Die Ökumene hat Zukunft

50 Jahre ACK Aachen: lebhaftes Miteinander vieler Kirchen

Auf die nächsten fünf Jahrzehnte: Pfarrer Andreas Mauritz und Presbyter Heiner Schroth (v.l.). (c) Gerd Felder
Auf die nächsten fünf Jahrzehnte: Pfarrer Andreas Mauritz und Presbyter Heiner Schroth (v.l.).
Datum:
5. Juni 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 12/2026

Die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) Aachen, ein Zusammenschluss christlicher Kirchen, Gemeinden und Konfessionen aus dem Aachener Raum, feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Wie kam es zur Gründung, wie hat die ACK Aachen sich entwickelt, und was sind die Herausforderungen und Ziele heute? Darüber sprach Gerd Felder mit dem derzeitigen Vorsitzenden, dem evangelischen Presbyter Heiner Schroth, und dem katholischen Pfarrer Andreas Mauritz, ACK-Vorsitzender der Jahre 2020 bis 2022.

Herr Schroth, Herr Mauritz, wie kam es zur Gründung der ACK in Aachen?

Schroth: Im Jahr 1948 hat die evangelische Kirche mit fünf anderen Konfessionen die ACK in Deutschland gegründet. Im Zuge der Würzburger Synode trat im Jahr 1974 die römisch-katholische Kirche der ACK Deutschland bei, im selben Jahr auch die griechisch-orthodoxe Metropolie von Deutschland. In den darauffolgenden Jahren wurden in vielen Städten lokale ACKs gegründet, auch in Aachen. Am 15. Oktober 1976 trafen sich bei der Regionalstelle im Bistum Vertreter der evangelischen, römisch-katholischen, altkatholischen und griechisch-orthodoxen Kirche zur konstituierenden Sitzung. Auch mehrere evangelische Freikirchen nahmen teil, erklärten aber damals, nur einen Gäste-Status einnehmen zu wollen. Heute, im Jahr des Jubiläums, sind wir zwölf Mitgliedskirchen und haben mit Lighthouse und Gospelhouse zwei Gastmitglieder. Als letzte Vollmitglieder sind die koptisch-orthodoxe und die neuapostolische Kirche hinzugekommen.


Was lässt sich angesichts des Jubiläums positiv vermerken?

Schroth: Die ökumenische Zusammenarbeit hat sich bei uns in den vergangenen 20 Jahren erheblich verbessert. Man nimmt den anderen viel mehr wahr als früher, der gegenseitige Austausch und gemeinsame Veranstaltungen haben zugenommen. Früher gab es immer Vorbehalte, und manche sagten offen: Wir sind uns selbst genug und müssen nicht über den Tellerrand schauen. Das ist heute anders. 

Mauritz: Dass man sich theologisch auseinandergesetzt und in freundschaftlicher Verbundenheit diskutiert, ist heute gang und gäbe, war aber in den Anfängen nicht selbstverständlich. Das hat uns alle geprägt. 


Was sind Ihre größten Erfolge, was hat die ACK Aachen bekannt gemacht?

Schroth: In der breiten Öffentlichkeit, also auch bei denen, die uns sonst nicht kennen, sind wir vor allem durch das Weihnachtssingen auf dem Tivoli und die Nacht der offenen Kirchen bekannt geworden. Das sind  Leuchtturmprojekte. 


Was gibt es an inhaltlicher Arbeit?

Schroth: Wir halten regelmäßige Treffen ab. Dabei haben wir jedes Mal ein Schwerpunktthema, und wichtige Repräsentanten der Kirchen besuchen uns. So hat uns etwa Bischof Dr. Helmut Dieser kurz nach seinem Amtsantritt besucht, und wir haben die Superintendentin Verena Jantzen eingeladen, uns Perspektiven und Visionen für die Ökumene aufzuzeigen. Themen, mit denen wir uns intensiver beschäftigt haben, waren die Geschichte der Täufer, das Reformationsjubiläum und das Jubiläum des Konzils von Nizäa. Darüber hinaus haben wir Vertreter anderer Religionen eingeladen, um sie besser kennenzulernen, etwa den Rabbiner und den Gemeindeleiter der jüdischen Gemeinde in Aachen.


