Sobald sich die schweren Türen des Portals schließen, bleibt die Welt draußen, der Lärm der nahe gelegenen Trierer Straße dringt bestenfalls als fernes Hintergrundrauschen an die Ohren. Die Stille, gepaart mit der Gestaltung des Innenraums, schafft eine besondere Atmosphäre.
Fast vier Jahrzehnte war die Erlöserkirche, erbaut als Filialkirche zur Pfarrkirche St. Donatus in Brand, eine Gemeindekirche, mit der sich die Anwohnerinnen und Anwohner stark identifizierten. So traurig die Profanierung 2015 für viele war, so versöhnend ist es für die meisten zu erleben, dass „ihre“ Kirche noch immer da ist, nur in einer anderen Form.
Am 12. Juni 2016 wurde das Columbarium St. Donatus neu eingeweiht. Die Umwandlung zur Urnenbegräbnisstätte war in mehrerlei Hinsicht ein Start bei Null. „In Aachen gab es nur ein Vorbild, das war die Grabeskirche St. Josef“, erzählt Architekt Axel Birk, der mit Elmar Paul Sommer die Pläne für die Umgestaltung entworfen hat. „Wir wollten die Hülle aufhellen und Wärme hineinbringen“, fügt Sommer hinzu. Gelungen ist das durch die Goldakzente und die sonst zurückhaltende Gestaltung in verschiedenen Grautönen der Kapellenmauerwerke und der Bodenfliesen, die aus dem gleichen Würzburger Muschelkalk gefertigt sind wie der Grundstein des Gebäudes.
Vieles aus der Erlöserkirche hat seinen Platz im Columbarium gefunden: Taufbecken, Tabernakel, Heiligenfiguren, Orgel und Mensa, die Kirchenbänke wurden zu Sitzmöbeln umgestaltet. Zeitgenössische Kunstwerke fügen sich nahtlos ein. Die Glasfenster von Ludwig Schaffrath setzen bei Sonneneinstrahlung noch einmal besondere Akzente. Die beiden Architekten arbeiteten bei der Umgestaltung eng mit dem Kirchenvorstand zusammen, nahmen die Gemeinde mit bei den verschiedenen Umbauphasen. „Es ist ein heiliger Ort geblieben, das hat viele hoffentlich überzeugt“, sagt Axel Birk.
Den Raum mit Leben füllte Trauerseelsorgerin Nicola Terstappen mit einem vielfältigen Begleitungsangebot. Über das Jahr verteilt finden Gedenkgottesdienste, Songabende und Andachten statt. In der Adventszeit wird ein Baum aufgestellt, an den Trauernde Sterne mit den Namen ihrer verstorbenen Angehörigen aufhängen können. In der Fastenzeit wird eine Klagemauer aufgebaut, an der Angehörige ihre Trauer zum Ausdruck bringen können. Daneben gibt es Gesprächs- und Begleitungsangebote.
Nah an den Bedürfnissen der Menschen zu sein, ist das Anliegen von Jutta Borkens, die das Columbarium leitet und mit Eva-Maria Jansen Menschen berät, die dort eine Bestattung wünschen. „Eine seelsorgende Verwaltung ist wichtig“, unterstreicht sie. Das Verwaltungsbüro ist im Columbarium untergebracht, das ist für beide Seiten ein Gewinn, findet sie. Der Einzugsbereich des Columbariums reicht dabei über die Stadtgrenzen Aachens hinaus, bis in die Nordeifel hinein. Beisetzungen sind für alle möglich, die mit einem christlichen Begräbnisritus einverstanden sind.
Wie sehr die Gemeinde noch immer mit der Kirche verbunden ist, zeigen die Beratungsgespräche. „Manche möchten gerne in Richtung ihres alten Hauses bestattet werden. Andere haben eine besondere Beziehung zu einer bestimmten Kapelle oder zum Wasserspiegel. Viele sind mit der Erlöserkirche erwachsen geworden. Dass wir um diese Geschichten wissen, macht es so wertvoll“, sagt Jutta Borkens. 3061 Begräbnisstellen stehen zur Verfügung, dazu kommen 3005 Stellen in der Cäcilienkapelle für kostengünstige Urnenbestattungen. Angehörige, haben die Möglichkeit, mit kleinen Holzkreuzen an ihre Verstorbenen zu gedenken, die anonym oder nicht in Aachen bestattet sind.
Rund ein Drittel der Urnenplätze sind verkauft, das Columbarium trägt sich auch finanziell. Zukünftig möchte das Team den Außenbereich ausbauen. Auch die Trauerpastoral benötigt mehr Platz für die Angebote.
Die Rückmeldungen, die das Team erhält, spiegeln, dass das Columbarium gut angenommen wird. Anonymisiert werden sie im Rahmen der Jubiläumsfeier im Raum ausgestellt . Aus diesen Rückmeldungen heraus entstand das Motto, unter dem das Jubiläumsjahr steht: „Ein Ort, der trägt“.
Den Auftakt macht ein Konzert am 12. Juni um 19 Uhr mit der Musikvereinigung Hahn. Auch das knüpft an alte Zeiten an, denn die Erlöserkirche wurde aufgrund ihrer Akustik gerne als Aufführungsort für Konzerte gewählt.
Weiter geht es am 13. Juni mit einer festlichen Matinee um 11 Uhr (Anmeldung erforderlich). Um 14 Uhr führen GertrudAnna Wyden und Amélie Estherházy in ihre Kunstwerke ein, die sie dem Columbarium überlassen haben.
Am 14. Juni wird ein Workshop mit der Trauerbegleiterin und Kunsttherapeutin Mirjam Verspuij von 10 bis 16 Uhr angeboten. Die Teilnahme kostet pro Person 10 Euro, Anmeldungen unter Tel. (02 41) 47 57 99 66 oder columbarium@st-donatus.de.
Das Jubiläumsjahr endet mit der Ausstellung „Wer ist der Mann auf dem Tuch?“ des Malteserordens vom 13. Juni bis 28. Juli 2027.