Ein Kreis schließt sich

Mit der Einweihung der neuen Kapelle St. Petrus beginnt für die umgesiedelten Dörfer eine neue Ära

(c) Garnet Manecke
Datum:
22. Juni 2022
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 25/2022 | Garnet Manecke

Vor gut einem Jahr war der erste Spatenstich, nun wurde die Einweihung von St. Petrus in Keyenberg-Kuckum-Westrich-Berverath gefeiert. Damit haben die Gläubigen in den umgesiedelten Orten wieder eine kirchliche Heimat. Die KirchenZeitung hat sich am Rande der Feierlichkeiten unter den vielen Gästen umgehört und sie gefragt, was dieser Tag für sie bedeutet.

Maria Bubenitschek, Münster, ehemalige Gemeindereferentin Herz Jesu Kuckum

(c) Garnet Manecke

Bis 2013 war ich Gemeindereferentin in Kuckum, und mein Schwerpunkt waren die Gemeinden, die vom Tagebau betroffen sind. Das war noch vor der Gesamtfusion der Pfarrei.

Mit Blick auf die Umsiedlungen finde ich, dass diese Einweihung ein wichtiger Meilenstein ist. Es ist gut, dass die Kirche hier nun einen Ort hat und eine Anlaufstelle für die Menschen ist. Damals habe ich in Immerath die Kirche mitgeplant, bin aber kurz vor der Konsekration nach Münster gewechselt. Damals war es für die Menschen wichtig, dass es wieder einen Ort gibt, an dem sie sich versammeln können. Man kann abschließen, aber es bleibt der Schmerz, dass etwas aufgegeben wurde. Die Weihe ist der ritualisierte Start für einen Neuanfang.

Persönlich hat mich sehr gefreut, dass mein Gebet als Schlussgebet gewählt wurde. Ich habe es damals geschrieben für die erste Sitzung zum Thema Umsiedlung. Damals dachte ich, dass es gut ist, den Prozess mit einem Gebet zu beginnen. Damit, dass es nun auch zum Abschluss des Prozesses gebetet wurde, schließt sich dieser Kreis.

Ferdinand Kehren, Golkrath, Mitglied des GdG-Rates Christkönig Erkelenz

(c) Garnet Manecke

Bis 2020 war ich im Erkelenzer Stadtrat aktiv und habe die Umsiedlungen daher auf kommunaler Ebene mit begleitet.

Die Einweihung ist ein positives Signal, weil wir in letzter Zeit miterleben, dass Kirche überall zurückgefahren wird und Kirchengebäude entwidmet werden, weil sie nicht mehr finanziert werden können.

Auf der anderen Seite aber bedeutet diese Einweihung, dass fünf Orte zusammenwachsen. Ich denke, die neue Kapelle kann einen Beitrag dazu leisten, dass sich nach der Umsiedlung der Orte alles wieder beruhigt. Viele hier haben die Probleme mit der Umsiedlung überwunden. Es ist wichtig, dass hier Gemeinschaft entsteht. Es gab ja einige Reibereien, weil die Orte ihre Selbstständigkeit erhalten wollten. Aber es besteht nun eine große Chance auf eine Gemeinschaft, die Zukunft hat.

Josef Bodewig, Kuckum, Mitglied des Kirchenvorstands

(c) Garnet Manecke

Die Einweihung ist ein einschneidendes Erlebnis für uns, und wir sind heilfroh, dass wir nach den vielen Schwierigkeiten nun so weit sind. Wir haben jetzt, Gott sei Dank, ein wunderbares Ensemble aus Kapelle, Pfarr- und Begegnungszentrum. In Keyenberg, Kuckum, Ober- und Unterwestrich sowie in Beve-rath sind wir sehr froh, dass wir das gemeinsam geschafft haben. Wir haben eine gute Nachbarschaft und ein Vereinsleben, das nun langsam wieder lebendig wird.

Für uns ist es ein wichtiges Gefühl, wieder eine Basis zu haben. Wir haben jahrelang gekämpft und gestritten, das ist nun vorbei. Auch wenn sich in der Dorfstruktur manches verändert hat. In Alt-Kuckum habe ich zum Beispiel mit meiner Familie am Dorfrand gewohnt, der nächste Nachbar war 50 Meter entfernt. Jetzt habe ich direkte Nachbarn. Die Mühen und Planungen haben sich für alle im Dorf gelohnt.

