Wenn jemand nach mehreren Jahrzehnten seinen Abschied nimmt, dann werden in der Regel viele Lobesreden gehalten. Aber wie sehr so ein Abschied in den Ruhestand die Wegbegleiter wirklich bewegt, merkt man weniger an wohlfeilen Worten als an ihren Taten.
Als für Klaus Paulsen der Abschiedsgottesdienst gefeiert wurde, gaben ihm gleich fünf Priester die Ehre: Münsterpropst Peter Blättler, Regionaldekan Ulrich Clancett, Johannes van der Vorst (Bezirkspräses der Schützenbruderschaften), Citykirche-Seelsorger Christoph Simonsen und Pater Wolfgang Thome zelebrierten den Gottesdienst. Die Stuhlreihen im Gotteshaus waren voll besetzt von Gemeindemitgliedern, Wegbegleitern, neuen und alten Kollegen. Alle waren sie gekommen, um dem Münsterkantor „Tschüss“ zu sagen und seine Leidenschaft für die Kirchenmusik nochmals live zu erleben.
Über 40 Jahre war Paulsen als Kirchenmusiker im Bistum Aachen aktiv, die letzten 24 Jahre davon prägte er die Kirchenmusik in der Münster-Basilika St. Vitus in Mönchengladbach und der Hauptpfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt, die seit 2006 Citykirche ist. In den Gottesdiensten spielte Paulsen mit hörbarer Freude die Orgel in den Kirchen, so manches Mal hörten die Gläubigen das Instrument unter seinen Fingern jubilieren. Aber auch mit seiner „Musik zur Marktzeit“ etablierte er eine Reihe, die sich bei Passanten, Wochenmarktbesuchern und Musikfans schnell großer Beliebtheit erfreute. Damit schenkte er den Menschen eine musikalische Auszeit vom Alltag.
Abschiede sind besonders: Auf der einen Seite will man jemanden nicht gehen lassen, den man schätzt. Auf der anderen Seite freut man sich mit demjenigen über den neuen Lebensabschnitt, der nun wartet und in dem er nun frei von beruflichen Pflichten entscheiden kann, was er machen will. Aber es entsteht eine Lücke.
Da ist zum einen Klaus Paulsens Persönlichkeit: ein grundfröhlicher, positiver Mensch, der mit Humor durchs Leben geht. Offen geht er auf die Menschen zu, als ob er sie seit Jahren kennt. Auf viele seiner Wegbegleiter trifft das ja auch zu. Aber auch denen, denen er zum ersten Mal begegnet, gibt er oft das Gefühl, als hätte er nur auf sie gewartet. Bei der Begrüßung zur „Musik zur Marktzeit“ war das oft zu beobachten.
Ob kirchliche Hochfeste, Heiligtumsfahrten oder eine zufällige Begegnung auf der Straße: Klaus Paulsen nimmt sich immer Zeit, ein paar freundliche Worte zu wechseln oder mit seinen Kollegen herzhaft zu lachen. Dabei ist er keineswegs kumpelhaft. Er schafft es, mit seiner natürlichen Zurückhaltung, seinem Gegenüber jede Scheu zu nehmen und eine Verbindung herzustellen.
Und dann ist da natürlich seine Musik. Als Kirchenmusiker habe er seinen Traumjob gefunden, sagte er einmal in einem Interview. Wer ihn bei der Ausübung seines Berufs hört und sieht, glaubt ihm das sofort. Der 1957 in Wassenberg-Birgelen geborene Paulsen studierte von 1975 bis 1979 an der „Bischöflichen Kirchenmusikschule“ in Aachen.
Frisch in den Bereichen Orgel, Chorleitung, Theorie und Improvisation ausgebildet, trat er 1979 seine erste Stelle als Kirchenmusiker an St. Laurentius in Grefrath an. Dort gründete er ein Kammerorchester und rief eine Konzertreihe ins Leben. Am 1. Januar 1991 wechselte er in die damalige Gemeinde St. Lambertus Erkelenz. Bis heute ist er seinem alten Wirkungskreis herzlich verbunden.
Elf Jahre später wechselte Paulsen nach Mönchengladbach. Am 1. Januar 2002 wurde er zum Kantor an die Münster-Basilika und an die damalige Hauptpfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt (heute Citykirche) berufen. Hier gab er seine Leidenschaft für die Kirchenmusik weiter: als Leiter des Münsterchors und des Newkammer-Chors der Gladbacher Singschule. Die hat Paulsen aufgebaut.
Auch wenn er im Hauptamt Kantor war, hat Paulsen auch außerhalb der Kirchenmauern die Liebe zur Musik weitergetragen. Seit 2005 war er Fachleiter für Gesang und Tanz an der Musikschule. Viele Sängerinnen und Sänger sind durch die Schule des Tenors gegangen. Mit beachtlichem Erfolg, denn Paulsen hat so manches Talent zum Sieger des Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“ gemacht und mit seiner Ausbildung eine spätere Gesangskarriere ermöglicht.
Er selbst hat eine klare und warme Tenorstimme, die die Gemeinden in seinen Wirkungskreisen oft gehört haben. Die Musik ist für ihn als gläubigen Katholiken mehr als ein Traumjob, den er mit viel Herzblut ausführt. Die Musik ist für ihn Gebet, ein wichtiger Bestandteil der Liturgie, der die Menschen direkt ins Herz trifft.
Das könnte ein Grund sein, warum so manches große Ereignis inoffiziell auch zu „Paulsen-Festspielen“ wurde. Der Kantor packte die Gelegenheit beim Schopfe, wenn er mit seinen Chören und anderen Musikern große Werke einstudieren konnte. Er trug wesentlich dazu bei, dass Veranstaltungen wie die Heiligtumsfahrten oder hohe Feiertage wie Ostern und Weihnachten für die Gläubigen zu unvergesslichen Erlebnissen wurden.
Seinem Nachfolger, Vincent Knüppe, hat Paulsen den Weg bereitet. Von Anfang an habe Paulsen ihn einbezogen, sagt Knüppe. Jetzt hat der 68-Jährige Zeit, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die Kür statt Pflicht sind. Mönchengladbach will er weiter treu bleiben – wenn das gewünscht ist, wie er ausdrücklich sagt. Er wird auch im Ruhestand viel zu tun haben.