Der vordere Reifen ist platt und das Licht funktioniert nicht – darum schaut Abu Bakr in der Fahrradwerkstatt des Asylkreises Schwalmtal vorbei. Thomas Hinz prüft den Schaden und gibt dann eine Einschätzung. Gut eine Stunde wird es dauern, dann kann Abu Bakr das Fahrrad wieder mitnehmen.
Seit 1991 kümmern sich Menschen verschiedener Konfessionen im Asylkreis um geflüchtete Menschen in Schwalmtal, organisieren Deutschkurse, veranstalten Kochabende und sorgen mit der Fahrradwerkstatt für ein bisschen mehr Mobilität. „Die Menschen brauchen ein Fahrrad, um zur Arbeit oder zu ihren Kursen zu fahren. Hier auf dem Land fahren die Busse nicht so oft wie in der Stadt“, erklärt Monika Höppmeier. Sie organisiert zusammen mit Thomas Hinz die Fahrradwerkstatt, macht Reparaturtermine oder nimmt gebrauchte Fahrräder an.
Meist spenden Nachbarn die Fahrräder, ab und zu sind es auch Fundfahrräder von der Kommune. Thomas Hinz prüft die Räder und macht sie wieder flott für den Straßenverkehr. Aus Fahrrädern, die er nicht wieder flottkriegt, baut er Teile aus, die er weiterverwenden kann. „Wenn ich das so zusammenrechne, komme ich auf 200 Stunden, die ich in die Fahrradwerkstatt investiere“, erzählt er. Die Fahrräder werden kostenlos an die Menschen weitergegeben, auch die Reparaturen sind kostenlos. Fahrradschlösser werden gekauft und für kleines Geld weiterverkauft.
Manchmal seien Kinder etwas enttäuscht, dass es nicht genau das Fahrrad gibt, das sie gerne hätten. Doch alles in allem werde das Angebot gut angenommen, erzählt Monika Höppmeier: „ Ein junger Mann hat mit seinem Fahrrad einen Ausflug an einen nahe gelegenen See gemacht. Er war richtig glücklich und hat mir Bilder von seinem Ausflug geschickt.“ Ein eigenes Fahrrad: es ist mehr Unabhängigkeit, ein Baustein zur Integration und ein Stück Lebensqualität.