Gertrud und Heinz-Peter Hurtz, Borschemich

(c) Garnet MAnecke

Borschemich ist ja nicht weit weg, da sind wir herübergekommen, um bei der Einweihung dabei zu sein. Wir hatten das ja alles schon mal mit unserer Kirche (St. Martinus Borschemich, Anm. d. Red), aber eine Nummer kleiner. Ich finde es schön, dass eine neue Kirche eingeweiht wird. Im Moment ist es ja schwierig, die Kirche hat ja keinen guten Namen wegen der vielen Skandale. Mit den zwei Jahren Corona war es ja auch schwierig, obwohl man sich im Dorf natürlich gegenseitig hilft.

Ich bin gebürtige Borschemicherin, dort geboren und aufgewachsen. Es war für mich sehr schwer, dort wegzugehen. Mein Mann lebt seit 50 Jahren im Dorf. Im alten Dorf waren wir aktiv, aber jetzt geht einiges nicht mehr. Mein Mann hat seine Ämter bei den Schützen alle abgegeben. Die Kirche gehörte früher zum normalen Dorfleben. Sie ist wichtig, weil das die Gemeinschaft betrifft. Ich habe die Hoffnung, dass wir heute wieder in einer Kirche zusammenkommen.

Rainer Merkens, Venrath, ehemaliger Küster in der Pfarrei Christkönig Erkelenz

(c) Garnet Manecke

Alt-Keyenberg ist das Nachbardorf von Venrath. Es tut weh, keine Nachbarn mehr zu haben. In Alt-Keyenberg sind jetzt nur noch zwölf Häuser, in denen Menschen wohnen, die schon dort wohnten, als es mit den Umsiedlungen losging. Die Einweihung der neuen Kirche hat zwei Seiten: Es gibt immer noch einen wehmütigen Rückblick, aber es ist auch ein deutliches Signal, dass die Kirche wieder bei den Menschen angekommen ist.

Ich glaube, das hilft, den Schmerz der Umsiedlung zu verarbeiten. Man hat nun wieder die Möglichkeit, sich mit seiner Kirche zu identifizieren. Das gibt die Chance, sich zu Hause zu fühlen. Alles ist sehr modern, aber man findet auch einiges aus den alten Orten. Vor allem werden die Besucher von dem Licht überrascht sein: Je nachdem, wie die Sonne steht, werfen die Fenster die Farbschatten auf die gegenüberliegende Wand. Die Aussparungen in der Ecke stehen für den Abbruch und die damit verbundenen Verletzungen. Eigentlich sollte dafür aus Bruchstücken der alten Fenster etwas gemacht werden. Aber da das alte Kirchengebäude erst mal stehen bleibt, konnte das nicht umgesetzt werden. Ich hoffe, dass nun mit der Einweihung bei den Familien endlich wieder Normalität einkehrt. Jahrelang stand das Thema Umsiedlung über allem, führte zu schlaflosen Nächten und Streit in den Familien. Nun können alle zur Ruhe kommen.

Philipp Schmitz, Kaplan in der Pfarrei Christkönig Erkelenz

(c) Garnet Manecke

Das Ereignis an sich ist ja schon etwas Besonderes. Wann wird schon mal eine Kirche geweiht? Diese Kapelle soll mit Keyenberg, Kuckum, Beverath und Ober- und Unterwestrich fünf Gemeinden zusammenführen. Deshalb haben wir das Gebäude Begegnungszentrum genannt. Hier soll Begegnung stattfinden: mit Menschen und mit Gott. Die Einweihung heute ist ein besonders freudiges Ereignis, auch vor dem Hintergrund der Querelen der Vergangenheit.

Dies ist ein Ort, an dem etwas Neues beginnen kann. Dies ist der Ort, an dem die Keyenberger, Beverather, Kuckumer und Westricher ihr Gotteshaus haben. Wichtig ist, dass Seelsorge nicht nur hier stattfindet, sondern nach wie vor auch an den alten Orten. Das Fundament einer Gemeinde ist ja niemals nur das Gebäude, sondern Jesus Christus. Das steht dahinter.