Oktober lässt Organist Tomas Wieczorek ab 16 Uhr Musik von Hans Zimmer erklingen. Das Adventskonzert am 13. Dezember, 17 Uhr,  wird von der Band „Funny Kitchen“ um Sängerin Christa Dohmen gestaltet.