Gibt es auch strittige Themen, zum Beispiel Taufe und Wiedertaufe?

Schroth: Das war und ist bei uns kein Streitthema, denn die Baptisten in Aachen haben im vorigen Jahr die Kindertaufe anerkannt. Bei anderen Gemeinden und Gemeinschaften war das schon früher der Fall. Wir sind alle verschieden und sehen darin etwas Wertvolles und Bereicherndes. Deshalb tolerieren wir jeweils die anderen Konfessionen und wollen sie nicht von unserer eigenen Position überzeugen.


Gibt es herausragende Figuren, die die ACK Aachen stark geprägt haben?

Mauritz: Da würde ich von katholischer Seite Pfarrer Paul Türks nennen, der im Jahr 1986 im Haus Hörn das erste Hospiz Deutschlands gegründet hat. Von griechisch-orthodoxer Seite ist Bischof Evmenios von Lefka erwähnenswert, der stets sehr kooperativ war und nicht zuletzt durch seine Freundschaft mit dem früheren Bischof Klaus Hemmerle die Ökumene stark vorangebracht hat. Als kluger Theologe und einfühlsamer Seelsorger war außerdem der frühere Superintendent Friedhelm Lindner ein großer Förderer und Motor der Ökumene. Aber es ist immer problematisch, einzelne Personen hervorzuheben. 


Wie ist es um die Zukunft der Ökumene bestellt?

Schroth: Wir haben in Aachen viel Zuspruch für unsere Veranstaltungen, besonders bei politischen Themen engagieren junge Leute sich. Spiritualität ist für Jugendliche nach wie vor sehr wichtig. Darüber hinaus machen wir viele Angebote für junge Familien und sind mit ihnen ökumenisch unterwegs, wobei das Wort „Ökumene“ oft nicht explizit fällt. Viele sagen von sich selbst ganz einfach, sie seien Christen. Nicht vergessen dürfen wir die „Christians for Future“. Und nicht zuletzt ist die Ökumene vor Ort in Schul- und Altenheimgottesdiensten sowie bei Taizé-Fahrten lebendig. Sie hat also Zukunft. 


Wird unter Ökumene heute mehr verstanden als die katholisch-evangelischen Beziehungen?

Schroth: Es ist unser Bestreben, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Ökumene nicht nur aus zwei Konfessionen besteht, sondern ein sehr lebendiges Miteinander vieler Kirchen ist. Ich fühle mich zum Beispiel durch die Neuapostolische Kirche ausgesprochen bereichert. 

Mauritz: Wir leisten unseren Beitrag dazu, dass die Ökumene multilateral gesehen wird, aber wir dringen oft nicht ins Bewusstsein der breiten Bevölkerung vor. Die Chance besteht allerdings darin, dass Menschen anfangen, danach zu fragen.


Hoffen Sie darauf, dass Sie eines Tages in der ACK Aachen gemeinsam Abendmahl feiern können?

Schroth: Wir von der evangelischen Kirche haben kein Problem damit und laden alle zum Abendmahl ein. An der evangelischen Kirche scheitert das nicht. Aber es gibt unter unseren Mitgliedskirchen nach wie vor unterschiedliche Sichtweisen im Hinblick auf das Abendmahl und die Ämterfrage.

Mauritz: Träumen darf man ja, denn ich gebe den Grundgedanken nicht auf, dass wir den einen Herrn und die eine Taufe haben. Ich persönlich würde niemanden an der Kommunionbank wegschicken. Gastfreundschaft ist sehr wichtig und ein unschlagbares Zeichen. Unser Ziel bleibt die sichtbare Einheit in der Vielfalt oder die versöhnte Verschiedenheit. 

Es wird gefeiert

Die ACK Aachen feiert ihr Jubiläum am Samstag, 20. Juni. Es beginnt um 14 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der katholischen Kirche St. Foillan. Danach gibt es auf dem Domhof und in der Innenstadt Spiele, Aktionen und Gespräche. Der Tag wird um 18.30 Uhr mit einem Talk am Abend im Haus der evangelischen Kirche zu Ende gehen.