Die Zukunft ist ökumenisch

Zum Ende der Heiligtumsfahrt in Mönchengladbach betonte Bischof Helmut Dieser den gemeinsamen Weg

Seite an Seite mit den evangelischen Glaubensgeschwistern: Bischof Helmut Dieser vor der Vitrine mit der Reliquie der Heiligtumsfahrt in Mönchengladbach. (c) Garnet Manecke
Seite an Seite mit den evangelischen Glaubensgeschwistern: Bischof Helmut Dieser vor der Vitrine mit der Reliquie der Heiligtumsfahrt in Mönchengladbach.
Datum:
5. Juni 2023
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 23/2023 | Garnet Manecke

In einer feierlichen Vesper mit Bischof Helmut Dieser wurde die Reliquie in Mönchengladbach wieder verschlossen. Erst in fünf Jahren wird die Versiegelung der Schlüssel für den goldenen Schrein wieder aufgebrochen und das Stück Tischtuch vom letzten Abendmahl wieder hervorgeholt. Einen Tag zuvor erklang in der Münsterbasilika beim diözesanen Kinderchortag noch eine ganz andere Stimme der Heiligtumsfahrt.  

Nun ist das Tuch wieder unter Verschluss. Der Tradition entsprechend haben Münsterpropst Peter Blättler und Felix Heinrichs, Oberbürgermeister von Mönchengladbach, das in eine versiegelte Mappe gefaltete Tuch in den Schrein gelegt und die Schlüssel ebenfalls in einem Kästchen versiegelt. Fünf Jahre wird es nun dauern, bis 2028 die Siegel wieder gebrochen werden und die Reliquie der Öffentlichkeit gezeigt wird. Eine Zeitspanne, in der sich die Verhältnisse ändern können, wie man das vor einigen Jahren kaum für möglich gehalten hätte.

Zwei Auswirkungen habe diese sehr ökumenisch ausgerichtete Heiligtumsfahrt, sagte Bischof Dieser in seiner Predigt. „Erstens: Es bringt uns den Segen eucharistischer Einheit näher. Das Geheimnis der Einheit liegt nicht in Verhandlungsergebnissen, sondern im Glauben, dass es wirklich geschehen ist“, sagte Dieser mit Blick auf das Stück Leintuch, das als ein Teil des Tischtuchs vom letzten Abendmahl gilt. „Nur gemeinsam können wir hinausgehen und das Evangelium verkünden. Die volkskirchliche Verfassung zweier Kirchen geht zu Ende. Es gibt schon längst kein selbstverständliches Evangelischsein und kein selbstverständliches Katholischsein mehr.“

Die Mönchengladbacher Heiligtumsfahrt war in der Planung, Organisation und Durchführung ökumenisch ausgerichtet. Erstmals in ihrer Geschichte haben die evangelischen Glaubensgeschwister aktiv mitgeplant und mitgestaltet. Einige Veranstaltungen fanden in den Räumen der evangelischen Kirche statt. Zum mittwöchlichen Friedensgebet in der evangelischen Hauptkirche Rheydt hatte die Evangelische Gemeinde Bischof Dieser eingeladen. Erstmals seit über 1000 Jahren hatte die Reliquie den Abteiberg dafür verlassen. „Sie haben keinen Zweifel daran gelassen, dass die Zukunft ökumenisch ist“, sagte Till Hüttenberger, Pfarrer der evangelischen Friedenskirchengemeinde.

Zum Abschluss segnete Bischof Helmut Dieser nach der Verschließung noch die vielen Pilgerkreuze der Kindergarten- und Grundschulkinder. Die Kreuze waren entsprechend des Mottos „Verwoben“ kleine Webrahmen, die die Kinder individuell gestaltet hatten. Schon den Tag zuvor war Dieser in die Münsterbasilika gekommen, um mit über 450 Kindern aus den Chören des ganzen Bistums einen Gottesdienst zu feiern. An den Altar gelehnt stand das zwei Meter hohe Kreuz, das ebenfalls von Kindern bewebt wurde.

Schon beim Eintritt in die Münsterbasilika bekam so mancher Besucher Gänsehaut von dem fröhlichen vielstimmigen Kinderchor. Der krönende Abschluss eines ganzen Tages mit Singen, Tanzen und Trommeln in Workshops wie „Ghanaische Spiel- und Bewegungslieder“, „Lieder zur Geisterstunde“ oder „Lieder von Schatzsuchern und Piraten“.

Er gebe den Stab nun an die Kollegen der Heiligtumsfahrt in Aachen und Kornelimünster weiter, sagte Blättler in Richtung von Dompropst Rolf-Peter Cremer und Kornelimünsterpropst Andreas Möhlig: „Unsere war schön.“ 

Eindrücke vom Abschluss der Heiligtumsfahrt Mönchengladbach

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